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Testbericht: BMW X6 M

Da sich in der Redaktion leider niemand fand, der diesem Auto mit der gebotenen Korrektheit gegenübertreten wollte, luden wir den Eishockeyprofi und X6-Fahrer Sean Ivory ein, uns was über seine persönlichen Erfahrungen damit zu erzählen. Er hat das dann gleich alles selbst aufgeschrieben.

01.11.2009 Autorevue Magazin

Autos waren schon immer mein Ding. Neben Hockey, mit Freunden rumhängen und Fliegenfischen. Ich meine: Autos. Nicht diese kleinarschigen Hybridtunten aus dem Land der aufgehenden Reiskartons. Wie sagte schon J. R. Ewing zu Lucy, als er ihr den Schlüssel für seine S-Klasse in die Hand drückte: „Here, drive a real car!“ Bei Dallas fuhren die Geldsäcke immer mit Stern, Bobby, J. R., Sue Ellen. Jock, der Coolste, fuhr allerdings Caddy. Nun gut, er war der Boss und musste die Nation stärken. Starb dann ja auch bald. Nur der Loser Clive Barnes setzte auf Bee-Am-Dub. Ein 635 CSi. Bee-Am-Dub war damals noch nicht das große, das richtige Ding. Sonst wäre es nicht ausgerechnet Barnes gewesen, der einen fuhr.

Apropos Dallas:

Nach sechs Monaten bei den Stars schien mir die Zeit reif für eine Veränderung. Chief Hicks sah das auch so, sogar noch vor mir. Also ging ich nach bad old Europe, wo die Jungs aussehen, als hätte man ihre Dressen mit Klebstoff beschmiert und sie dann in Mülleimer gestoßen. Aber sie spielen nicht schlecht. Ich bin jetzt 43. Hockeyspielen kann man, solange man gehen kann, sagt mein Freund Greg Holst. In Europa sogar noch darüber hinaus, sage ich.

Ich hab jetzt auch einen neuen Dienstwagen. Selbst gekauft, selbst finanziert. Die Clubs hier geben einen Astra aus, wenn’s hoch kommt, aber verdammt, ich bin nicht Charlie Rivel, der Clownkönig!

Der Bee-Am-Dub X6 M ist der autogewordene Stanley Cup. Ich liebe dieses fette Teil. Bin es schon drüben in den Staaten gefahren, aber dort macht mir so was keinen Spaß mehr. Meine Leute pissen sich mittlerweile in die Hose, wenn sie ein Auto sehen, das größer als ein Civic ist. Wie sieht das aus: Ich kreuze durch die Stadt, und an jeder Ecke ein Angepisster. Danke, Mann!

Der X6 ist größer als drei Civics.

Ich meine, seine Kofferraumkante geht mir fast bis zum Kinn. Erst gestern hätte ich beim Zurückstoßen um ein Haar so einen Froggy-Van gekillt, weil ich beim Telefonieren ja schließlich nicht an alles denken kann. Der Mann war echt in Lebensgefahr. Ich sage: Besser von mir über den Haufen gefahren werden als langsames Siechtum mit Haferschleim und Bettpfanne. Hat man wenigstens was zu erzählen.

Ich hab ’nen weißen Bee-Am-Dub. Weiß ist die Farbe der Ölscheichs. Ihr erinnert euch: Wir Texaner machen in Öl. Ich mache nicht in Öl, aber ich fackle Benzin in einem großvolumigen Motor ab. Das Ding säuft wie Frank Sinatra nach ’ner Wüstendurchquerung. So gesehen mach ich auch in Öl: Ich mach es weg.

*

Es musste ein M sein.

Klar, der nächstbilligere X6 kostet fast 40 Scheine weniger, hat dann aber auch nur 407 PS. Ich spiele Hockey, wie ihr wisst. Für mich zählt Power. Wenn ich selbst einen Powerstart mache, bin ich in vier Sekunden beim feindlichen Tor. So ist mein Auto: wiegt zweieinhalb Tonnen und ist in 4,7 Sekunden von Null auf Hundert. Und macht das ganz gelassen. Der All Wheel Drive hält die Kiste gut in der Spur, und dann haben die noch was Besonderes eingebaut: Dynamic Performance Control. Verteilt die Kraft zusätzlich zu den Regelmechanismen des Allradantriebs zwischen rechtem und linkem Hinterrad.

Mein Bee-Am-Dub-Dealer sagte zu mir: „Das ist das Richtige für dich, Sean, das erhöht die Spurstabilität in nie dagewesener Form!“ Immer ’nen bürgernahen Spruch auf den Lippen, der gute Mann, aber er hat recht: Das Auto verbeißt sich im Asphalt wie meine Kufen im Gesicht des gegnerischen … äh, wie im Eis. Und das Beste: Die zweieinhalb Tonnen kriegst du nicht mit. Ich meine, die Lenkung ist so direkt, die wirft das Ding herum wie ’nen halben Hamburger, und nix passiert. Abgesehen davon, dass es meine Hockeytasche so gegen die Seitenwände wirft, dass ich Angst habe, sie wird noch mal ein Loch schlagen.

*

Ich bin nicht nur Hockeyspieler, ich bin auch Amerikaner.

Ein geborener Manns-Amerikaner. Ich meine, wir Leute stehen auf Sicherheit.
Sicherheit ist für uns das Höchste. Wenn ich mit meinem X6-Enforcer* gegen ein Haus fahre, fällt das Haus um. Das ist für mich Sicherheit, Mann. Ich brauche keine gepanzerten Scheiben und diesen ganzen O. J. Simpson-Mist. Ich kann für mich selbst sorgen. Trotzdem ist der X6 näher an unseren guten M1-Abrams-Kampfpanzern dran als jedes andere Auto, das ich kenne. Bis auf die 120-mm-Kanone natürlich. Ja, Leute mit Pazifismus und ähnlichen Defekten mögen beide Fahrzeuge gleich gern leiden.

Ich bemängle, dass es vorne nur zwei Cupholder gibt. Mir gefällt, dass die Heckklappe auf Knopfdruck aufgeht. Ich bemängle, dass ein Manns-Texaner wie ich auf den hinteren Sitzen seinen Kopf einziehen muss. Okay, nicht gerade einziehen. Aber versucht mal, mit einem Stetson auf dem Kopf einzusteigen, und ihr wisst, wovon ich spreche.

*

Manchmal will ich dieses Auto fühlen.

In solchen Momenten drück ich die M-Taste am Lenkrad, vor allem, wenn ich schnell nach Hause möchte: Dann werden die Hunde der Hölle freigelassen, sag ich mal. Dynamic Mode nennen die Fachfreaks das. Da greift die Stability Control erst später ein, das Auto wird noch schneller und lässt auch den einen oder anderen kontrollierten Drift zu. Oder das, was die von Bee-Am-Dub unter kontrolliert verstehen. Da brauchst du deine besten Nerven, wenn sich der 2500-Kilo-Mistkerl so richtig unter deinem Arsch wegkicken möchte. Aber es dauert nur ein paar Sekundenbruchteile, und schon hat sich der Mistkerl wieder eingekriegt. Er weiß die ganze Zeit, was Sache ist. Du musst ihm nur vertrauen, er ist ein deutsches Auto. Er wird dich nie von hinten checken.

* Anm. d. Red.: Ein Enforcer ist im Eishockey ein Spieler, dessen wichtigste Aufgabe die körperliche Attacke und das Ausüben von Fouls ist. Spieltechnik ist für einen Enforcer nicht so wichtig.

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