Mercedes Benz MAgic Sky Control Banale Probleme Lada 2107
Magic Sky Control: Die Lösung für ein Problem, das es gar nicht gab.
 

Banale Probleme…

… kann heute keiner mehr lösen. Gott sei Dank gibt es Magic Sky Control. Es hätte viel schlimmer kommen können.

04.12.2012 Online Redaktion

Grundlegende Probleme müssen heutzutage nicht mehr gelöst werden. Die dringlichsten Schwierigkeiten beim Autofahren sind seit der Frühzeit des Individualverkehrs ausgemerzt.

Um beim Fahren nach hinten sehen zu können, schraubte 1909 der Autohersteller Marmon den ersten Rückspiegel in ein Auto. Später folgte die Sonnenblende. Scheint dem Fahrer die Sonne ins Gesicht, klappt man ein Stück Plastik nach unten.

Dieser Pragmatismus ist bewundernswert. Umso mehr, als er der Autoindustrie verloren gegangen ist. Er wich einem Hang zum Superlativ. Jüngstes Beispiel ist die Magic Sky Control von Mercedes. Sie ist nicht nur ein Zeichen, auf welchem Niveau und mit welchem Selbstverständnis man in Stuttgart mittlerweile Autos baut, sondern auch, zu welchem Zirkus dieser Vorgang geworden ist.

Die Magic Sky Control geht in Konkurrenz zum Rollo, das man vor ein Glasschiebedach montiert. Das Rollo ist bei Mercedes überflüssig, weil im Glasdach Metallteilchen verarbeitet sind. Stehen die Teilchen unter elektrischer Spannung, richten sie sich so aus, dass Licht durchdringen kann. Ist keine Spannung drauf, kommt kein Licht durch. Wann die Teilchen wie stehen kann der Fahrer per Knopfdruck bestimmen.

Ein Zeitgeist, der so etwas hervorbringt, kann froh sein, dass banale Probleme für ihn schon vor hundert Jahren gelöst wurden. Angenommen, es gäbe weder Außenspiegel noch Sonnenblenden und die Autoindustrie sähe sich heute gezwungen, das Problem zu lösen:

Ein Brainstorming zum Thema Sonnenblende ist schnell beendet. Die Marketingexperten einigen sich rasch auf den Namen Magic-Sun-Control. Der Name klinge irgendwie bekannt, magisch und sonnig. Die Techniker haben schon mehr Schwierigkeiten. Zwar verdunkelt sich die Frontscheibe, wenn starkes Sonnenlicht einfällt, das tut sie aber auch, wenn die Straßenbeleuchtung angeht, jemand seine Nebelschlussleuchte an hat, ein Blitzer los geht oder es zu kalt wird. Die Zulieferer schieben die Schuld von sich, der Kostendruck zwinge sie zu billigeren Sensoren. Der ÖAMTC warnt, dass ein Steinschlag bei einem zwölf Monate alten Auto zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führt. Wegen eines EU-Beschlusses wird die Magic-Sun-Control trotzdem Pflicht, was zu rasendem Absatz führt. Die Marketingexperten klopfen sich auf die Schulter.

Beim Blick nach hinten sind die Japaner führend. Sie haben EyeBack erfunden. Vier hochauflösende Kameras im Heck des Autos übertragen per Head-up-Display ein 180 Grad Bild auf das untere Drittel der Windschutzscheibe. Außer natürlich es ist Winter und die Scheibe ist eingefroren oder Sommer und die Kameralinsen sind vom Regen verdreckt. Alle vier Kameras lassen sich elektronisch verstellen, gegen Aufpreis gibt es ein Nachtsichtgerät, Internetzugang und ein Soundeffekte-Abo. Der ÖAMTC warnt, dass sich Versicherungen weigern, Autos mit EyeBack gegen Auffahrunfälle und Parkrempler zu versichern.

Lada lanciert ein Auto mit zwei Außenspiegeln und einem Stück Plastik am oberen Ende der Scheibe. Die Fachpresse weigert sich das Modell zu testen.

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