Leserblog PEter Ruch Jaguar XF
Beautiful, fast cars.
 

Beautiful, fast cars

Standpunkt: Jaguar. Ein Beitrag von Peter Ruch vom Radical-Mag.

01.04.2011 User

Carl-Peter Forster, seit vergangenem Jahr CEO der indischen Tata Motors und damit auch Boss über die vor drei Jahren zugekauften britischen Institutionen Jaguar und Land Rover, ist ein „car guy“. Er redet Auto, er denkt Auto, er träumt Auto, er liebt Auto, 24 Stunden am Tag (und wenn das nicht reicht, dann auch noch in der Nacht, um auch diesen Kalauer wieder einmal anzubringen), 52 Wochen im Jahr. Forster hatte einen unschönen Abgang als Chef von Opel, obwohl er dort die Wende zum Besseren eingeleitet hatte, doch jetzt, bei den Indern, scheint er angekommen zu sein, er ist ruhig, er spricht besonnen – und er sieht ganz viele Möglichkeiten. „Wir müssen einfach unsere Hausaufgaben machen, dann kommt das gut“, sagt Forster.

Über Land Rover spricht er nicht viel, dort läuft das Geschäft anständig, mit dem Range Rover Evoque wird diesen Sommer ein ganz wichtiges Modell auf den Markt kommen. Der kommt bestens, das weiß Forster, aber er will trotzdem nicht über Volumen reden.

Doch über Jaguar plaudert Forster gern, da ist auch viel Herzblut dabei, dauernd fällt das Wort „Opportunities“, eben: Möglichkeiten. In diesem Sommer wird der XF, der Bestseller im Jaguar-Programm, sanft aufgefrischt, viel muss da nicht geändert werden, neue Lampen hinten und vorne, da und dort eine Liebkosung der Linien, innen kaum merkliche Nachbesserungen. Neu kommt ein 2,2-Liter-Diesel mit 190 PS in Programm, eine Erweiterung gegen unten, doch der Vierzylinder-Selbstzünder passt gut in die coupéhafte Limousine. Die Schweizer kaufen zwar lieber die stärksten Versionen des XF, aber es gibt andere Märkte, da wird der kleinste XF sicher ein Erfolg.

Wir sind den Diesel, der ja auch im Freelander (schon auf dem Markt) und dem Evoque (ab Sommer auf dem Markt, endlich) zum Einsatz kommt, in England um ein paar Häuser gefahren, viel können wir deshalb dazu nicht sagen, außer: das neue Stopp/Start-System funktioniert prächtig. Jaguar arbeitet da mit einem neuen System, viel Hirnschmalz und zwei Batterien stecken dahinter, bereits ab 20 Grad Betriebs-Temperatur soll es funktionieren. Das tönt schon mal gut, aber am besten hat uns gefallen, dass man den Wagen, wenn man ihn endgültig stoppt, nicht nochmals zum Leben erwecken muss, um den Motor dann ganz abzuwürgen. Wenn er nagelt, der Diesel, dann tut er das erfreulich entspannt, und Dampf hat der Kleine auch, 420 Nm maximales Drehmoment zwischen 1750 und 4000/min, damit kann man leben.

Und bald kommen sowohl XF wie auch die anderen Jaguar-Modelle, der XK und der XJ, mit Allrad-Antrieb, 2012 wird es sicher werden, vielleicht auch erst 2013. Ein Schelm, wer dabei nicht an das System von Magna denkt, schließlich war Carl-Peter Forster jener Mann, der Opel gerne an die Österreicher verkauft hätte vor zwei Jahren. Erstaunlich ist, dass Jaguar dabei weniger an die alpenländischen Märkte denkt denn an die Amerikaner, die Briten wollen einen „snow belt“ ausgemacht haben, der 70 Prozent des angepeilten Marktes ausmacht. Und überhaupt, Audi und BMW und Mercedes haben auch Allrad, also muss Jag das ebenfalls bieten.

