Selbstbeherrschung ist eine Kunst, die man im Leben mal besser, mal schlechter draufhat. In diesem Fall eher schlechter.
 

BMW M3 Cabriolet Testbericht

Wenn das Luftholen ganz schnell gehen muss. Featuring: Doppelkupplungsgetriebe mit echt Saft.

01.06.2008 Autorevue Magazin

So ein BMW M3 Cabrio ist ein sehr gefährliches Auto. Da reden wir jetzt nicht von den Segnungen der außerordentlich gut im Futter stehenden 420 PS oder den zugkraftunterbrechungsfreien Fünfkommaeins auf Hundert, sondern bleiben einfach mal streng thematisch.

M3 und Cabrio, wie soll sich das ausgehen?

Der M3 hat sich in vier Generationen eine schöne Legende von hohem sportlichem Ernst erarbeitet, street credibility sozusagen, und das geht irgendwie überhaupt nicht zusammen mit der flockigen Lockerheit, die bei jedem Cabrio mitschwingt. Der Feinspitz könnte jetzt auf offene Ferraris und Lamborghinis verweisen, und das wäre nicht mal zu hoch gegriffen. Nur, so ein M3 ist selbst ein ernsthafteres Statement als italienisches Edelspielzeug. Es wäre, als würde Porsche vom GT3 ein Cabrio anbieten. Tun die aber nicht, noch nicht. Die logische Folge ist, dass ein M3 Cabrio die falsche Klientel anziehen könnte.

Jene, die nicht das Straffe, Brutale, Reine suchen, sondern einfach die fettesten Striche in die Landschaft malen und dabei dem Gummi ganz nah sein wollen. Oder jene, die notorisch zum teuersten Dreier greifen. Es herrscht also schon ein bissl Caféracer-Alarm, und das schmerzt ein wenig, weil man es ja selber total ehrlich meint. Lassen wir das jetzt, fahren wir endlich los, weil darum geht es hier schließlich mehr als anderswo.

Aber Vorsicht. Man kann sich noch so sehr vornehmen, das Ding als Dreier-Cabrio mit Zusatzbonus zu sehen, es wird nicht gelingen. Dazu ist der Sound zu aufreizend, das Lenkrad zu feist, der unterschwellig stets präsente Druck des Antriebs zu mächtig. Man fährt also bald den Sitz in die nahe, korrekte Position hinterm Lenkrad, und plötzlich tut sich eine neue Welt auf, eine schnellere, bösere, elektrisierende.

Maßgeblichen Anteil daran hat das nun endlich erhältliche Doppelkupplungsgetriebe. Im BMW M3 passiert das Gleiche wie schon bei Golf GTI und Mitsubishi Evo und den schnelleren Varianten von sequenzieller Ferrari-F1-Schaltung. Und es ist nicht bloß der Kick des nahtlosen Vorwärtszoomens alleine. Endlich die Hände und auch den Kopf frei vom Rührwerk, bleibt mehr Zeit und Muße, sich mit den wichtigen Dingen einer flotten Linie – Einlenkpunkt, Bremsen, Feinarbeit am Gas – zu beschäftigen. Mindertalentierten, also allen unter WRC- bzw. Formel-1-Level, wird das enorm helfen.

Außerdem steigt man mit dem Gefühl aus, dass Zugkraftunterbrechung echt was aus dem vorigen Jahrtausend ist.

Wer sich so was in einem modernen Sportwagen wünscht, dürfte auch eine heimliche Leidenschaft für Röhrenradios haben oder spült daheim am Klo noch mit einem Kübel Wasser runter.

Der nahtlose Vortrieb passt zudem perfekt zur Harmonie des hochdrehenden, im Charakter stets fetten V8-Saugers. Es ist der pure Genuss, die Kurven auszuschmieren, auch wenn es niemals der leichte, unschuldige Spaß ist, der das M3-Fahren mal ausgemacht hat.

Das Cabrio wiegt über 1900 Kilo, bei gleicher Fahrzeuglänge gibt es SUVs, die weniger auf die Waage bringen, und so fährt sich das im Guten wie im Bösen. Das spielerische Handling früherer Generationen kann man vergessen, dafür macht die Karosserie aber auch keinen Muckser, wenn man das Ding als M3 und nicht als Cabrio behandelt. Und darum wird es immer gehen. Denn am Ende bleibt es doch stets mehr BMW M3 als Cabrio.

  • Newtonmeter

    Was euch fehlt:
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