bmw m235i 2014 blau heck seite hinten
Der Worte sind genug gewechselt
 

Testbericht: BMW M235i

Wir fuhren hin, wir fuhren her und wünschten nur, wir führen quer. Des Lustspiels erster Teil. Frei nach Goethe – wäre er BMW M235i gefahren.

12.04.2014 Online Redaktion

Ist es der Sinn, der schafft?
Nein. Anfangs war die Kraft!
Doch wer dies niederschreibe,
weiß, dass er nicht dabei bleibe.
Mir hilft der Geist, ich sehe Rat:
Am Anfang war die Tat!

Genau, Goethe. Mit einer Tat beginnt alles.

Der Reihen­sechszylinder erwacht zum ­Leben und das Parkhaus erbebt. So einen Sound gab es zuletzt, als Daun-sei-sing noch ein Gericht beim Asiaten und keine Ingenieurskunst war.
Na gut, einen Twin-Turbo gibt es. Aber wo sollen sonst die 326 PS herkommen? Aus dem Parkhaus raus geht es ­behände. Neben der üblichen Servo­tronic werkt noch die Sport­lenkung mit variabler Übersetzung der Zahnstange. Entsprechend groß ist bei Parkmanövern der Lenk­einschlag schon bei kleinsten Lenkbewegungen.

bmw m235i 2014 blau seite

Von unten komm ich her Seine Wurzeln, das 2er Coupé firmierte in der Vorgänger-Generation noch als 1er, kann er nicht verbergen. Wozu auch?

Da fahr ich nun, ich lust’ger Tor
Und bin viel schneller als zuvor.

Was an zwei Dingen liegt. Zum einen demokratisiert BMW mit dem M235i die Launch-Control von der Ober- in die untere Oberklasse. DSC off, Schaltung in den Sportmodus, linker Fuß auf die Bremse, mit dem rechten das Gaspedal voll durchtreten. Nach spätestens drei Sekunden den Fuß von der Bremse. 4,8 Sekunden später fährt das Auto 100 Stundenkilometer. 5,0 Sekunden wären es bei einem manuellen Sechsganggetriebe, von dem aber jedem Kunden abgeraten sei. Das ist Grund zwei: Die Achtgangautomatik von BMW (mit Paddles am Lenkrad) ist komfortabler, spritsparender und damit einfach besser als jede manuelle Schaltung.

bmw m235i 2014 blau vorne front

Er drängt und stößt, er rutscht, nichts klappert
Er zischt und quirlt, er zieht und plappert
Er leuchtet, sprüht, er singt und drängt
Ein wahres Hexenelement.

Freilich kann BMW nicht zaubern, ist aber mit dem M235i nah dran.

Obwohl der Wagen den Speckgürtel des Luxus auf den Rippen hat, geht es leichtfüßig und präzise um die Kurven. Am Auspuff hängt ein Schalldämpfer von M-Performance, der bei starker Beschleunigung entkoppelt wird.

bmw m235i 2014 blau seite

Von unten komm ich her Seine Wurzeln, das 2er Coupé firmierte in der Vorgänger-Generation noch als 1er, kann er nicht verbergen. Wozu auch?

Bin zu alt, um nur zu spielen,
zu jung, um ohne Wunsch zu sein.
Was kann die Welt gewähren?
Du sollst entbehren!

Verbrauch, Verbrauch … ­darüber soll hier nicht gestritten werden.

Der M235i ist, nun, situationselastisch, wie die Regierung sagen würde. Den Fahrmodi-Schalter auf Eco-Pro, den Gasfuß auf Halbmast und der Fahrer kommt nahe an die Werksangabe von 7,6 Liter heran. Wer das länger­fristig halten kann, fährt das Auto zwar nicht artgerecht, wird aber heilig gesprochen. Wir haben es wirklich versucht, sind aber auch nur Menschen.

bmw m235i display armatur tacho

Die Klaviatur der adaptiven Komponenten lässt keine Fahrsituation mehr ­unbespielt.

Man darf nicht vor keuschen Ohren nennen,
was keusche Herzen nicht ­entbehren können.
Doch gönn ich das Vergnügen,
Sich ab und an was vorzulügen.

Goethe hat den BMW M235i eben nicht verstanden.

Ist halt kein Beifahrer-Auto, das liegt am Konzept. BMW versucht es zu verschleiern und verbaut hinten zwei Einzelsitze samt eigener Klimaregulierung. Aber trotz der Komfortzonen will dort niemand sitzen. Ein M2 ist gerade in Arbeit, der dürfte konsequenter umgesetzt sein. Allein schon, um einen weiteren, emotionalen Abstand zu Mercedes herzustellen. Die ­offerieren den CLA 45 AMG mit 360 PS. Aber eben auch mit vier Türen.

bmw m235i 2014 blau emblem heck

Verstehst du, was für neue ­Lebenskraft,
mir dieser Wandel in der Öde schafft?

Ja mein Freund, das ist sonnenklar.

Das technische Streben BMWs scheint auf dieses Auto ausgerichtet gewesen zu sein. Die Kombination aus ­adaptivem Fahrwerk und Fahrmodischalter ist mit ­diesem Motor in einem vergleichs­weise kompakten Auto endlich schlüssig. Wer kann mit einem Vierzylinder-Diesel in einem GT schon einen Sportmodus nutzen? Wer braucht aber andererseits mit diesem Auto mehr als die 390 Liter Kofferraum, die es hat? Oder anders: Zum ersten Mal seit langem, und zum ­letzten Mal vor der Van- und Frontantriebsära, hat BMW bewiesen, dass die Marke ihre Kunden kennt und schätzt, und hat ihnen einen Liebesgruß manufakturiert.

Der Schluss gehört wieder Goethe. Er darf jetzt auch einmal fahren.
Ein überirdisches Vergnügen,
Durch Tau und Gebirg zu fliegen.
Der Straßen Mark zu durchwühlen,
Kein Tagewerk mehr im Busen fühlen.

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