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Bentley Mulsanne – Maßstab 1:1,3

Die neue Bentley-Limousine ist richtig groß und richtig staatstragend, fährt sich aber nicht so.

07.05.2010 Autorevue Magazin

Nach den ersten Kilometern denkt man: Also entweder ist der Bentley Mulsanne sehr breit oder die schottischen Straßen erschreckend schmal. Aber dieses Gefühl, das ohnehin nur auf drittrangigen Straßen existiert, legt sich ziemlich schnell, und das ist auch gut so. Denn Bentley versteht seine neue, große Limousine, die in der Jenseits-von-allem-Klasse in direkter Konkurrenz zu Rolls-Royce Phantom und Maybach steht, nämlich weiterhin als DRIVER’s CAR. „Der typische Bentley-Besitzer überlässt das Steuer nur bei besonderen Anlässen seinem Butler“, meint Bentley-Chef Franz-Joseph Paefgen.

Da wird nicht nur ein hübsches Bild vom Bentley-Besitzen gezeichnet, sondern auch gleich die Abgrenzung zu Rolls-Royce geschaffen. Die Geschichte des Vorgängers Arnage reichte ja noch in jene Zeit zurück, als die beiden britischen Luxusmarken ein Unternehmen waren. Und beim aktuellen Phantom dürfte eher Verarmungs-Alarm herrschen, wenn man den Besitzer hinterm Steuer erwischt.

Hier erleben wir dagegen ein richtiges Fahrer-Auto, nur halt im Maßstab 1:1,3, was in etwa dem Umrechnungsfaktor für 5,55 Meter Länge und 2,6 Tonnen in die normale Autowelt entsprechen dürfte. Und mit 512 PS und vor allem 1020 Newtonmeter ist ohnehin wieder alles im Lot. Dementsprechend fühlen sich die 5,3 auf Hundert auch nicht nach schlichter Beschleunigung, sondern eher wie ein Erdrutsch an. Und eigentlich ist es Blasphemie gegenüber der Grundhaltung des Unternehmens, dass jetzt bei ruhiger Fahrt vier Zylinder abgeschaltet werden – dann lassen sich auch Verbräuche um die 14, 15 Liter rausfahren, wenn die Straßen nur eng genug sind. Das Grundlayout des Motors stammt aus den Fünfzigern, als Rolls-Royce noch Motoren für Propellermaschinen fertigte, und die Kundschaft liebte das Ding so sehr, dass der V8 solange überarbeitet wurde, bis praktisch jede Schraube neu war.

Auch sonst weiß man die moderne Technik gut hinter üppigem Leder, poliertem Wurzelholz und massivem Komfort zu verstecken. Die Latte für den Einstieg in die Upper-Class liegt nun zwar knapp über 300.000 Euro, im Vergleich zum RR Phantom spart man aber immer noch soviel, dass sich fast ein Continental GT als Zweitwagen ausgeht.

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