Cadillac BLS Testbericht

Zusammenhalt bringt jedem was. Dem Unternehmen Kohle, der Gemeinschaft eine interessante Artenvielfalt.

01.02.2008 Autorevue Magazin

Je ungewöhnlicher die Mischung, desto härter rennt der Verstand an die Wand: Cadillac steht auf diesem Auto drauf. Aber seit wann baut Cadillac Kombis? Seit Cadillac mit dem BLS die Mittelklasse als Verbreiterungszone seiner selbst entdeckt hat. Wie das die Cadillac-Mutter GM angegangen ist, erklärt dann auch das komische Gefühl, dass wir dieses Auto zu kennen glauben. Im Weg steht alleine die Stylingsprache, die hartnäckig die markante Kante des feudalistischen Amerika ins Bild drängt.

Und doch hat das Gefühl recht: Der BLS Wagon ist innerlich ein Saab. Du erkennst einen Saab-Schlüssel, greifst Saab-Lenkradhebel und ziehst eine Saab-Handbremse (so einen ungewöhnlichen Hebelbogen merkt man sich einfach für immer). Und auch von außen: Die tiefe Dachstirne grüßt schwedisch.

All das kommt durchaus sympathisch rüber. Es finden die hohen Ansprüche zweier Marken zusammen, man kann das vor allem an Details wie dem schön aufgeräumten Handschuhfach ablesen, an den haptisch und optisch angenehmen Materialien, an der analogen Uhr und an der Ausstattung des Kofferraums. Dort freut man sich über eine niedrige, chromverbrämte Ladekante, über vier Verzurrösen, über einen dicken Veloursteppich und ein Abdeckrollo, das auch eine erhöhte Stellung kennt (aber bitte wieder ans Runterklappen denken, sonst sieht man nix durch die Heckscheibe). Woran man freilich eher nicht denken will, ist, diesen Kombi für Hardcore-Ladeeinsätze zu verwenden oder in den cremeweißen Kofferraum auch nur ein vom ersten Frühlingsgatsch angepatztes Mountainbike einzuladen.

Im Licht der Sauberkeit ist die Mischung gelungen. Das Cadillac-Hafte liegt leicht über der guten Substanz. Einen amerikanischen Kombi, der sich anfühlt wie ein europäischer, lässt man sich gerne gefallen. Die exotischen Zitate sind oberflächlich, da spielt etwa ein dezenter Falz am Dashboard die harte Linie auf der Motorhaube ins Innere. Die hellen Ledersitze sind mehrfach elektrisch verstellbar (kostet allerdings extra), und auf Musik und Navigation kann man direkt mit dem Finger auf dem Bildschirm zugreifen (kostet natürlich auch extra).

Mit 180 PS war unser Testwagen die stärkste Botschaft der Diesel-Abteilung. Es handelt sich dabei um einen neuen Motor mit Common-Rail-Einspritzung und Biturbo-Aufladung, der sich mit 400 Nm antrittsmäßig forsch gibt, wobei alle Souveränität manchmal zwischen erstem und zweitem Gang verloren geht, wenn die größere Übersetzung im Rollen nicht mehr greift und widerwillig der kleine Gang reingezwungen werden muss.

Was das Raumangebot betrifft, spielt der BLS Wagon den gängigen Vorstellungen amerikanischer Großzügigkeit entgegen. Nur weil er hinten mit schick abgedunkelten Scheiben daherkommt, legt er keine ernsten Maßstäbe an. Die Platzverhältnisse sind endlich, auf der Rückbank kann es unter lauter Erwachsenen eng werden, und mit dem Kofferraum lebt man nur gut, wenn man die Kirche im Dorf lässt und auch sonst keine ladetechnisch anspruchsvollen Hobbys hat: Die 1273 Liter Maximalfassungsvermögen des BLS Wagon liegen unter VW-Golf-Niveau, und im Kreis der Kombi-Konkurrenz bringt es sogar der um eine Spanne kürzere BMW Dreier touring mit 1358 Liter auf mehr Ladevolumen.

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