bmw 3er gt
Souverän und cool im Auftritt, unaufdringlich und übersichtlich sitzt man am Steuer. Der Fahrer ist sein eigener Chauffeur, der GT sein elegantes Werkzeug.
 

Testbericht: BMW 320d GT

Nutzwert statt spitzer Winkel, Eleganz statt Käpt’n Blaubärs Seemannskiste.

16.07.2013 Online Redaktion

Der Kombi für Nicht-Kombifahrer. Die Limousine für Nicht-Limousinenfahrer. Ein Auto für jene, die das bisher Gebotene ablehnen. BMW ­distanziert sich mit dem 3er GT von seinen einstigen Kernmodellen und Identitätsspendern, ohne von Emo- oder Funktionalität abzuweichen. Diese Eigenschaften im Gegenteil zu verstärken, weil sie für den 3er GT neu erdacht wurden, statt einfach nur auf Limousine oder Kombi zu basieren, wo sie im Laufe der Jahre immer unschärfer wurden.

Wenn es in der Autobranche wirklich keine heiligen Kühe mehr gibt, dann wagen wir hiermit folgende Aussage:

Rein faktisch sind 3er Limousine und Kombi mit Einführung des GT überflüssig geworden.
Und das kam so: Der erste Kontakt mit dem 3er GT ist ein optischer und bringt eine faustdicke Überraschung. Denn das Kürzel GT ist bei BMW nicht gerade euphorisch belegt. Zu plump, tumb und einem tiefergelegten X6 ähnlich steht der 5er GT in den Bankenvierteln der Städte. Dem 3er GT aber steht das ­etwas schwerere Heck gut. Es deeskaliert. Das permanente Wettrüsten der spitzen Winkel scheint, wenn auch nur für ein Modell, beendet. Hier wurde einem Athleten ein Veloce-Rucksack auf den Rücken ­designt, statt einfach Kapitän Blaubärs Seemannstruhe dranzuzeichnen.
Innen ist es faszinierend hell, besonders für ein deutsches Premiumprodukt. Denn die Fensterflächen sind überraschend groß. Ein Schulterblick bringt tatsächlich mehr Übersicht und scheitert nicht an verglasten Schießscharten oder abfallender Dachlinie. Die ­Tugend der freien Sicht wähnten wir ausgestorben – BMW bringt sie mit dem 3er GT ­zurück.

Überhaupt, der Innenraum.

Teufel, das soll ein 3er sein? Allzweckkutsche des Landadels? Nein, hier fährt der Lord persönlich. Das gilt auch für hinten. Noch vor fünfzehn Jahren hätte jeder 7er-Kunde für so viel Beinfreiheit seinen Chauffeur verschachert. Kein Wunder, der 3er GT ist zwanzig Zentimeter länger als der Kombi, der Radstand um elf. Mit hochgeklappter Rücksitzbank hat der GT mehr Laderaum als der Kombi.
Einzig das Plastik auf den Armaturen sieht arg billig aus, was aber der Farbwahl geschuldet ist. In Schwarz wäre es wahrscheinlich State-of-the-Art. Und an die Bedienung des kryptischen, aber immerhin funktionsreichen iDrive werden wir uns auch nie gewöhnen. Telefonkoppelung funk­tionierte, Navigation auch. Wir wollen ja nicht viel.
Fahren natürlich schon, und da offenbart der 320d GT eine enorme Spreizung. Mit entsprechender Vorwahl (der Fahrmodi-Schalter liegt neben dem Wahlhebel der Automatik) ist praktisch alles drin. Meist ist man im Eco-Pro- oder Komfort-Modus unterwegs und sein eigener Chauffeur – das Unterbewusstsein, das Über-Ich, fährt, der Rest genießt den Komfort, den ein gut ausgestatteter BMW so mit sich bringt.

bmw 3er gt

Nutzwert und Funktionalität. Kofferraum und Heckklappe sind riesig und praktisch, ohne so auszusehen.

Der Sport-Modus ist, wir wollen nicht sagen überflüssig, aber doch Overkill.

1,5 Tonnen, Dieselmotor, vier Türen, Kofferraum … mit so einem Auto degradiert niemand Bergpässe zu Garagenzufahrten. Der 3er GT ist kein Sportwagen, egal wie Fahrwerk, Motorkennfelder und Elektronik abgestimmt sind. 184 PS und 380 Newtonmeter wirken souverän als Rückspiegel-Schreck jeder Urlauberfamilie. Das muss reichen. Die acht Gänge schalten schnell und unmerklich, sind stets gut sortiert, die Elektronik muss nicht verhandeln. Wer mehr will, benutzt die Paddles, wer mehr braucht, sitzt in der falschen Fahrzeugklasse.
Das Kürzel GT ist unglücklich, weil es vorbelastet ist. Erbsünde. Vielleicht sollte der 3er GT nur 3er heißen. Limousine und Kombi könnte man 2er nennen.

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  • Autojoe

    Hat es doch früher alles schon gegeben, Renault, VW Passat, Simca, Fiat u.v.a.m. Nun bietet es eben BMW an.

  • grande alce

    für diesen schwach(sinnig)en Beitrag habe ich den NL gekündigt. Das 127ste Mal den iDrive zu verreissen, der mittlerweile fast selbsterklärend ist, und den 1,5 Tonner im Sportmodus als Oberkill zu bezeichnen klingt nach grünem Lokalpolitiker oder doch Helfershelfer des VCÖ. Besser das nächste Mal Gourmetlokale auf die Schaufel nehmen!

  • D. Jetz

    Gerade der Sport-Modus ist für mich das motorische Highlight!

  • Heinz Helmut Tanzer

    Ein tolles Auto, der beste 3er überhaupt, aber leider wie alle BMW, zu einsteigen braucht man einen Schuhlöffel. die Türen sind alle knapp bemessen. das kann Mercedes, Audi besser.

  • Edi4

    Na ja, schaut irgendwie wie ein aufgeblasener abgerundeter Mondeo aus… Was an der Idee des, wie es in den 80ern so schön hieß, „Hatchbacks“ so neu und innhovativ sein sein soll, will sich mir nicht so ganz erschließen.

  • Werner Köhler

    Der sieht aber gut aus!!!

  • Rudolf Rauhofer

    Gut ist nur dann ein Auto wenn es satte Gewinne einfährt.

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