Vorstellung: BMW X1

Der BMW für all jene, die einen 3er-Touring mit Allrad bräuchten, aber eigentlich doch lieber ein anderes Auto hätten.

01.07.2009 Autorevue Magazin

Als Erstes fällt diese beiläufige Souveränität auf, mit welcher der X1 über die vielfach perforierten Straßen des mallorquinischen Hinterlandes schwebt. Wir sehen und hören die Schlaglöcher und die Querrillen zwar, aber wir spüren sie nicht. Der unmittelbare, ganz kurzwegige Kraftschluss zwischen Fahrer und Auto – an sich markenimmanent – wird hier ein wenig verlängert: oder eigentlich der zwischen Umwelt und Auto. Die Umwelt tut was, und das Auto reagiert darauf so, dass der Fahrer gar nichts davon spürt.

Nach offizieller Lesart rundet der X1, ab Oktober am Markt, das SUV-Segment von BMW nach unten ab. Die Wahrheit ist wohl eher, dass fette SUVs imagemäßig und auch nach rationalen Erwägungen vorerst und bis auf Weiteres so gut wie erledigt sein dürften. Und dass ferner die Reaktion darauf nicht sein kann, noch irgendein kleines Auto zu entwickeln. Davon gibt’s mehr als genug. Also Nische. SUV können sie bei BMW, logische Folge also: kleines SUV, und damit es auch alle mitkriegen, SAV genannt (Sports Activity Vehicle).

Wir finden wieder den BMW-Audi-Mercedes-Trend der Zeit: Kleine, smarte Autos mit absolutem Premiumanspruch, die dann aber auch was kosten dürfen. Das wäre auch ohne Krise so gekommen. Ob das mit dem „kosten dürfen“ noch eine kleine Revision erfährt, wird man sehen. Der X1 wird in Deutschland bei 30.000 Euro beginnen, hier also bei ungefähr 35.000. Das sind 5.000 Euro oder ein paar hübsche Extras unter dem Einsteiger-X3.

Der X1 baut im Prinzip auf dem 3er Touring mit Allradantrieb auf. Der Radstand ist daher der gleiche, der Überhang hinten kürzer, das ganze Auto knapp über 4,40 Meter lang. Die Bodenfreiheit von 19 Zentimeter ist nur um neun Millimeter geringer als die des X3. Man wird also zu Recht eine ähnliche Geländetauglichkeit erwarten.

Deutlich ist die geringere Höhe des ganzen Autos im Vergleich zum X3. Als wären wir hier an einem Punkt angelangt, an dem sich die Gattung SUV sozusagen selbst auslöscht. Wohl steht die Karosserie immer noch acht Zentimeter höher über Grund als etwa ein Passat, und genau in diesem Bereich finden sich zum Beispiel die unangenehmen Wurzeln und die rücksichtslosen Ackersteine (wenn auch nicht gerade jeden Tag). Aber bezüglich einer hohen Sitzposition – und aus welchem Grund sonst kauft man ein SUV? – tut sich nicht allzu viel. Detaillierte technische Daten wurden seitens BMW noch nicht ausgefolgt, aber man kann sich vorstellen, dass ein großgewachsener Mensch in einem Golf Plus einen kleingewachsenen in einem X1 an Augenhöhe besiegt.

Die psychedelischen Muster auf den Fotos sind kein neues Design, sondern sollen in die Irre führen: Der X1 wird erst ab Oktober produziert und verkauft, und die Geheimhaltungsfolklore („Anteasern“ nennen sie das in der Werbung) schreibt vor, dass ein bissl was an Information zurückgehalten wird, in diesem Fall die genauen Konturen der Karosserie. Von den Armaturen dürfen noch keine Fotos gemacht werden, es kann immerhin berichtet werden, dass hier gute BMW-Optik ohne Geistesblitz realisiert wurde. Mit großem Display und mittlerem Mut.

Etwas Geistesblitz hingegen auf der Rückbank, deren Lehne nicht nur im Verhältnis 40:20:40 geteilt umgelegt, sondern auch in ihrer Neigung verstellt werden kann. Dahinter sind je nach dieser Neigung zwischen 420 und 450 Liter Kofferraum. Bei ganz umgelegter Lehne und schön flachem Boden sind es 1350 Liter. Bei nicht umgelegter Lehne kann ein Einsachtzigmensch bequem sitzen. Viel größer sollte man nicht sein.

Zum Vornesitzen: BMW gewährte uns also eine frühe Ausfahrt, Straße und Gelände gemischt. Das Auto war Vorserie und trotzdem schon gut beisammen. Fahrwerksmäßig ist es halbwegs weich ausgelegt, also richtig komfortabel, und es erweist sich als glücklich, dass der Aufbau zu wenig hoch ist, um ins Wanken und Einknicken zu geraten. Die hydraulische Servolenkung ist schwergängig wie bei einem Lanz Bulldog und wird auch nicht leichter werden bis zum Oktober. Wir raten zur Servotronic.

Die BMW-Ingenieure können ruhig schlafen: Der X1 ist ein BMW und fährt sich dynamisch wie ein solcher, der Verlust der Knochenhärte tut ihm nur gut. Abgesehen davon reagiert er eh wie ein Pkw und nicht wie ein SUV, beispielsweise durch Übersteuern bei teilweise oder ganz ausgeschalteter DSC, was sich vor allem auf Sand und im Gatsch zeigt. xDrive-Allrad und Bodenfreiheit erlauben Geländeausflüge von milder Observanz, mehr wird nicht nötig sein, und mehr wird auch nicht geboten.

Fünf Motoren werden für den X1 genannt, da wird es vermutlich noch Strategieabgleiche geben. 18i (das Einstiegsmodell) und 18d kommen nicht vor spätem Frühling 2010. Von Anfang an dabei: 20d mit 177 PS (der wird im Gegensatz zu den beiden folgenden auch mit Handschalter zu haben sein), 23d mit 204 PS und der 28i-Sechszylinder mit 258 PS. Die technische Möglichkeit eines reinen Heckantriebsmodells sei natürlich gegeben, sagen die BMW-Techniker. Ob BMW ein solches auch anbieten will, zwecks weiterer Preisausbuchtung nach unten, weiß man noch nicht. Sparen können die Käufer auch anderswie, denn Efficient Dynamics (Start-Stopp-Automatik beim manuellen Getriebe, diverse Luftwiderstandsmaßnahmen etc.) kann auch der X1. l

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