Carl-Peter Forster, CEO der indischen Tata Motors Company:

Leserblog PEter Ruch Jaguar XF Forster

Auch der XK wird diesen Sommer nachgeschärft. Einerseits mit einem neuen Spitzen-Modell, den XKR-S, 550 PS stark, über 300 km/h schnell, andererseits mit sanften optischen Retuschen, die sowohl dem Cabrio wie auch dem Coupé zugute kommen. Damit will Jaguar das Rad nicht neu erfinden, aber die Veränderungen stehen dem Sportwagen gut an. Wir hätten diese Detailarbeit an den Leuchten, den Flanken, dem Gestühl schon auf dem Salon in Genf sehen können, doch wir müssen zugeben, dass wir beim ebendort ausgestellten, blaublaublauen XKR-S nicht so genau hingeschaut haben, weil. Egal, wir waren halt abgelenkt.

Beim XJ darf man nach der nicht besonders gelungenen Einführung erwarten, dass Jaguar jetzt richtig Gas gibt, im Herbst wird eine so genannte Portfolio-Edition auf den Markt kommen mit allerfeinstem Leder und schönstem Holz und einem exorbitanten Preis. Die Kunden in China und Indien verlangen nach solchen Dingen, erzählen Forster und der CEO von JLR, Ralf Speth, und auf diesen beiden Märkten, die Jaguar bisher ein wenig verschlafen hat, soll der Bär ab sofort auch tanzen, auch wenn so ein Portfolio-XJ mindestens 250.000 Dollar kostet. Ganz große „Opportunities“ habe man in den so genannten BRIC-Märkten (Brasilien, Russland, Indien, China), heißt es, und weil Indien so etwas wie ein zweiter Heimmarkt sei, werde man dort mit Verve hinter die Sache gehen.

Aber damit ist noch nicht genug an «Möglichkeiten». Natürlich verraten Forster und Speth und Jaguar-Chef Adrian Hallmark im persönlichen Gespräch nicht, was sie genau sie noch im Köcher haben. Aber sie lächeln, wenn man sie auf einen kleinen Jaguar anspricht, einen Nachfolger des X-Type. Und ihr Lächeln wird noch breiter, wenn man sie nach einem kleineren Roadster unterhalb des XK, einen Nachfolger des legendären E-Type, fragt. Wir wagen mal die Prognose: Auf der IAA in Frankfurt, im September dann, wird eine schon sehr seriennahe Studie eines solchen Roadsters zu sehen sein. Und ebenfalls in Frankfurt, vielleicht auch schon früher, wird die sinnvolle Erweiterung der XF-Reihe vorgestellt werden. Wir wissen schon, was es ist, wir haben das sehr elegante und praktische Auto bereits gesehen, aber wir dürfen leider nicht verraten, um was genau es sich handelt, das mussten wir versprechen.

Und wie kann das Jaguar, in den vergangenen Jahren nicht gerade vom Erfolg verwöhnt, stemmen? Natürlich mit Hilfe der indischen Mutter, Tata Motors wird mittelfristig jedes Jahr 1,5 Millarden Euro in Jaguar und Land Rover investieren. Bei Land Rover zahlt sich das schon aus, hört man, bei Jaguar sollen allein schon die sauber erledigten Hausaufgaben (Allrad, kleiner Diesel, bessere Bearbeitung der aufstrebenden Märkte) den Umschwung bringen. Und ein breiteres Portfolio, fünf, vielleicht auch sechs Modelle, dann den nachhaltigen Sprung in die Gewinnzone. Forster sieht das einerseits ganz pragmatisch, Tata Motors will ja nicht den Sponsor für ein paar englische Spinnereien spielen, andererseits weiß er auch, dass man Premium und die entsprechenden Margen nicht von einem Tag auf den anderen erreichen kann. «Wir dürfen uns gerade bei Jaguar nie fragen, was wird das denn kosten, sondern immer nur: was ist möglich?», verkündet er die langfristige Strategie. Nun, solches haben wir schon oft, zu oft gehört (Saab, Lexus, Infiniti, Cadillac, Lancia etc.), aber Forster könnte das vielleicht und hoffentlich und tatsächlich richten. Wir halten es aber noch lieber mit dem so wunderbar einfachen Motto von Sir William Lyons, mit dem Jaguar groß gemacht hatte: Beautiful, fast cars.

Mit freundlicher Unterstützung von www.radical-mag.com

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