BMW 3er dyn voli
Es geht um was bei einem neuen Dreier.
 

Vorstellung: BMW 3er

Länger, leichter und den Blick klar nach oben gewandt: der neue Dreier.

30.11.2011 Autorevue Magazin

Gegen die Enthüllung des neuen Dreier mutet die Eröffnung des Münchner Oktoberfestes wie ein Kindergeburtstag an: Im Stammwerk neben dem Vierzylinder säumen tausende Marken-Fans und BMW-Werkler in blauer und roter Arbeitsmontur die Straßen. Eine Tribüne für die Fest­ansprachen wurde aufgebaut, ein Kamera-Hubschrauber kreist übers Gelände, dann wird ein neuer Banner-Teil über dem Werkseingang enthüllt, der das jüngste Modell zeigt, das jetzt hier gebaut wird, und im großer Laser-Show-Spektakel rollen sieben neue Dreier aus der Fabrik. Die ­Veranstaltung wird weltweit übertragen. Per Live-Stream auf Facebook. Schöne neue Welt.

Der Dreier ist das volumenstärkste Modell von BMW und hat sich mit insgesamt 12,5 Millionen verkauften Einheiten als erfolgreichstes Premium-Mittelklasse-Auto überhaupt in die Geschichte eingeschrieben. Jedes dritte Auto, das BMW 2010 ausgeliefert hat, war ein Dreier, jedes fünfte eine Dreier-Limousine. Man kann die Aufregung an so einem Tag dann doch verstehen. Über 10.000 Arbeitsplätze hängen schließlich an diesem Auto.

In seiner sechsten Genera­tion ist der Herzbube von BMW deutlich gewachsen. 9,3 Zentimeter hat er in der Länge zugelegt, er misst jetzt 4,62 Meter und ist damit noch immer knappe acht Zentimeter kürzer als sein Kontrahent Audi A4. Die breitere Spur (vorne plus 3,7 Zentimeter, hinten plus 4,7) lässt ihn sportlicher wirken, was von den kurzen Überhängen noch unterstrichen wird. Die neue Länge hat auch eine Verlängerung des Radstands um fünf Zentimeter gebracht, die dem Raumangebot innen zugute kommt. Man spürt das vor allem im Fond: ein Daumenbreit mehr Spielraum am Knie und ein knapper Zentimeter mehr Luft über dem Kopf sind an Gewinn gegenüber dem Vorgänger zu vermelden. Auch der Kofferraum hat profitiert, mit 480 Liter stehen jetzt 20 Liter mehr Ladevolumen zur Verfügung, zu ­denen man auf Wunsch auch berührungslos über einen per Fußwink aufgehenden Kofferraumdeckel Zugang findet.

Was die neue Stilistik betrifft: Natürlich erkennt man im neuen Dreier den Fünfer wieder. Viel deutlicher aber drängt sich ein schärferes Bild auf. Eines von Eleganz und ­Power in einer feineren Zeichnung, als das bei BMW bisher zu spüren war. „Der Dreier“, sagt Chef-Designer Adrian van Hooydonk, „prägt wie kein anderes BMW-Modell das Marken-Gesicht in seiner Gesamtheit.“ Und erwähnt als schärfste Charaktermerkmale die versetzten Linien an den Flanken, die in ihrem Verlauf verschwinden und dadurch filigrane, facettenreiche Lichteffekte erzeugen. Und das neue Gesicht mit der breiten Einheit aus Grill und Scheinwerfer. Die Lichtelemente sind schmal geschnitten und reichen seitlich vom Kotflügel bis an die BMW-Nieren. Durch die sogenannte Powerdome-Linie auf der Motorhaube ist es zudem gelungen, die Oberkante der Front sehr niedrig zu halten.

