BMW M6 Coupé
Powercruisen ist mein Gemüse.
 

Testbericht: BMW M6 Coupe

Powercruisen ist mein Gemüse: Der M6 ist auf der Straße besser als auf der Rennstrecke. Und er schafft bei allem Dick-Auftragen einige Noblesse.

31.01.2013 Autorevue Magazin

Dem BMW M6 wurde von Anfang an, eben indem er ein M ist, eine schwierige Spagat-Rolle aufgezwungen. Denn eigentlich ist der 6er als schnittiger Reisewagen für zwei angelegt und nicht als Viech für die Rennstrecke. Allerdings ist das das Dilemma der meisten M-Autos. Der 5er ist ja auch kein Sportwagen und als M daher in einer Zwangslage.

So gesehen weiß man gar nicht recht, was man mit der M-Eigenschaft anfangen soll, denn insgesamt beflügelt das 6er Coupé kaum zu hinaus­lehnender Fahrweise.

Doch beim Starten röhrt unaufgefordert der Achtzylinderturbo einmal kurz und scharf hoch, ein sehr schöner Klang, und das ist natürlich als Aufstachelung gedacht. Wir hören den Motor, den wir auch im 5er hören: V8-Benziner mit Twinpower-Turboaufladung, das heißt, die Abgase aus den beiden Zylinder­bänken strömen gewissermaßen aufgefächert in den Lader. Natürlich kann man sich ein sehr komplexes Menü der Fahreigenschaften zusammenstellen und zwei davon auch abspeichern. Dämpferkennungen, Lenkung (die ist insgesamt zu schwergängig), Gas­pedalempfindlichkeit, Schaltpunkte sind je nach eigenem Aggressionspotenzial justierbar.

4,2 Sekunden auf Hundert bedeutet feisten Schub, und dass man die Höchstgeschwindigkeit mittels M Drivers ­Package auf 305 km/h hochfahren kann, ist ein netter Gag. Trotzdem ist der M6 kein Renner, ja nicht einmal richtig ein Sportwagen, denn er ist bis obenhin vollgestopft mit edlen Materialien, üppigen Ausstattungen, schwer, satt, gediegen. Muskulös, aber nicht sehnig.

Das spürt man auf der Rennstrecke, auf welcher wir seinen Zwilling, das Cabrio, bereits bewegten und wo diesem auch von Auskenner Karl Wendlinger überraschende Unsportlichkeit attestiert wurde (im Rahmen eines Auto­revue-Supertests, da hängt die Latte freilich hoch – nachzulesen in der Premium-Nummer).

Für den Konsumenten von der Straße ist dieses Verdikt nicht übermäßig maßgeblich, denn da geht’s ja ums schnelle Gleiten auf der Autobahn, und das beherrscht dieses Auto grenzenlos. Dazu kommt der große Kofferraum. Macht aus dem M6 das maximal supere Trägermedium für das lange Wochenende – am besten, wie gesagt, sehr weit weg.

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