BMW 640i Cabrio Exterieur Dynamisch Seite
Der Fahrvorgang ist auf jeden Fall pompös.
 

Testbericht: BMW 6er

Ein Medium für den ziemlich großen Auftritt vor den Terrassen der Top-Tränken.

05.06.2011 Autorevue Magazin

Fast zwei Tonnen wiegt dieses Auto. Es wirkt in seinen sichtbaren Komponenten und auch in der Bewegung nicht so, als hätte sich irgendjemand Gedanken über das Gewicht gemacht. Oder doch. Einer hat gesagt: „Des Trumm is fei schwar, do brauchts a rechte Maschin’, zefix!“

Nichts unter drei Liter Hubraum, im konkreten Fall: drei Liter, sechs Zylinder, zwei Turbolader, 320 PS, 450 Nm maximales Drehmoment. Damit wird ein gestandenes Mannsbild von Auto bedient.

Da sind wir jetzt quasi im Yachtclub, sagen wir, zumindest in dem von Lübeck oder ­Antibes (Monaco nimmt nix unter Bentley). Dafür steht schon der Innenraum mit der brückenbreiten Mittelkonsole, die fast wie ein Decksaufbau wirkt, zudem: Wir hatten reichlich Holz im Testwagen. Betrachten wir die Sache also von der marinierten Seite her, ist auch gar nichts gegen das Stoffverdeck zu sagen, welches von den Cabriolet-Hardlinern sowieso stets außer Frage gestellt wird. Das in Wahrheit aber dauernd nur das Metallisch-Technoide eines modernen ­Autos zusammenhaut. Hier aber ist der Persenning-Konnex (ein Begriff aus der Seemannssprache), und das passt dann. Am besten ist ­sowieso das Finnenverdeck-­Feature hinten, das angenehm an den Dach­abschluss des ­Jaguar XJS erinnert, dort allerdings beim ­Coupé. Und es ­bietet Schutz und Stütze für die versenk- und beheizbare Heckscheibe. Eine schöne stilistische Spielerei, die sich noch dazu bewegen lässt.

Sonst ist ja wenig stilistische Spielerei, das Sechser-­Cabrio hat sich vom Design-Wutanfall der vergangenen Jahre emanzipiert und ist glatter und ruhiger geworden, ­einig mit sich selbst. Verhaltene Dynamik wird von der ­einen oder anderen Wölbung oder Kante in der Karosserie erzeugt. Alles miteinander nicht schlank, aber schön.

Der Fahrvorgang ist auf ­jeden Fall pompös. Schon der Sechszylinder generiert Wucht in Ton und Schub, beim Achtzylinder, 22.000 Euro entfernt, mag das noch beherrschender sein, ist aber nicht wirklich ­nötig. Mit unter sechs Sekunden auf Hundert können wir uns zum Beispiel mit einem Porsche Cayman anlegen, der um 600 Kilo leichter ist. Im Kurvigen spürt man dann freilich das Gewicht. Geht man’s etwas rescher an, zeigt sich schnell, dass der Sechser nicht so fürs Sportliche ist, zu schwer, zu weich, und das ist auch stimmig so, denn das ganze Auto hat den Charakter des Flaneurs. Daran ändert auch das 4.422 Euro teure ­adaptive Fahrwerk nichts, bei dem Sport und Sport+ (mit eingeschränkten Fahrstabilitätssystemen) angewählt werden können, was die Neigung zum Wanken reduziert. Das macht aus dem Sechser aber noch lange kein Spielzeug, das das unschuldige Herz zum Lachen bringt. Zu ernst, zu souverän, zu perfekt, zu teuer alles.

Für den Erwachsenen, der sich’s leisten kann, gibt es wohl trotzdem keine Alternative. Denn natürlich ist das hier ein ungemein angenehmes, komfortables und nicht zuletzt unproblematisches offenes Auto, das in seiner Rundum-Könnerschaft ziemlich alleine dasteht. Hinten Kindersitz? Kein Problem hier, im Jaguar XK zum Beispiel völlig undenkbar (selbst ausprobiert). Verarbeitungsperfektion? Finde man so mal bei den italienischen oder englischen Mitbewerbern. Dass es bei höherem Tempo im geschlossenen Auto ein ­wenig rauscht und zischt, liegt am Stoffdach, das geht aus Prinzip nicht anders.

Und schließlich die Vernunft, in Form gesetzt durch die Maßnahmen des Efficient Dynamics-Prinzips, deren permanent auffälligste die Start-Stopp-Automatik ist – vor allem bei offenem Dach (hörbare Stille). Ein Normverbrauch von 7,9 Litern wird ausgewiesen, die Realität war mit runden zehn Litern allemal noch okay für so viel Superauto.

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