BMW M135i Heckantrieb Reihensechszylinder quer Drift
Reihensechszylinder, Heckantrieb. Alles bleibt gut.
 

Testbericht: BMW M135i

Durch Up- statt Downsizing den Einstieg in den Wahnwitz schaffen.

11.01.2013 Online Redaktion

Die Angst geht um bei BMW-Fans. Von Dreizylindern ist die Rede, von Frontantrieb, Elek­troautos und Vans. Aber als die Panik am größten war, ließ die Marke den M135i von der Leine. Das Auto gewordene Versprechen, dass alles gut wird, beziehungsweise bleiben wird.

Heckantrieb, Reihensechszylinder mit Twin-Scroll-Turbolader (schweigt, ihr Sauger-Puristen!):

Der M135i spreizt sich zwischen 1er M Coupé und Realität in die Produkt­palette ein. Der M135i ist 13.000 Euro günstiger als das 1er Coupé, wurde optisch entbrutalisiert, erinnert aber immerhin in feinen Details noch an den Kompakt-Dampfhammer. M-Einstiegsleisten, M-Schlüssel (mit blauer Spange), M-Schriftzug am Heck, Sportsitze und -fahrwerk.

BMW M135i Heckantrieb Reihensechszylinder quer Drift

Wie groß die Sehnsucht nach so einem Auto war, konnte die Marke an den eigenen Verkaufszahlen ablesen. Im August war die Jahresproduk­tion vom 1er M Coupé bereits ausverkauft.

Der BMW M135i ist lediglich 20 PS schwächer als das 1er M-Coupé.

Wer die wirklich merkt, der ist für diese Welt zu sensibel. Denn kurz über Leerlaufdrehzahl, bei 1250 Touren, schießt die Drehmomentkurve wie vom Gummiband geschnalzt nach oben bis 450 Newtonmeter und bleibt dort, eben wie eine Wasserwaage, bis 5000 Touren.

Und dieses Plateau wird ausgenutzt. Das besorgt eine sportlich ausgelegte Achtgangautomatik. Wer es ernst meint, spürt zwar das Rupfen beim Gangwechsel, wird es aber als Symbol der Macht durchgehen lassen und die butterweichgespülten Doppelkupplungs­benutzer verachten. Warum nicht gleich manuell schalten? Mal ehrlich: So gut und präzise wie dieses Achtganggetriebe sind nur wenige Handgelenke.

BMW M135i Heckantrieb Reihensechszylinder quer Drift

BMW wollte aber, so ironisch das jetzt auch klingt, mit diesem Auto niemanden verschrecken.

Das Fahrwerk ist zwar hart, überschreitet aber keine Grenze, die einen Masseur-Besuch nötig machen würde. Einziger Kritikpunkt ist die Lenkung. Eine elektromechanische (also bedarfsgerecht arbeitende) und variable Lenkung ist zwar zeitgemäß, aber für sportliche Ansprüche noch nicht sensibel genug.

Mit dem M135i hat BMW eine Punktlandung in der angestrebten Nische hingelegt. Der Audi RS3 Sportback hat zwar ein paar PS mehr, verteilt die Leistung aber auf vier Räder, genauso wie die kommende A-Klasse von AMG. Mal sehen, mit wie viel Testosteron deren 320 PS angereichert sein werden.

  • Markus Dahmann

    Zwei Gedanken, die vor lauter BMW-Euphorie gerne übersehen werden:

    Der Motor DREHT bis 7000/min, er liefert aber nichts mehr ab 5500/min. Mehrleistung gibt es nicht mehr, diese Rumorgelei ist was für die Eisdielenfraktion, jedoch in der wirklich Welt ohne Sinn. Auch die Ganganschlüsse werden durch Auswringen nicht besser, das frühe Drehmoment erfordert keine hohen Anschlußdrehzahlen im höheren Gang. Hier soll künstlich an etwas angeknüpft werden, das frühere BMW-Sportmotoren auszeichnete – nur ist’s hier seelenlos.

    Nur weil „M“ draufsteht, ist noch lange kein „M“ drin! Fahrwerk auf welliger Landstraße unterdämpft, viel zu viel Aufbaubewegung bei schnellen Wechselkurven, das Fahrverhalten in solchem Geläuf ist „very underwhelming“. Nichts anderes, als ein aufgepeppter und damit unsäglich verteuerter normaler 1er, dem erst mit „Performance-Teilen“ für sündteurees Geld wenigstens halbwegs auf „M“-Niveau geholfen werden muß.

    Wenn die Jungs nicht aufpassen, verwässern sie den Gedanken des „M“ und lassen mit solchen Vehikeln den zauberbuchstaben zu einer Ausstattungslinie verkommen. So was rächt sich auf lange Sicht!

    Markus

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