Am Lufteinlass unter den Scheinwerfern setzt auch eine der Feinschliff-Maßnahmen an, die die neue F30-Baureihe besser im Wind stehen lassen (cw = 0,26). Es wird dort ein Luftvorhang erzeugt, der die Strömung im Bereich der Vorderräder beruhigt. Darüber hinaus wurde auch der Unterboden strömungsgünsti­g verkleidet, die Abdeckung an der Hinterachse fungiert als Diffusor und vermindert den Auftrieb hinten. Der Dreier wird dadurch sparsamer und wegen der geringeren Windgeräusche auch leiser.

Auch wenn der Dreier jetzt deutlich länger ist, schwerer wurde er nicht. Bis zu 40 Kilo konnten durch einen klugen Leichtbau-Mix verhindert ­werden. Hochfeste Stähle kommen ebenso zum Einsatz wie Kunststoffe, Alu und Verbundstoffe. Weniger Gewicht, das ist zum Beispiel auch ein Thema bei der neuen Generation von Vier­zylinder-Benzinern, die beim Dreier ab Marktstart als TwinPower-Turbo 328i mit zwei Liter Hubraum und 245 PS erhältlich sein werden. Weiters ist benzinseitig vorerst nur der bekannte 335i mit 306 PS verfügbar. Es werden später weitere Motorisierungen folgen, sagt Entwicklungschef Klaus Dräger, die 1,6-Li­ter-­Aggregate aus Mini und Einser seien denkbar. Es wäre auch möglich, den Dreizylinder, der gerade für die Modelle mit quer eingebauten Motoren entwickelt wird, auf ein Längsbau-Modell wie den Dreier umzurüsten. Die Frage ist allerdings, behält sich Dräger vor, ob der Markt so einen Dreier würde haben wollen.

Sparmeister des derzeit fixen Motor-Lineups ist der 320d mit Efficient Dynamics-Paket, der mit 163 PS nach Laborwerten im Schnitt nur 4,1 Liter verbrauchen soll (= 109 g CO2/km). Der 320d steht auch mit einer Leistung von 184 PS zur Auswahl und braucht dann nach MVEG-Testzyklus 0,4 Liter Diesel mehr. Serienmäßig ist bei allen Dreiern Start-Stopp-Automatik und der aus dem Einser bekannte „Fahr­erlebnisschalter“, der vier Fahrprogramm-Konfigurationen anbietet, unter anderem die Spar-Einstellung ECO PRO.

Wie bei der Einser-Reihe gibt es den Dreier jetzt auch in verschiedenen vorformulierten Ausstattungslinien. Sport, Luxury, Modern heißen sie. Sie unterscheiden sich durch Karosserie-Zierelemente in Mattmetall (Modern), Chrom (Luxury) oder schwarzem Glanzlack (Sport), durch unterschiedlich gestaltete ­Felgen und verschiedene Interieur-Materialien: matte Holz­oberflächen in Schnitz-Struktur etwa bei der Modern Line.

Zu den zahlreichen Optionen zählen unter anderem eine Achtgang-Automatik, ein hochbrillantes Head-Up-Display mit Farbdarstellung, diverse M-Aufmunitionie­rungen (Sport-Automatik, adap­tives Sportfahrwerk und eine M-Sportbremse mit ­größeren Scheiben und Alu-Festsätteln) sowie zahlreiche Assistenz­systeme von der ­Tote-Winkel-Überwachung über Spurhalte-Hilfe bis zum Fernlichtassistenten.

Als Schlusspunkt der Präsentation des neuen Dreier ließ BMW dann auch noch einen Blick auf eine Dreier-Variante werfen, die im Herbst 2012 auf den Markt kommen wird: der Active Hybrid 3. Der Full-Hybrid wird wie der ­Hybrid-Fünfer einen R6-­Zylinder-Benzinmotor mit Elektro-Unterstützung haben und eine Systemleistung von 340 PS (450 Nm) liefern. Damit bringt BMW ein Novum in der Mittelklasse, mit dem derzeit noch keiner seiner Mitstreiter aufwarten kann.

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