bmw m550d xdrive touring
Traditionsbruch zum Start einer neuen Nische.
 

Testbericht: BMW M550D xDrive Touring

Die BMW M GmbH bringt mit dem M550d Allradantrieb plus Dieselmotor plus drei Turbolader.

18.11.2013 Autorevue Magazin

Bis jetzt war es immer recht einfach. Wer unbedingt die stärkste, schnellste und teuerste Business-Limousine von BMW haben musste, landete zwangs­läufig beim M5 und handelte sich damit zwei Probleme ein. Erstens verbraucht ein M5 bei artgerechter Haltung zwischen 15 und 25 Liter Benzin auf hundert Kilometern, was lächerliche Reichweiten und permanent lästige Tankstopps zur Folge hat. Zweitens muss die Hinterachse alleine mit ­einem Übermaß an gewalt­bereitem Drehmoment fertig werden, Traktion wird also ­immer wieder mehr nachgefragt, als im Angebot vorhanden ist, und überhaupt kann man sich im Schnee wunderbar zum Deppen machen.

Der neue BMW M550d löst beide Probleme eiskalt.

Er ist darüber hinaus im Gegensatz zum M5 auch als Touring zu haben und positioniert sich somit als ­gefährlicher M5-Killer. Die simple Lösungsformel heißt Diesel plus Allrad, was in der strengen Lehrmeinung der M GmbH bisher aber nicht ­unterzubringen war.

BMW M550D

Möglicherweise hat man die neue Fahrzeugkategorie der BMW M Performance Automobile hauptsächlich deswegen geschaffen, um dem Traditionsbruch die Brutalität zu nehmen.

Die Hardcore-Fans mögen sich nicht grämen, sogar Porsche fährt mittlerweile ­völlig entspannt mit Diesel­motoren, und dass es einen 911 einmal mit Luftkühlung gab, gerät zunehmend in ­Vergessenheit. Außerdem war es die Mannschaft von BMW, die acht Jahre vor dem ersten Diesel-Sieg in Le Mans (Audi) und elf Jahre vor dem ersten Diesel-Sieg bei der Rallye Dakar (Volkswagen) das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring mit einem dieselbetriebenen Touren­wagen gewonnen hat. An glorreicher Historie mangelt es ­somit auch nicht, also was soll die Jammerei.

BMW M550D

Der M550d ist ein echter M, daran besteht kein Zweifel. ­

Sowohl das Fahrwerk und die Stabilitätsregelung als auch die 8-Gang-Sportautomatik und das elektronisch gesteuerte Allradsystem wurden mit dem sportlichen Know-How der M GmbH abgestimmt, und im Zentrum der Macht sitzt der aktuell wohl beste Dieselmotor der Welt. Der Einsatz und die smarte Regelung von drei ­Turboladern mit variabler ­Turbinengeometrie bewirken ein unglaublich spontanes ­Ansprechverhalten in allen Drehzahl- und Lastbereichen, zwischen 2000 und 3000/min stehen 740 Nm konstant zur Verfügung, abgeregelt wird erst bei 5400/min. Das Beste dabei: Der Motor klingt überhaupt nicht nach Diesel. Und dann wäre da eben noch die Sache mit dem Verbrauch.

BMW M550D

Man kann diese 381-PS-Maschine ohne Mühe im Bereich von 8 l/100 km betreiben.

Ausgedehnte Vollgasschlachten auf der Autobahn im Sport-Plus-Modus führen zu einem Verbrauchsschnitt im niedrigen zweistelligen Bereich, und wer sich auf verwinkelten Bergstraßen den fahrdynamischen Irrwitz erschließt, der durch die Vernetzung von ­aktiven Stabilisatoren mit ­elektronisch geregelten Dämpfern ermöglicht wird, schafft vielleicht 14 oder 15 l/100 km. Aber niemals wird ein Zweier vorne stehen, somit fährt der M550d mit ­einer Tankfüllung fast doppelt so weit wie ein M5, der übrigens auch bei 250 km/h abgeregelt wird. Möglich wird das durch Maßnahmen zur Verbrauchssenkung, die in Summe mindestens so komplex und aufwendig sind wie die adaptive Regelung von Fahrwerk und Allradsystem. Zusätzlich zur Start-Stopp-Funktion und der Bremsenergierückgewinnung über den Generator werden die Nebenaggregate und die Kühlleistung bedarfsgerecht gesteuert, und dann gäbe es noch den ECO-PRO-Modus, der uns die Gaspedalkennlinie entschärft und der Getriebesteuerung eine eher langweilige Schaltstrategie empfiehlt. Da ECO-PRO am sogenannten Fahrerlebnisschalter aber nicht gleichzeitig mit Sport-Plus selektiert werden kann, erledigt sich dieses Thema von selbst, weil vor dem 550d steht klar und deutlich ein großes M.

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