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BMW M5 in der fünften Generation.
 

Vorstellung: BMW M5

Die Bayern feuern wieder ihren Achtender ab.

18.12.2011 Autorevue Magazin

Ein bisserl traurig macht es uns schon, dass wir Abschied vom glorreichen V10 nehmen müssen – und hinter vorgehaltener Hand hört man Ähnliches auch bei der Belegschaft der M-GmbH. Der große Durst war ihm einfach nicht abzugewöhnen, und so etwas darf man in Zeiten von CO2-Diskussionen einfach nicht hinnehmen. Doch es wäre nicht BMW, wenn sie keine andere Lösung für den Zugang zum Thema Supersport-Limousine gefunden hätten.

Das neue Herz ist der aus X5/6 M ausgeborgte Biturbo-Achtzylinder, der für den Einsatz im M5 noch einmal kräftig überarbeitet und mit der ­variablen Ventilsteuerung „Valvetronic“ ausgerüstet wurde. Um weiterhin ein saugertypisch flinkes ­Ansprechverhalten des Motors zu erreichen, sitzen die Lader eingebettet im V zwischen den Zylinderköpfen. Der Vorteil: Die Abgasströme beider Köpfe können zusammengefasst werden. So sind hier jeweils zwei Zylinder mit 360 Grad Zünd­abstand gebündelt – zwei von links, zwei von rechts –, die sich erst kurz vor dem Turbinenrad treffen, was Behinderungen der Gasströme minimiert. Die kinetische Energie der Auspuffgase wird quasi in Echtzeit an die Ansaugseite weitergegeben.

BMW M5 Exterieur Dynamisch Front

In der Praxis fühlt sich das so an: Wer es drauf anlegt, kann kurz über Standgas die Hinterreifen in Rauch aufgehen lassen. Die vollen 680 Nm stehen ab 1500 Touren zur Verfügung, da fällt der Abschied vom V10 (520 Nm bei 6100 Umdrehungen) plötzlich gar nicht mehr so schwer. Allerdings drängt sich bei dieser Urgewalt die Frage auf, ob hier nicht schön langsam die Grenze des mit Standardantrieb Bewältigbaren – so wird Heckantrieb BMW-intern genannt – erreicht wird. Mit ausgeschalteten Regelsystemen betteln die Hinterräder trotz aktiver Sperre selbst im dritten Gang noch um Grip.

Der Verbrauch? Für die am Datenblatt ausgewiesenen 9,9 Liter im Schnitt braucht man nicht nur große Selbstbeherrschung, sondern auch einen Windschatten. Im wahren Leben findet man sich bei rund 14 Liter wieder, wer alle Regelungen scharf stellt und den M5 seiner wahren Bestimmung zuführt, kann durchaus auch einen Dreier an der ­ersten Stelle erreichen.

BMW M5 Exterieur Statisch Auspuff

Womit wir beim eigentlichen Kernthema des M5 ­wären: Man kann das Auto in fünf Themenkreisen genau auf die aktuellen Bedürfnisse des Fahrers zurechtjustieren.

1. Die Bandbreite des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes reicht in drei Stufen vom sanften Wandlerautomatik-Imitator über einen gefälligen, flinken Modus bis zum gnadenlosen Rein­pfeffern der Gänge, was mit ­einem (gewollten) Ruck vonstattengeht.

2. Die Servounterstützung der Lenkung lässt sich in drei Stufen einstellen, bei ­keiner bleibt die Antwort von der Straße aus.

3. Auch für die Härte der Stoßdämpfer gibt es drei vordefinierte Stellungen mit folgender Interpretation: „Comfort“ als einzig gültige Stellung, wenn Passagiere im Auto sitzen. Die Sportlichkeit ist präsent, aber nicht nervig. „Sport“ zeigt mit dem Durchlassen von kurzen ­Stößen an, wohin der weitere Weg geht. „Sport Plus“ gehört ganz allein jenen, die über masochistische Tendenzen verfügen oder sich gerade auf einer (topfebenen) Rennstrecke aufhalten.

4. Die Gaspedalkennlinie kann in den Modi Comfort/Sport/Sport Plus betrieben werden.

5. Das ESP bietet ebenfalls drei Möglichkeiten. Von voller Unterstützung über den MDM-Mode, wo dem Hintern schon der eine oder andere Ausfallschritt genehmigt wird, bis zum völligen Off.

So ergeben sich 243 Möglichkeiten, sich dem M5 zu nähern. Und selbst das ist die halbe Wahrheit, da das Doppelkupplungsgetriebe selbstverständlich automatisch oder manuell (über Lenkradwippen oder Schalthebel) bedient werden kann. Damit man sich für die Verwandlung vom ­Athleten zum Vollstrecker nicht durchs ganze Menü zappen muss, gibt es ab jetzt zwei frei pro­gram­mierbare M-Tasten am Lenkrad. Es könnte ja sein, dass beim Muttertagsausflug ein aufmüpfiger Porsche um Disziplinierung bettelt, da darf man keine Zeit verlieren.

Mit einem großartigen Fahrwerk ausgestattet, erweist sich der M5 im Handling als erstaunlich agil, dennoch sollte man sich jederzeit im Klaren sein, dass man mit einem knapp zwei Tonnen schweren Gerät spielt. Die Bremse ist üppig dimensioniert und mustergültig in der Ansprache, unter extremer Beanspruchung merkt man jedoch am länger werdenden Pedalweg, dass das hohe Gewicht seinen Tribut fordert.Christoph Jordan

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