Auch wenn Wasserstoffautos laut Experten bereits alltagstauglich sind - die Infrastruktur ist es nicht.
 

Brennstoffzellen-Autos laut Experten schon alltagstauglich, aber fast vergessen

Große wissenschaftliche Fortschritte bei Wasserstoffautos „hinter verschlossenen Türen“, aber kaum öffentliches Interesse an der Technologie

12.09.2013 APA

Ende der Neunziger Jahre waren Wasserstoffautos in aller Munde. Verschiedene Autohersteller kündigten an, im Jahr 2004 leistbare Brennstoffzellen-Autos auf den Markt bringen zu wollen. Viel davon hört und liest man heute nicht mehr – aber es wird eifrig weitergeforscht. Die Wasserstoffautos seien mittlerweile bereits alltagstauglich geworden, so Experten am Dienstagabend im Rahmen der vom Wissenschaftsfonds FWF organisierten Vortrags- und Diskussionsreihe „Am Puls“ in Wien.

Brennstoffzellen sind umweltfreundliche Energiespender, in denen sich Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser verbinden. Dabei wird elektrischer Strom erzeugt, der etwa Autos, Kraftwerke und Laptops antreiben kann. Hinter verschlossenen Türen wären die Firmen „voll dahinter“, Brennstoffzellen-Autos zu entwickeln und zu testen, so Werner Tillmetz vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg.

Asien ist Vorreiter bei Wasserstoffautos

Die Autohersteller hätten dabei große Fortschritte gemacht, und einen Brennstoffzellen-Motor könne man von außen kaum mehr von einem Benzin- oder Dieselantrieb unterscheiden, so der Experte. Weltweit seien ungefähr 1.000 Brennstoffzellen-Fahrzeuge unterwegs, sie würden gut funktionieren, seien robust und alltagstauglich. Die Innovationen gingen aber nicht von Europa aus, kritisierte Tillmetz. „Asien dominiert wieder einmal die Markteinführung und ist dabei, die Weltmärkte zu erobern“, sagte er.

Infrastruktur fehlt

Ein Problem sei allerdings, dass die Infrastruktur fehlt, um die Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit Treibstoff zu versorgen. Es würde auch niemand ein Netz von Wasserstoff-Tankstellen aufbauen, solange nicht eine gewisse Zahl an Brennstoffzellen-Autos unterwegs ist, weil sich das nie und nimmer rechnen könnte, so Tillmetz. Manche Autohersteller wollen das Dilemma lösen, indem sie einfach viele solcher Autos produzieren, aber auch die Politik sollte hier mit Subventionen ihren Teil beitragen, erklärte er.

Hype hätte auf Markteinführung vorbereiten sollen

Dass die Brennstoffzellen Ende der 90er Jahre in den Himmel gelobt wurden und dann doch nicht so schnell den Markt eroberten, sei nicht nur negativ zu bewerten, meinten Matthias Weber und Björn Budde vom Foresight & Policy Development Department am Austrian Institute of Technology (AIT). Solch ein Hype könne auch Mobilisierungsfunktion haben und die Rahmenbedingungen für eine neue Technologie verbessern. „Bei der Brennstoffzellen-Technik und den damit verbundenen fundamentalen Veränderungen in der Technik, Infrastruktur und für die Benutzer hätte man sich allerdings besser von Anfang an darauf einstellen sollen, dass ein langer Atem notwendig wird“, erklärte Weber.

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