BMW 3er Dreier
 

Vorstellung: BMW 3er 2011

Der wichtigste aller BMWs im ersten Fahrbericht, welcher unter anderem neue Erkenntnisse über die Luxusklasse schafft.

27.12.2011 Autorevue Magazin

Das Bedürfnis nach Schärfe ist im Automobilwesen nicht mehr zu stillen. Jede Gene­­ra­tion würzt intensiver als die vorhergehende. Besonders wichtig für das Überholprestige ist der Kühlergrill, und auf ­diesen hat sich BMW bei der Gestaltung des neuen Dreiers konzentriert.

Der Rest des Autos ist als neu mit freiem Auge nicht erkennbar. Es gibt ein paar Kanten oder Falten, heißt es, doch die sind kaum auszumachen. Überholprestige ist für BMW zentral, man hat sich primär ein starkes Dynamik-Image aufgebaut, das auch das Selbstbild der Kundschaft mitformt.

Der neue Dreier wird besonders mitformen. Breitere Spur, fast zehn Zentimeter mehr Länge, fünf Zentimeter mehr Radstand und nach wie vor kurze Überhänge lassen ihn aktionsbereit dastehen. Wir steigen aber ein und finden angenehme Zurückhaltung vor, mit leiser Designsprache, so schätzt es das moderne Publikum. Behaglich, wohnlich und vor allem nicht vollgeräumt soll es sein, alles andere wäre bei dem gestellten Anspruch unsinnig.

BMW 3er Dreier

Logische Verteilung und Gestaltung der Bedienelemente und -Module macht äußerste Sparsamkeit und Reduziertheit in der Bewegung möglich, quasi das Gegenteil von wüstem ­Herumkurbeln – so und nicht anders dirigiert man moderne, feingliedrige Technologien, freut sich an deren Entgegenkommen, sei es Lenken, Schalten oder Bremsen. Fast, als reichte ein Augenzwinkern, und schon ist Einverständnis hergestellt. Der Premium­ansatz eines Autos erschließt sich aus solchen Unwägbar­keiten besser als etwa aus der Ausstattungsliste. Weil Zeugs ins Auto stopfen ist noch keine Kunst, aber wenn jedes Teilchen so konstruiert ist, dass es zum leise knisternden Funkensprung zwischen Auto und Fahrer beiträgt, dann erst sind wir in der Premiumklasse, und weil es auf Größe schon lange nicht mehr ankommt, solange nicht die Knie eingeklemmt werden (werden sie im Dreier auch auf den hinteren Plätzen nicht), in der Luxusklasse.

So fährt sich das dann auch. Das Grundkonzept wirkt: Vorne längs eingebauter Motor, Heckantrieb, Achslastverteilung nahe 50:50, steife Karosserie, die Fünflenker-Hinterachse wurde stark überarbeitet. Es ist kaum nennbar, wie die BMW-Fahrwerksmenschen gerade in dieser Baureihe bei jedem Modellwechsel einen neuen, spürbaren Dynamiksprung hinkriegen, eine Steigerung von Vitalität und Präzi­sion, die direkt in die Lust an der Kurve investiert wird.

Zum Marktstart gibt es drei Motoren, 335i als Reihensechszylinder, 328i als Vierzylinder-Turbo und 320d mit 184 PS oder als Efficient Dynamics-Edition mit 163 PS. Die ersten Testfahrten mit dem 328i und dem 320d (184 PS) zeigten einmal mehr die Logik des nicht zu großen Motors. Der neue Vierzylinder-Benziner kann dank Einspritz- und Aufladetechnik auf Hubgroßraum verzichten, ­leistet 245 PS und setzt maximales Drehmoment schon bei 1250 Umdrehungen frei. Uns fehlte ein bissl der Sechszylindersound, aber den kann man sich mit dem 335i ja erkaufen. Schon mehr Richtung ­Volumensmodell geht der 320d, der mit seinen 184 PS für das 1500-Kilo-Auto mehr als trainiert ist und das auch in seiner abgespeckten 163-PS-Version noch sein wird.

Der Diesel drängt zum ­Untertourigen, wo er dank ­eines Fliehkraftpendels (gleicht Dreh-Ungleichförmigkeiten und Schwingungen aus) immer noch sehr vibrationsarm arbeitet, will heißen: weich und glatt im Ohr liegt.

BMW 3er Dreier

Ein gutes Ding ist auch die flutschige Sechsgangschaltung, trotzdem wird hier von ihr abgeraten, denn im Vergleich zur wunderbaren Achtgangautomatik ist sie hoffnungslos ­altmodisch, sehr im Gegensatz zum Fahrerlebnisschalter, was für eine große Wortschöpfung überhaupt! Ist in allen Modellen serienmäßig und bietet Fahrprogramme zwischen sparsam und sportlich an, ­betroffen sind Gaspedal­charakteristik, Ansprech­verhalten des Motors, der ­Lenkung und der Fahrstabilitätskontrolle. Hat man dyna­mische Dämpferkontrolle, spielt auch noch das Fahrwerk mit.

Es gibt zwar noch keine ­Detailpreise, das Portfolio der Extras ist jedoch so hochfahrend, dass man sich auf einiges gefasst machen darf. Allein das Leistungspaket „Connected Drive“ umfasst aktiven Park­assistenten, aktiven Tempomaten mit Stop and Go, Internet, eine App für Webradio, Facebook, Twitter und Kalender, eine andere für die Steuerung der Standheizung von außen, allerlei Fahrassistenz und manches mehr. Ein 335i lässt sich locker auf 70.000 Euro nobilitieren. Erstklassig sitzen und erfrischend fahren geht fix aber auch im 316d ohne Extras.

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