BMW ActiveHybrid 7 Exterieur Seite dynamisch
Zuallererst ist dies ein 7er
 

Testbericht: BMW ActiveHybrid 7

Seltsam, wenn BMW sparen will, kommt mehr Fahrdynamik heraus.

01.06.2010 Autorevue Magazin

Zuallererst und oberst ist dies ein Siebener-BMW mit den bewährten Eigenschaften. Im Falle des ActiveHybrid 7 bedeutet Hybridtechnik, dass der mächtige V8-Motor mit Doppelturbo auch noch von einem scheinbar lächerlichen 15-Kilowatt-Elektromotörchen unterstützt wird, das allerdings 210 Nm Drehmoment stemmt, was in manchen Momenten zu porscheturbohaftem Schub führt, immerhin stellt der Benzin­motor in Glanzmomenten ­alleine schon 650 Nm Drehmoment bereit. Das ­ergibt eine Dynamik, die den wachen Geist des Lenkers ­fordert.

Das Hybrid-Prinzip des ­Siebeners folgt ja einer ganz anderen Philosophie als beim X6 oder auch beim Lexus.

Die elektromotorische Einheit ist hier sehr klein, rein elektrisch fahren ist nicht möglich. Das Potenzial zum Sparen ist aber annähernd gleich hoch, weil viel kleinere Batterien ver­wendet werden können und ­deshalb einiges an Gewicht ­gespart wird. Zur Erinnerung: Das elektrische Package ist hier gleich wie beim Hybridantrieb in der Mercedes S-Klasse, die Auswirkungen sind aber sehr unterschiedlich, da es in Kombination mit dem V8-Motor streng auf Performance ausgerichtet ist, während beim Mercedes in Kombination mit dem V6 doch eher die Vernunft im Vordergrund steht.

Geben wir also Gas. Die Aktivität des Elektromotors, der gleichzeitig auch Starter und Generator zur Energierückgewinnung ist, bleibt völlig im Hintergrund. Die Achtstufen-Automatik befreit die Bewegung gewissermaßen von jeglicher Schaltproblematik. Das Ding fährt einfach, wenn man will in fünf Sekunden von Null auf Hundert. Mehr ist da nicht zu sagen. Die Übergänge von Bremsen auf Rekuperieren sind im Bremspedal marginal spürbar, gerade so, dass man überhaupt darüber reden kann. Der Motor stellt sich ab und springt an, ohne dass man viel wahrnimmt.

Vom Normverbrauch von 9,4 l/100 km haben wir uns ­natürlich weit entfernt.

Insgesamt lässt sich sagen: 12,7 Liter Benzin auf 100 km (entspricht etwa dem Stadtwert) ist ein sensationell niedriger Wert für eine Oberklasse-Limousine mit mächtig starkem V8-Turbo-Motor, dessen Potenzial wir beschleunigungstechnisch durchaus reichlich ausgekostet haben. Aus unseren Erfahrungen hat sich auch ergeben, dass der Hybridantrieb das Verbrauchsverhalten gewisser­maßen einebnet. Egal, wo wir fuhren, Stadt, Überland, Autobahn. Diese 12,7 Liter auf dem Bordcomputer haben uns beständig begleitet und sich auch beim Tanken bestätigt.

Dass diese erste Hybrid­limousine von BMW nicht das letzte Wort zum Thema sein kann, wird im Kofferraum ­offenkundig.

Dort sitzt die ­Lithium-Ionen-Batterie ziemlich dominant, sorgt zwar für gute Balance in Sachen Wagengewicht, ist aber doch den Koffern einigermaßen im Weg. (Bei Mercedes findet das Paket gemeinsam mit dem schlankeren V6-Motor im Motorraum Platz.) Im Übrigen gibt es zwei Dinge, die jenseits des Hybridantriebs unbedingt gelobt ­werden müssen: hydraulische Türhalter, die es ermöglichen, die Türe in jeder beliebigen Stellung offen zu halten (wahrscheinlich auch noch, wenn der Wagen auf dem Dach liegt). Und die Wendigkeit im Parkhaus, wo der Siebener so manchem patscherten Kompakten überlegen ist.

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