BMW-135i-1
 

BMW 135i Coupé Testbericht

Im Coupé verfestigt sich die 1er-Generation zur stehenden Luftsäule: Komprimierte Poesie unseres talentierten Gasfußes.

01.01.2008 Autorevue Magazin

Als Coupé tritt der 1er überraschend aus dem Schema und eröffnet eine eigene Disziplin des Powerplay: Stramm, straff, massig, hochgestimmt zu untadeligen Disziplinen der Fortbewegung auf höchster Stufe. Dazu bedient er sich einer kinnverstärkten Frontpartie, die im Wesentlichen der Limousinen-Serie entnommen ist, und einer Coupé-Silhouette, deren optische Genügsamkeit an den Urgroßvater BMW touring von ’71 bis ’74 erinnert (der damals, mit Heckklappe versehen, seiner Zeit weit voraus war).

Jedenfalls hat man sich, nach vergrößerten Lufteinlässen, verchromten Nierenstäben, massiven Seitenschwellern und einer ausgeprägten Hüftkante den großen Abgang versagt und hat noch eine Anstands-Kante zwischen Heckscheibenwinkel und flachem Kofferraumdeckelverlauf gewählt, der zuletzt mit einem kecken Gurney-Flap hochspitzt.

Mit einem angedeuteten Hofmeister-Knicks in der C-Säule verbeugt man sich vor der Tradition, die immer noch für einen schnittigen Flankenverlauf herhält, der ganz vorne ansetzt und bis ins Kraftzentrum Heckpartie mit ihrem dynamisch nach hinten verlagerten Schwerpunkt verweist. Besser, weil kleinteiliger als beim 3er-Coupé, ist hier das Verhältnis Radausschnitt zu Seitenfläche gelöst, hier stimmen die Proportionen auf unterhaltsame Weise. Heckantrieb, alle herschauen! 18-Zoll-Reifen erfüllen ihre tragende Funktion auf die Art von Welpenpfoten und schaffen einen optisch gewichtigen Stand. Die B-Säule wurde quasi wegretuschiert, wobei die umfassende Fensterrahmenleiste gesteigerte Aufmerksamkeit durch Chrom beansprucht. Das ist alles Konzernsprache, ein beliebig anwendbarer Code wie auch der Hängebangle-Durchhang zwischen Vorder- und Hinterrad, der hier aber in seiner entschärftesten Variante auftritt.

Der Innenraum konzentriert sich auf den Fahrer, massiv unterfüttert, kraftgespannter Schalthebel, wulstige Sitze, armdickes Lenkrad, aber warum hau ich mich jedesmal dran an beim Einsteigen? Die tiefste Sitzlage ist gerade tief genug, die Lehne lässt sich per Schnellentriegelung an den Rücken anpassen. Hoffentlich will niemand hinten rein, wir sind doch wohl keine Fahrgemeinschaftspendler, aber immerhin ist das Sitzvorlegen nett angedacht, verhaspelt euch bloß nicht in den Gurten Kinder und keine Schmutzspuren auf die Sitzrücken, klar? Immer weit nach vorn schauen, sonst wird euch schlecht, und das senkt den Wiederverkaufswert.

Denn, und das ist gar nicht für Kinderohren bestimmt, hier gehen 306 direkteingespritzte Benzin-PS per Doppelturbo zur Sache, 225 Kilowatt, wie der Inspektor aus dem Zulassungsschein vorliest, und freundlich mahnend empfiehlt, das schöne neue Auto bitte nicht kaputtzumachen. Da sei ESP vor und diese phantastischen Bremsen, Lehrstücke von Bremsen, die regelrecht mitdenken, mitfühlen und den Wagen erden, zusammen mit der handfesten Lenkung, dem formidablen, unglaublich komfortablen Sportfahrwerk und dem fußverinnerlichten Gaspedal, das unsere reinen Gedanken am schönsten umsetzt.

In der Variante 135i stehen maximal 400 Newtonmeter schon bei 1300 Touren auf, der Kraftausstoß geht kontinuierlich über das Drehzahlband hoch, die Gangschaltung gerät zur Geschmackssache. Oft wählt man einen zu hohen Gang, um sich das Durchziehen in aller Breite vorführen zu lassen. Sonst geht das so schnell und der Spaß ist durch Hochschalten zu früh beendet. Die 5,3 Sekunden auf Hundert ist man eh gern zu glauben bereit,  und die Vmax von eingeregelten 250 lässt sich gewiss fahren, aber dazu hat man diesen Wagen nicht gekauft. Der Spaß setzt schon viel früher an, und es mag kein Zufall sein, dass der DSC-Knopf der höchstgelegene von allen ist.

Der Reihen-Sechszylinder stellt die anfangs erwähnte Luftsäule her, auch akustisch: nicht laut, aber tiefgaragenfüllend. Sonor. Die Doppel-turbos greifen früh; nicht rabiat, sondern massiv. Der Verbrauch hält sich laut Werk unter der 10-Liter-Grenze, jedenfalls läge das im Ermessen des Fahrers. Die weit öffnenden rahmenlosen Türen sind coupétypisch schwer zu bedienen, auch die Kupplung lässt ihrerseits keinen Zweifel an dem Drehmoment, das sie hier zu bändigen hat.

Die Ausstattung reicht in das BMW-Top-Niveau, zeigt gerade hier die unaufgeregte, unprätentiöse Seite ihrer Güte. Allerdings ist hier das 1700 Euro teure M-Sportpaket mit einbezogen, das praktisch alle sicht- und greifbaren Elemente umfasst: Lackierung „Le Mans Blau“, Doppelspeichen-LM-Räder, die Alusilber-Dekorleisten innen, das feiste Lederlenkrad M, den dunkelgrauen Dachhimmel, Regensensor, Klimaautomatik, Park Distance Control oder die Stoff-Sensatec-Kombination namens Flashpoint auf den Sportsitzen für Fahrer und Beifahrer.

Übrigens, zur Vollständigkeit der Erfassung: Das 1er-Coupé kann noch mit zwei Vierzylinder-Dieselantrieben geordert werden, einmal zu 204 und einmal zu 166 PS. Interessant, aber nicht wirklich coupégerecht.

  • sportfahrer.at

    aus gegebenem Anlass, nachdem ich gerade den wunderschönen BMW Kalender "Visions 2011" aufgehängt habe und das 135i Coupe das Jänner-Blatt ziert: zu den Visionen dürften auch die von BMW angegebenen 8,5l Durchschnittsverbrauch zählen…..wer die mit dem Auto schafft würde sich DIESES Auto nie kaufen ;-)…..
    Mein Fazit nach 20t km: auch wenn der 135i optisch nicht ganz an mein geliebetes MQP herankommt, so ist doch jeder gefahrene km eine wahre Freude und ich ertappe mich auch bei -10 Grad des öfteren mit offenen Fenster fahrend um dem geilen Sound zu lauschen….wenn auch nach 15km in mono nachdem mein linkes Trommelfell dann temperaturbedingt auf "mute" schaltet ;-)

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