BMW 6er Cabrio Statisch Exterieur HEck
Die letzten ­Rudimente Bangle’schen ­Kantenzaubers durften einer ­stringenteren Linien­führung ­weichen.
 

Vorstellung: BMW 6er

Einige Argumente, die eindeutig für die gehobene Art des Cabriofahrens sprechen.

16.03.2011 Autorevue Magazin

Der Kauf eines Fahrzeuges in dieser gehobenen Klasse ließe sich einerseits sehr lässig über die kulinarischen Kriterien „schmeckt“ oder „schmeckt nicht“ entscheiden. Denn wahrer Luxus bedeutet ja, sich nicht lange mit Details rumschlagen zu müssen und den direkten Weg ins Glück nehmen zu können. Die Preisliste entlang in die Höhe zoomen, einhaken, fertig. Andererseits: Wenn der Hersteller eines 2+2-Sitzers der Oberklasse ein paar vernünftige Argumente liefern kann, ­warum es gerade dieser Wagen sein soll und kein anderer, ist uns das natürlich auch recht.

Und in dieser Hinsicht finden wir im Rahmen der Neuauflage der BMW 6er-Reihe eine ganze Menge zitierenswerter Dinge. Beginnen wir äußerlich: Anders als sonst ­üblich, reicht man uns zuerst das Cabrio und schiebt dann das Coupé nach. Wohl wegen der klugen Einsicht, dass jetzt der Frühling kommt und später erst der Herbst.

Die Neuerungen an der ­Karosserie übersteigen den Rahmen eines Facelifts bei Weitem. Die letzten Rudimente Bangle’schen Kantenzaubers durften einer stringenteren Linienführung weichen. Vorne-Seite-Hinten wirken nunmehr wieder vereint. Das Erscheinungsbild wurde zu einem nahtlosen Stück verschmolzen, was allerdings auch weniger Spannung bedeutet. Aber das ist der Zug der Zeit: Das pralle Leben findet nach wie vor statt, aber nicht mehr zwingend in aller Öffentlichkeit. Also: Ein durchaus hübsches windgeschliffenes Cabrio steht da vor uns, dessen optische Aussage gute Chancen hat, über viele Jahre gültig zu bleiben.

Zuerst gibt es einmal zwei Motorvarianten, die ganz wesentlich den Charakter bestimmen, die das Auto sozusagen bilingual erscheinen lassen. Der V8 spricht klassisches Amerikanisch. Der Sechszylinder ist unverkennbar ein Deutscher. Natürlich hat man auch den V8 auf erstaunlich geringen Verbrauch getrimmt, aber eigentlich stehen doch diese Üppigkeit und Flauschigkeit im Mittelpunkt, die sich am Ende zu einer beachtenswerten atmosphärischen Leichtigkeit aufschaukeln.

Der Sechszylinder hingegen ist mit allem versorgt, was das Schlagwort Efficient Dynamics enthält, von intelligentem Thermomanagement bis hin zur Start-Stopp-Automatik, was unterm Strich einen rekordverdächtigen Verbrauch ergibt, zumindest auf dem Prüfstand: 7,9 Liter Benzin je 100 km im Mittel (320 PS, 1840 kg!). Seit Diesel-Papst Fritz Steinparzer aus Steyr nach München zu den Benzinern übersiedelt ist, passieren auch hier Quantensprünge in Sachen Leistung rauf, Verbrauch runter. Einen wesentlichen Teil des Erfolges stellt sicher die kluge Bemessung und Taktung der beiden Turbolader dar, die sowohl den Sechs- als auch den Achtzylinder beatmen.

Das Fahrwerk besteht, wie bei teuren BMWs heute üblich, überwiegend aus Leichtmetall, und die Elektronik sorgt für gedeihliche Zusammenarbeit aller treibenden und federnden Elemente. Die serienmäßige Fahrdynamik-Control vernetzt das Ansprechverhalten des Motors mit der Kennlinie der Servolenkung, verändert die Ansprechschwellen der Stabilitätskontrolle und beeinflusst die Schaltdynamik des Automatikgetriebes. Wer dann noch das Herz hat, 4422 Euro zusätzlich hinzublättern, bekommt die Funktion „Adap­tive Drive“ dazu. Damit werden über die Dämpfung die Wankbewegungen noch weiter reduziert. Der Fahrer erkennt ­„Adaptive Drive“ an der Mittelkonsole in der zusätzlichen Wahlmöglichkeit der Fahrzeugabstimmung. Zu „Normal“, „Sport“ und „Sport+“ kommt noch „Comfort“.

Naturgemäß besetzt das Dach eine Schlüsselrolle beim Cabrio. Die Wahl fiel wieder auf Stoff, in der gesicherten Annahme, dass Autos dieser Klasse eher zur Kategorie Dritt- und Viertfahrzeug gehören, also kein zwingender Ruf nach Winterbetrieb besteht. Und wie wir auch wissen, lässt sich Stoff leichter falten als Blech und geschmeidiger ins Gesamtbild integrieren. Wie beim Vorgänger hat man die so genannte Finnen-Konstruktion beibehalten. Das sieht originell aus und ermöglicht eine sehr kleinflächige und damit leichte beheizbare Heckscheibe aus Glas.

Mehr zum Thema
  • Mike T.

    Alle schimpften auf das Bangle-Design. Zugegeben, es war etwas gewöhnungsbedürftig. Aber gerade wenn man den neuen 6er sieht – gefällig, mehrheitsfähig, aber fast schon langweilig rundgelutscht – lernt man die eigenwillige Extravaganz des alten 6ers schätzen. Auch beim Fahren: das sämig-straffe ist vermutlich mit Seitenblick auf Mercedes-Kunden indifferenter geworden. Gerade beim 6er hätte ich mir mehr Schärfe in jeder Hinsicht gewünscht. Trotzdem warte ich schon ungeduldig auf das universellere Coupé, denn nichts bleibt wie es ist und der Körper ist anpassungsfähig. Nach ein paar 1000 km werde ich mir wahrscheinlich nix anderes mehr vorstellen können.

pixel