Testbericht: BMW X1 18d

Nähert sich dem Oben von unten. Was ja eigentlich nur gut gehen kann.

01.04.2010 Online Redaktion

Und wenn die Krise dann vorbei ist, sich der Staub gelegt hat und das Blut von der Straße verschwunden ist, dann wird sich jemand hinstellen und sagen: „BMW hat es richtig gemacht.“ Nicht dass man bei BMW genau wüsste, was der Kunde oder die Zukunft eigentlich von ihnen verlangen, das weiß die ganze Branche nicht, aber man verteidigt sich mit einem Rundumschlag.

Denn mit dem BMW X1 werden praktisch alle abgeholt. Die Optik ist eine La-Ola-Welle durchs Modellprogramm. Vorne blitzt die Idee des 1er durch, der Mittelteil erinnert stark an den X3, nur eben coupéartiger, und dann endet der BMW X1 auch schon mit einer Miniatur-Ausgabe des X6-Entenbürzel-Hecks. Und dass technisch der 3er-Touring mit xDrive für dieses Auto Pate stand (gleicher Radstand), sei hiermit ebenfalls vermerkt.

Mit dem BMW X1 18d gibt es nun auch eine passende Einstiegsvariante

Der passende Für-alle-Motor, nämlich der 18d, rundet das bisher eher sportlich orientierte Motorenprogramm nach unten ab. Das drückt den Einstieg auf unter 30.000 Euro. Wer Allrad will, zahlt 33.200 Euro. Die schlichte Eleganz, zumindest wenn man den BMW X1 mit der etwas, nun, sagen wir, optisch übergewichtigen Konkurrenz aus der Tabelle vergleicht, gibt es quasi kostenlos.

143 PS sollen reichen. Tun sie prinzipiell auch. Wer irgendwo auf der Landstraße mit diesem Auto versumpert, war nur zu faul zum Schalten – erwischt! –, was schade wäre, weil man mit dem knackigen Sechsganggetriebe die Gänge derart präzise und sportlich durchschießt, dass man bald glaubt, das Fahren selbst erfunden zu haben.

Nur irgendwann ist man unten rechts angekommen (sechster Gang) – und man fährt Tempo 145 (deutsche Autobahn). Die lange Übersetzung spart Sprit, ignoriert aber Beschleunigungswünsche. Zurück in den fünften. Der will zwar, doch nicht sportlich genug. Also in den vierten. Der will, der kann, der tut das aber auch deutlich kund.

Was die Langstreckentauglichkeit nicht mindern soll. Der Servotronic (geschwindigkeitsabhängige Servolenkung) wurde schon mehrfach eine gefühlvolle Gangart attestiert. Allein beim Fahrwerk hatte BMW noch etwas Nachholbedarf, konfrontierte doch der X3 seine Fahrgäste allzu rüde mit der brettharten Wirklichkeit der Straße. Aber Entwarnung: das Macho-Gehabe hat der X1 abgelegt. Frei von Tadel. Er muss ja nichts mehr beweisen wie seinerzeit der größere Geländebruder. Der BMW X1 taucht unter der Demarkationslinie zum SUV durch, was ihn von jedwedem Akzeptanzproblem befreit, gleichzeitig aber die Vorteile eines ausgewachsenen Kofferraums bringt (doppelter Ladeboden gegen Aufpreis).

Innen bleibt es beim typisch funktionalen Naturell der Marke. Ein absteckbarer Becherhalter dient hier als höchste emotionale Regung, so man das Interieur nicht ohnehin als Gesamtkunstwerk versteht. Dringend angeraten seien Armablagen, weil man den Sitz wegen der Nuance SUV-Feeling gerne etwas höher stellt. Der linke Ellenbogen findet dann beim Türgriff ein Ruhekissen, der rechte fällt aber ins Leere, weil die Mittelkonsole zu weit unten ist. Naja, soll uns nichts Schlimmeres passieren.

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