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Mit dem Gran Coupé wird der Glaube an die flache Ideallinie auf die Größe eines reisetauglichen Viertürers erweitert.
 

Testbericht: BMW 640d Gran Coupé

Coupé-Experte BMW erweitert seinen Radius: Ein großes Reise-Coupé mit vier Türen und fünf Meter Länge hat bisher gefehlt.

04.11.2013 Autorevue Magazin

Das Coupé ist einer der Säulenheiligen der BMW-Religion. Man kann das an der Legenden-Galerie ablesen (503, CS, der erste Sechser) und am ­rituellen Eifer, mit dem immer neue klassische Coupés zele­briert werden in scharfer Abgrenzung zu faltbaren Blechdächern, Dreitürern und sportlich-aktiven Hochbauten, die es natürlich AUCH geben darf.

Mit dem Gran Coupé wird der Glaube an die flache Ideallinie auf die Größe eines reisetauglichen Viertürers erweitert, die in anderen Häusern bereits als erfolgreiche Modell-Kategorie etabliert wurde. Neben dem klassischen zweitürigen Coupé (und Stoffdach-Cabrio) gibt es ab jetzt eine dritte Sechser-Variante mit elf Zentimeter längerem Radstand und luxuriös-gemütlichen Platzverhältnissen im Fond.

bmw 640d gran coupé grau seitenscheibe hinten

Die Ästhetik rahmenloser Türen und eines Logos hinter Glas.

Alleine wegen der rahmenlosen Scheiben ist ein viertüriges Coupé jeder Limousine vorzuziehen.

Die Ästhetik ist unschlagbar. Und dort, wo das Glas hinten auf den Hofmeisterknick trifft, hat sich BMW etwas zusätzlich Raffiniertes einfallen lassen: ein Schriftzug hinter Glas. Bloß ein Detail, keine Frage, und all die vielen Details machen in Summe jenes gediegene Understatement aus, das das Gran Coupé verkörpert.

Die Coupélinie hat BMW großartig hingekriegt.

Aus der beachtlichen Lauflänge von über fünf Meter und der extrem flachen Dachlinie von nur 1,39 Meter ergibt sich eine dramatische Karosserie, die wie mit straff gezogenem Stoff bespannt zu sein scheint. Aufgeladene Haut auf großer Fläche – das hat schon beim Anschauen Kraft. Flach ist auch die Schnauze mit der breiten Kühlerniere, die zusammen mit den Scheinwerfern in Ich-Hai-du-Beute-Mimikry wie ein unanfechtbarer Kraftausdruck wirkt. Höhepunkt aber: Das breite Heck mit anmutigem Schwung in der Windbruchkante, markanten LED-Heckleuchten und einem Bremslichtbogen über der Heckscheibe, zur Unterscheidung innerhalb der Community.

Für den Fahrer bringt der Blick nach hinten wenig.

Eine Schießscharte im Querformat – der Ausblick reicht nicht zum Einparken. Aber das ist kein Thema für einen Sechser-­Käufer, der 90.000 Euro und mehr für langstreckentaugliches ­Unterstatement investiert. Der Blick nach vorne zählt, die Wirkung, das schnittige Gesamtbild. Und was zur Vollkommenheit fehlt, ist in der Rubrik Sonderausstattung zu finden. Von Einparkhilfe (963 Euro) und Rückfahr­kamera (443 Euro) über ­Wide-Screen-Navi mit 3D-Funktion und Spracheingabe (3.306 Euro) bis zur High-End-Sound-Anlage von B&O (5.457 Euro). Die Sonder-Sonder-Wünsche erfüllt dann die BMW Individual-Abteilung.

bmw 640d gran coupé grau seite vorne front

Wir fuhren den 640d, der gemeinsam mit dem Benzin-Reihensechszylinder die Gran Coupé-Vorhut darstellt. (V8 mit und ohne Allrad kommt im Juli, dann ist die diesjährige Angebots-Aufstellung komplett).

Der Dreiliter-Diesel mit 313 PS ist ein erstaunlich vernünftiger Ansatz, sich als Stil-Apologet das Gran Coupé als den besseren Siebener vorzustellen. Oder als den besseren Diesel-Panamera, der viel weniger PS hat und außerdem einen bamstigen Hintern.

Mit dem 640d werden Tankstellenbesuche zu Momenten der Freude:

Verbräuche um die acht Liter sind echt schmeichelhaft, vor allem für einen Wagen mit 1,9 Tonnen (gehen sich aber nicht immer aus). Wie jeder moderne BMW hat das Gran Coupé einen Wippschalter zur Fahrprogramm-Wahl in der Mittelkonsole mit einem Angebot von supersparsam bis Rock ’n’ Roll. Der Eco-Mode ist kein Fremdkörper. Auf Tempomat-diszi­plinierten 130er-Autobahn-Etappen ist er eine Option, die keinen Unterschied macht. Und wenn es reicht, switcht man sich einen Level höher, spürt das Gaspedal feinfühliger werden, die supergeschmeidige Achtgang-Automatik später schalten und – ist weg.

Das Gran Coupé ist ein sportlicher Wagen mit präziser Lenkung (in unserem Fall ­optionale Integral-Aktiv-Lenkung, bei der die Hinterräder mitlenken) und straffer Fahrwerksauslegung. Bergstraßen zu fahren bereitet Vergnügen, auch wenn man sich dabei des langen Radstands und der Wagenmasse durchaus bewusst ist. Und der nörgelnden Passagiere, die zu viel Konzentration auf die Ideallinie weniger goutieren, magennerventechnisch.

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  • Siegfrid Oppenauer

    Ich finde den BMW 630 Gran Coupe sehr gelungen und schön,würde aber trotzdem einen Porsche Panamera vorziehen,wenn ich die Wahl dazu hätte.Die Verbräuche von BMW-Diesel sind sensationell nieder!Bei meinen BMWX3 XDrive 2.0 D (15.000Km)liegt der Verbrauch mit runflat Winterreifen von Dunlop zwischen 6,2 und 6,5 Liter Diesel.Bei etwa 50% Kurzstrecken und 50% Autobahn-Bundesstraßenmix.
    Mit diesen Verbräuchen brechen auch jeden LEXUS-Hybrid Autoverkäufer die Argumente weg,wobei auch dieses Auto von Ausstattung und Performence sicher ein ernst zu nehmender Konkurrent von AUDI u.BMW sein könnte.Bei der Einstiegshöhe merkt man sofort den Japaner,die Sitze und Leder ist mehr als OK.Das Cockpit ist eine gute Kopie vom neuen Porsche 911 und Panamera.

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