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Testbericht: BMW X5 M

Erbgutmäßig sind wir offenbar immer noch auf das Schlimmste gefasst.

01.01.2010 Autorevue Magazin

Es hat so kommen müssen. Unsere Gene haben ein Elefantengedächtnis und rechnen in Wahrheit immer noch damit, dass jeden Moment ein Säbelzahntiger um die Ecke biegt. Drei Millionen Jahre Survival-Training hinterlassen Spuren. Dass wir unser Mittagessen seit einiger Zeit nicht mehr mit der Keule erlegen müssen, um als fortpflanzungswürdig erachtet zu werden, tut unser Erbgut offensichtlich als vorübergehendes Zwischenhoch ab. Das Groß+stark=Chef-Programm haben wir eingebrannt, da fährt die Eisenbahn drüber. So besehen ist der X5 als M reine Notwehr, eine völlig natürliche Entwicklung, die uns für den Fall einer Säbelzahntiger-Begegnung ja auch definitiv gute Karten in die Hand gibt.

Der X5 ist an sich schon kein schüchtern aussehender Geselle.

In der M-Ausführung wird er freilich zum Imponier-Superlativ, die massige Gestalt bis in die letzte Fuge mit Kraft geladen, böse knurrend, wenn er munter wird, nur dass da draußen eben ein Leben wartet, das Milch-im-Supermarkt-¬Holen, Stauen-auf-der-Tangente und Einparken-in-der-Tiefgarage als Herausforderungen auf dem Tagesplan hat.

Schlechte Laune haben ist im Umgang mit dieser Waffengattung jedenfalls echt gefährlich.

Wenn so ein inferiorer Blechzwerg glaubt, dir das eilige Einreihen in die Kolonne verweigern zu müssen, könnte schnell einmal ein Unglück passieren. Bei der wegen der großen Raumverdrängung ständig an irgendeinem Eck piepsenden Berührungs-Warnanlage kann man so ein geringfügiges Hindernis ja auch übersehen haben. Einparken mit 555 PS, die beinahe 2,5 Tonnen wie eine Kanonenkugel in Marsch setzen, ist dann überhaupt eine Herausforderung.

Dass die Lenkung für den M ganz neu konfiguriert wurde, hilft.

Überaus leichtgängig beim Manövrieren im Beinahe-Stehen und sehr direkt, wenn man im freien Geläuf Druck macht. Dazu passt das Lenkrad, mit dem man beide Hände voll hat. Für ein Hochhaus geht der Martial-Arts-X5 enorm sportlich und stabil durch schnelle Kurven. Die serienmäßige Luftfederung denkt auch jeweils die hintere Beladung mit. Die eher straffe Abstimmung passt zum Kraftaufmarsch, reitet spürbar härter über Asphaltnarben. Trotz intelligentem Allrad und automatischem Bremseingriff fürs Bergabfahren hat man eher wenig Lust, mit 680 Nm durch den Tann zu ackern.

Der Preis für die kraftmäßige Vollarmierung ist ein ewiger Beinahe-Herzinfarkt beim Blick auf die Tankuhr. 19,4 Liter Durchschnittsverbrauch bei artgerechter Verwendung. Das muss man aushalten. Wegen der Säbelzahntiger. (Und wessen Gene vergesslich sind, der kann ja Golf fahren.)

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