BMW 125i Cab 1
Astreine ­Proportionen werden von etwas fragwürdigen Linien zusammen­gehalten.
 

BMW 125i Cabrio Testbericht

Präzis durchkomponiertes Comeback der 3er-Cabrio-Idee der Achtziger exklusive Schulterpolster, Edel-Slipper und hochgerollter Jeans. Stoffdach, vier Sitze und der besitzanzeigende Charakter sind geblieben. Der Rest ist Sommer jenseits aller Kompromisse. (So man sich das leisten kann.)

01.05.2008 Autorevue Magazin

Hier pulst das Leben. Die Erste: ein Anreißergang. Zweite, Dritte: erfrischende Drehmoment-Kneippbäder bis 4000 Touren, kleiner Punch ab 3500 Umdrehungen inklusive. Vierte, Fünfte: immer noch fette Aktiva am Drehmoment-Konto, gleichzeitig schmelzende Beträge am eigenen Gehaltskonto, angezeigt durch vehementes Radarboxen-Blitzlichtgewitter im Rückspiegel. Und da sind wir schon mitten drin, im Anachronismus. Herzhafte Reihen-6-Zylinder mit 218 PS in scharfe, edle, teure BMW-Cabrios einzubauen, deren bessere Zielgruppe sich im Speckgürtel hinter Tempo-40-Zonen, Wohnstraßen und Blumentrog-Schikanen verschanzt, ist so einer. Den muss man sich natürlich notorisch verdienen. 41.300 Euro sind für das Paket 218-PS-Reihensechser plus 4,3-Meter BMW-Cabrio anzuweisen. Theoretisch zumindest. Praktisch entert ein 125i in halbwegs solider Einrichtung ab 45.000 Euro die Einfahrt. So Sie sich in unseren Testwagen vernarrt haben, sind 50.380 Euro fällig (samt Sport-Ledersitzen und Dynamik-Paket inklusive 255er-Alus, M-Sportfahrwerk).

Viel Geld für die logische Fortführung der 3er-Cabrio-Idee aus den 1980ern. Damals das Auto zum dynamisch hochgekrempelten Schulterpolster-Sakko, ist der offene Dreier mit den Ansprüchen seiner Kundschaft gewachsen, dank Stahl-Klappdach kompletter und, ja, auch ein bisserl behäbiger geworden. Nichts von alledem beim 1er-Cabrio: stämmige Proportionen (die nicht zuletzt dank des robusten Hecks die verschachtelten Bauchlinien gnädig entschärfen), sauber definierte Schultern im geöffneten, diskussionsfreie Silhouette im geschlossenen Zustand – in Summe einer der Ausgewogeneren innerhalb der 1er-Familie. BMWs Entscheidung pro Stoffdach ist ergo eine gute, tadellos umgesetzt ist sie allemal. In 22 Sekunden ist die Wandlung inklusive Seitenscheiben-Exitus vollzogen, und das – bei Bedarf – in einem Tempofenster zwischen 40 (Start) und 50 km/h (Ende). Neidpackung und kein Ende: Per Zündschlüssel-Knopfdruck verfügt sich das Dach auch fernbedient ins Heck. (Das logischerweise nur im Stand).

Ist das Dach verstaut, bleiben exakte Spaltmaße, ist es drauf, bündige Stoßkanten zwischen Fensterglas und Softtop zurück. Letzteres hat dank Hightech-Materialien mit Stoff nicht mehr viel zu tun, sehr gut ist folglich der Akustikkomfort, selbst auf der Autobahn. In der Praxis-Sektion treffen – je nach Dachposition – 260 bis 305 Liter Kofferraum auf eine bescheidene, verisofixte und daher kindersitztaugliche zweite Sitzreihe, die bei geöffneter Durchreiche nur noch als belederte Gepäckecke nutzbar ist. Zu- und Aussteigen ist möglich, Carmasutra-Meister (s. Seite 134) sind dennoch im Vorteil.

Allen anderen helfen die Frischluft-Kompetenzen des 125i Cabrio über trübe Nutzwert-Gedanken hinweg: Kein Windschutzscheiben-Rahmen, der hier Richtung Stirn pfählt, ergo richtig Himmel überm Scheitel, dennoch keine Luftturbulenzen, die einem die Prada-Shades von der Nase ziehen. Zumindest bei hochgezogenen Seitenscheiben. Die bibbern Bahnübergängen übrigens kein bisschen hinterher, in Sachen Torsionssteifigkeit ist der Unterschied zum fixverdeckelten Einser zwar spür-, aber insgesamt vernachlässigbar. Das vor allem im Schatten eines süffigen 6-Zylinder-Saugers, der mit stämmigem, nie frivolem Grundton als sehr selbstbewusste Idealmotorisierung durchgeht. Der arbeiten eine eisig präzise Lenkung, aufmerksame Bremsen und ein trotz M-Sport-Verhärtungen ausgewogenes Fahrwerk zu. Kleine Spaßbremse ist hingegen die 6-Gang-Box: Knöchern, nur mit bewusstem Ärmeldruck schaltbar und mit einem etwas versteckten Rückwärtsgang gesegnet, fällt sie aus dem dicht verwobenen Netz der Dienstbarkeiten heraus. Was auch für den Praxisverbrauch gilt: 11,5 Liter Normalbenzin sind eher weniger „Efficient Dynamics“.  Zurück bleibt ein slicker Energetiker, der weniger von seiner Leichtfüßigkeit (knapp 1,6 Tonnen laufen auf), vielmehr von satten Kraftreserven und einem hinreißenden Handling zehrt. Das It-Car der Saison.

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