Der 2002 GT4 Frua blieb leider eine Studie
Der 2002 GT4 Frua blieb leider eine Studie
 

Von dieser wunderbaren BMW-Studie gibt es nur 2 Stück

Von dieser BMW-Studie gibt es nur zwei Stück, in die Serienproduktion schaffte es der 2002 GT4 Frua leider nie.

08.01.2015 Press Inform

Die 02er-Baureihe ist eines der zentralen Modelle der bewegten BMW-Geschichte. Eine bezahlbare Sportlimousine setzte Maßstäbe und die Konkurrenz unter Druck. Besonders die leistungsstarken Topmodelle 2002 ti, 2002 tii und die Spartenrakete 2002 Turbo haben bis heute einen Ruf wie Donnerhall. Doch es ging noch spektakulärer, denn die Volumentechnik des 02er gab es als doppeltes Einzelstück mit einer eigenständigen Coupé-Karosserie aus dem Hause Frua. Wer sich vor das BMW 2002 GT4 Frua Coupé stellt, sieht unzweifelhafte Züge der markanten 02er-Reihe. Trotzdem ist das viersitzige Coupé anders: spektakulär und elegant, dabei zurückhaltend, schlicht und filigran. Echte norditalienische Schule gepaart mit deutscher Ingenieurtechnik.

Die Idee von Pietro Frua

Gezeichnet und realisiert wurde der zweitürige GT4 von Pietro Frua. Frua hat sich in der bewegten Automobilgeschichte mit Kreationen wie Maserati Quattroporte, Renault Floride oder dem einzigartigen Glas V8 einen Namen gemacht. Einst hatte der Italiener bei Fiat und Farina als technischer Zeichner und Autodesigner gedient, ehe er sich in seiner eigenen Designschmiede selbst verwirklichte. Glas, Nobelmarke aus Dingolfing, hatte Pietro Frua und seinem Team jahrelang das Auskommen gesichert. Als Glas Ende der 60er Jahre unterging, suchte Frua nach einer neuen Einnahmequelle. So kam ihm in den Sinn, auf Basis des bezahlbaren BMW 2002 ti ein eigenständiges Coupé zu entwickeln und dies zum Serienmodell aufsteigen zu lassen._BMW-2002-GT4-Frua-(8)

Doppelniere, Coda-Tronca-Heck und Alfa-Rückleuchten

Pietro Frua wusste in wirtschaftlich schwierigen Zeiten um die große Herausforderung, im wachsenden BMW-Portfolio ein weiteres Serienmodell zu positionieren. So kam ihm die ebenso bezahlbare wie variationsfähige 02er-Plattform gerade recht. Und auch bei zahlreichen Details bediente sich Frua im Konzernregal um seinen sehenswerten 2+2-Sitzer zu einer Verlockung für die BMW-Verantwortlichen werden zu lassen. So gab es nicht nur Plattform und Motor vom 2002 ti, sondern auch eine Front mit Doppelscheinwerfern im schwarzen Lamellengrill mit silberner Doppelniere, eingerahmt von den Blinkern des 2800 CS. Das spektakuläre Coda-Tronca-Heck wurde von Alfa-1750-Rückleuchten verziert und im Innenraum glänzten Sitze und Armaturenbrett der 2500er-Limousine._BMW-2002-GT4-Frua-(2)

Und dann wurde es doch nichts aus der Serie

Die Zeit drängte, denn auf dem Pariser Automobilsalon im Herbst 1969 wollte Frua sein Sportcoupé erstmals der Öffentlichkeit präsentieren und so den Druck auf die BMW-Verantwortlichen bzgl. einer Serienfertigung erhöhen. Doch während sich das französische Messepublikum durchaus für das sehenswerte Einzelstück erwärmen konnte, warteten Pietro Frua und sein norditalienisches Team vergeblich auf Applaus aus der Münchner Konzernzentrale. Da neue Großaufträge fehlten, Frua aber an den Erfolg des bezahlbaren Mittelklassecoupés glaubte, steckte er weiteres Privatgeld und viel Hingabe in das Projekt und baute eine zweite, verbesserte Variante auf. Ein Jahr später sollte es wiederum auf dem Pariser Salon klappen. Kritikpunkte wie die wenigen filigranen Chromkuppeln auf der Motorhaube hatte er durch neue Stoßdämpfer ausgemerzt. Den Hofmeister-Knick ersetzte er für eine betont eigenständige Linie durch ein geradliniges Seitenfenster. Doch das Engagement war vergebens. Die Bayern hatten sich kurzfristig entschieden, als zusätzliches Derivat eine größere Kombilimousine umzusetzen. 1971 feierte die Eigenkreation des 2002 ti Touring ihre Premiere._BMW-2002-GT4-Frua-(1)

Wo der BMW 2002 GT4 Frua Coupé schließlich landete

So endete die Geschichte zweier besonders spektakulärer Designstudien aus dem Hause BMW ohne Happy End. Während das Urmodell zunächst bei seinem italienischen Meister Pietro Frua verblieb und 1986 an den japanischen Sammler Kimio Doi verkauft wurde, erwarb der Schweizer Industrielle Jakob Bach das neuere 2002 GT4 Frua Coupé bei seinem dritten Messeauftritt auf dem Genfer Salon 1972.

Dank an press-inform

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  • hellipirelli

    Die Verbindungen von Frua zu Glas, Dingolfing, hatten schon früher bestanden (z.B. Glas V8 2600 vulgo „Glaserati“)
    Wer einen Überblick über die Frua-Entwürfe für BMW gewinnen will, kann sich hier informieren:

    http://bimmerin.net/articles/rare-BMW-concepts-from-the-sixties.php

    • hellipirelli

      Ach, ich habe vergessen, für jüngere Leser zu erwähnen: BMW hatte zu diesem Zeitpunkt, als der BMW 2002 Coupé Frua in Auftrag ging, bereits die Glas-Werke in Dingolfing übernommen.

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