1940 Das Jahr Zeitreise Zeitmaschine BMW 328
Statt der Mille Miglia gab es eine vergleichsweise zeiliche Strecke.
 

1940 – Das Jahr: Blut, Schweiß und Tränen

Europa versinkt im von Hitler angezettelten Weltkriegs-Chaos, Amerika erfindet Nylonstrumpf und Burger-Bude, und die Rapidler zeigen den Deutschen, was ein Haken ist.

05.10.2011 Autorevue Magazin

Österreich existiert nicht mehr. Adolf Hitler hatte den Namen seiner Heimat stets gehasst, er nannte das Land „eine Missgeburt der Geschichte“. Nach dem Anschluss am 12. März 1938 sprach er nur mehr von der Ostmark, und am 1. April 1940 trat die letzte Stufe der Eingliederung ins Großdeutsche Reich in Kraft. Das Land wurde in die Reichsgaue Wien, Niederdonau, Oberdonau, Salzburg, Tirol, Steiermark und Kärnten unterteilt, damit hat Österreich auch auf Verwaltungsebene aufgehört zu existieren.

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1940 war das erste vollständige Jahr, in dem die Weltordnung Kopf stand. Nach dem Überfall auf Polen und dem Nicht­angriffspakt mit der Sowjetunion begannen sich die neuen besten Freunde Nordeuropa untereinander aufzuteilen: Die Russen marschierten in Finnland ein, die Deutschen besetzten im April Dänemark und Norwegen.

Im Mai war dann Frankreich dran: Mit der nun schon bewährten Strategie des Blitzkrieges begann die deutsche Wehrmacht am 10. Mai den Feldzug gegen Frankreich, indem man in die neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg einfiel. Am gleichen Tag trat der Britische Premierminister Neville Chamberlain zurück und der politisch ungleich schärferer ­Winston Churchill übernahm die Regierung. Drei Tage später hält er im Unterhaus seine berühmte Blut, Schweiß und Tränen-Rede – „Ich have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat“ – mit der er das Land auf die Härten des Krieges einschwor.

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Aber vorerst einmal waren die Deutschen nicht zu stoppen: ­Bereits am 19. Mai wurden die französischen und britischen Truppen eingekesselt, es folgte das „Wunder von Dünkirchen, bei dem es den Briten gelang, 338.226 Soldaten auf die Insel zu retten – allerdings unter Zurücklassung des gesamten Materials. Am 14. Juni erreichten die deutschen Truppen Paris, am gleichen Tag wurde das Konzentrationslager Auschwitz eröffnet. Drei Tage später erklärte Phillippe Pétain die Niederlage Frankreichs. Bündnispartner ­Benito Mussolini ergriff am 11. Juni die günstige Gelegenheit, um Frankreich und England noch schnell den Krieg zu erklären.

Im Sommer stößt die deutsche Kriegsmaschinerie dann erstmals an ihre Grenzen: Die Luftschlacht um England endet zwar mit einem militärischen Patt, nimmt Hitler aber den Nimbus seiner Unbesiegbarkeit. Den Briten werden die Bombenangriffe auf ihre Großstädte später als moralische Rechtfertigung für ihre Angriffe auf deutsche Städte dienen, die vor allem für die Zivilbevölkerung verheerende Folgen haben.

Nachdem im Westen nichts weitergeht, wendet sich Hitler dem neuen besten Freund zu: Im Dezember wird mit den Vorbereitungen zum Angriff auf die Sowjetunion begonnen. 1940 sollte jedenfalls das letzte Jahr sein, in dem die Deutschen etwas zu lachen hatten.

Natürlich stand der Rest des Weltgeschehens völlig im Schatten des wahnwitzigen Schlachtens: Es werden in diesem Jahr ­weder Nobelpreise vergeben, noch finden Olympische Spiele statt. Die wenigen positiven Höhepunkte passieren in den USA, wo man den Krieg noch als weit entfernte, innereuropäische ­Familienfehde wahrnimmt. Im Mai kommen die ersten, sündhaft teuren Nylonstrümpfe in den Handel, in Kalifornien nimmt eine, nun ja, Geschmacksrevolution ihren Anfang: In San Bernadino eröffnet die erste McDonalds-Filiale. Außerdem weint man im Kino kollektiv zu „Vom Winde verweht“, der Südstaaten-Schmachtfetzen gewinnt zehn Oscars und ist inflationsbereinigt bis heute der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten.

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In Deutschland hat das große Hungern noch nicht begonnen, ein Krügel Bier (0,35 Reichsmark), ein Kilo Brot (0,37 RM) und ein Liter Benzin (0,39 RM) kosten etwa dasselbe. Rapid Wien gewinnt die Gauliga XVII (so heißt die österreichische Fußballmeisterschaft jetzt) und qualifiziert sich damit für die Endrunde, wo man erst im Halbfinale am Dresdner SC scheitert. In der ­Saison 1940/41 läuft es dann noch besser, da werden die Rapidler souverän Deutscher Meister. Winziger Lichtblick in einer noch auf Jahre hinaus trostlosen Zeit.

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