1/13
 

BMW setzt auf Wasserkraft: Erst im Motorsport, dann in Serie

Wenn man so will, dann hat BMW für sein MotoGP Saftey Car in die Trickkiste gegriffen. Das M4 Coupé erhält eine Wasser-Einspritzung, Serienreife inklusive.

08.06.2015 Press Inform

Das Saftey Car der MotoGP-Klasse ist ein BMW M4, äußerlich unterscheidet sich das Coupé natürlich von der Serie, das wesentliche Unterscheidungsmerkmal befindet sich jedoch unter der Motorhaube. BMW bedient sich einer Uralt-Technik aus der Motorsportschublade, haucht ihr neues Leben ein und will diese in den nächsten Jahren in Serie bringen. Wie sich das Ganze fährt, ist im Safety Car der Moto GP schon einmal zu testen. Der rabenschwarze BMW M4 im Darth-Vader-Look und LED-Orgie an Front sowie auf dem Dach versteckt unter dem Kofferraumboden einen fünf Liter großen Wassertank. „Im normalen Fahrbetrieb müsste der Tank bei rund jedem fünften Tankstopp mit destilliertem Wasser gefüllt werden“, erklärt Franciscus van Meel, Chef der BMW M GmbH, „die Wassereinspritzung ist ein System zur Leistungssteigerung und Verbrauchsminimierung von Verbrennungsmotoren. Erstmals setzen wir diese Technologie im BMW M4 MotoGP Safety Car der Saison 2015 ein.“

BMW-M4-mit-Wassereinspritzung-(17)
© Bild: Werk

BMW M4 Coupé mit Wasserkühlung

Keine Zusatzbatterie, kein 48-Volt-Booster, kein Zusatzkraftpaket – schlicht Wasser. Auf dem Salzburgring zeigt sich jedoch schnell, dass Wasser weit mehr kann, als nur Feuer oder Durst löschen. Es geht im BMW M4 aus der Boxengasse heraus noch ganz normal bis zur schnellen Rechts-Links-Schikane und dann weiter bis zur Nockstein Kurve. Beim Herausbeschleunigen heißt es für den doppelt aufgeladenen Reihensechszylinder mit seinen drei Litern Hubraum dann jedoch erstmals spürbar „Wasser marsch“. „Das Wasser wird ab 5.500 U/min in den Ansaugtrakt eingesprüht“, erklärt van Meel, „die Temperatur so gesenkt und der Motor dreht freier und leichter hoch mit 0,2 bar mehr Ladedruck.“ Heißt, die Wassereinspritzung durch drei kleine Düsen in den Luftsammler sorgt ebenso wie der Ladeluftkühler für eine niedrigere Abgastemperatur und somit ein letztlich potenteres Gemisch für die anstehende Verbrennung. Nicht, dass der 431 PS starke Serien-M4 sonst schwächeln würde, doch gerade in den hohen Drehzahlbereichen geht er nunmehr nennenswert elastischer zur Sache. Kein wilder Boost, kein brachialer Schub, aber eben das gewisse etwas mehr an Leistung und Drehfreude.

Die Technik: BMW M4 Coupé MotoGP-Saftey-Car

Saab 99 und Fiat Uno Turbo i.e.

Die H2O-Technik ist keine Neuerfindung von BMW, es wurden bereits früher Renn- und Rallyefahrzeuge per Wasserzuführung zu mehr Leistung verholfen. Auch Fahrzeughersteller wie Saab oder Fiat experimentierten bei Saab 99 und Uno Turbo i.e. einst mit der Wassertechnik zur Temperatursenkung der Turboluftzufuhr. Bleibt die Motorleistung bei einem Fahrzeug gleich, würde sich der Verbrauch um bis zu acht Prozent minimieren, sagt M-Chef Franciscus van Meel. Zudem könnte man Kraftstoffe mit einer niedrigeren Oktanzahl fahren. Die Wassereinspritzung als Öko-Komponente in den Markt zu bringen, würde diese wohl endgültig zum Rohrkrepierer machen und wieder in verstaubte Schubladen schicken.

Der nächste Konkurrent

Wahrscheinlicher scheint, dass die M GmbH seinem normalem BMW M3 / M4 im Rahmen einer Sonderedition per Wasserstrahl eine Leistungsspritze verabreichen möchte. Schließlich kommt bald auch der neue Audi RS4. Und auch der dürfte ebenfalls deutlich mehr als 450 PS haben. Da kommt den M-Tüftlern die Wiederbelebung der technischen Innovation gerade Recht.

pixel