BMW 330d Toruing KOmbi Test Fahrbericht Dreier
„Rudelführer der eleganten Lasthirsche.“
 

Testbericht: BMW 330d Touring

Wir schauen auf das Heck. Das ist beim neuen Dreier echt gelungen. Innen und außen.

10.12.2012 Autorevue Magazin

Jetzt nur nicht hastig an der Heckklappe zerren und den Zauber des Fortschritts zerstören: Der Kofferraumzugang des Dreier-Kombi öffnet elek­trisch. Bei jedem Modell. Es ist dies keine Oberklasse-Attitüde, die sich speziell der 330d als Top-Diesel angeeignet hat. Aber natürlich wäre es nicht BMW, wenn da nicht sofort ein Extra nachrückte, ohne das man sich gleich wieder unterprivilegiert fühlt: der Komfortzugang (623 Euro).

Dann kann man nicht nur einfach per Handanlegen versperrte Türen öffnen, sondern auch mit vollbepackten Armen hinterm Auto stehen, mit dem Fuß so tut, als würde man einen imaginären Kieselstein in ein imaginäres Ziel ­kicken, und schon fährt die Heckklappe von ganz alleine auf, ohne dass man sie auch nur irgendwie berührt hätte.

Hinter der offenen Klappe offenbart sich dann, was den BMW Dreier-Kombi zum neuen Rudelführer der elegant-schlanken Lasthirsche macht. Den Dreier? Den Dreier. Räumlich ist er jetzt nämlich gefühlt dort, wo früher der Fünfer war. Den längeren Radstand und die gewonnene Länge spürt man beim Kombi besonders intensiv. Vor allem dort, wo bisher eher schöngeredete Knappheit herrschte. Zwei Fingerbreit mehr Luft vor den Knien und über dem Kopf tun im Fond echt gut, und die breitere Spur fühlt man auch an den Schultern.

Und was ganz hinten mit dem Raum passiert ist, trifft überhaupt voll ins Schwarze. Einmal abgesehen davon, dass jetzt sieben Getränkekisten in den Kofferraum passen (statt vorher nur sechs – es waren 125 Liter weniger Stauraum), muss sich der Dreier-Kombi mit 1500 Liter Maximalfassungsvermögen nun auch keine lademäßige Pimperlhaftigkeit von Audi- und Mercedes-Fahrern nachsagen lassen.

BMW 330d Toruing KOmbi Test Fahrbericht Dreier

Die Rücksitzlehne lässt sich in drei Teilen wegklappen, was einen schnell auf die Idee bringen kann, drei Freunde zum Schilaufen oder Gerüststangenkauf mitzunehmen. Überhaupt fördert die durchdachte Heckeinrichtung die Lade­kreativität: Im Österreich-­Paket (ab 1.895 Euro) enthalten ist allerlei Gerätschaft für die feinere Ladungs-Domestizierung, etwa ein Teleskop­gestänge, das in verschiedenen Positionen gerade oder quer festgesteckt werden kann, ohne Bodenschienen, die BMW störend fand. Es gibt auch lustige Unterflur-Abteilungen mit Klappdeckel, wo Kleinzeug untergebracht werden kann oder Haltestange und Laderaumabdeckung bei Nichtverwendung hin verschwinden und doch immer dabei sind. Diverse Seitennetze und Verzurrösen sind ebenso vorhanden wie ein Trennnetz zur Ladungssicherung und ein Abteil mit Wendeboden für die schmutzigen Randerscheinungen unserer Freizeitgesellschaft.

Wenn man sich dann auch noch aufrichtig über die extra aufklappbare Heckscheibe gefreut hat, die es einem erlaubt, ohne großes Ausholen Dinge hinten hineinzuwerfen, ist der Weg frei für die Freude am Dreier allgemein. Der 330d ist ein enorm kultivierter Stark-Diesel, der gegenüber dem Vorgänger einen Hauch Schmalz und Leistung zugelegt hat und weniger verbraucht denn je. Auch wenn man das Wort Selbstbeherrschung nicht so gut buchstabieren kann, wird man kaum über 7,2 Liter auf 100 km kommen. Im ­Spar-Fahr-Programm, das der Dreier unter anderem anbietet, wird einem das schwer gemacht. Man landet nach jedem Neustart wieder im Normal-Modus. Ein automatischer ­Reset, der offenbar verhindern soll, dass aus Versehen Sport-Pro mit langer ESP-Leine im ­Dauerbetrieb läuft. Was einiges über die Community sagt. Und über BMW. Deshalb erlauben die einem auch nicht mehr, mit offener Türe Orientierung an der Parkplatzmarkierung zu nehmen. Das Auto nimmt einfach den Rückwärtsgang nicht. Susanne Hofbauer

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