Autozulieferer profitieren von EU-Regelungen

Im Gegensatz zu den Herstellern freuen sich die Autozulieferer über die Einführung der CO2-Grenzwerte: „Die Regularien der EU helfen uns sehr“

20.11.2013 APA

Gleich mehrere neue EU-Regelungen stellen die Autohersteller vor Herausforderungen: Ab 2015 dürfen in der EU verkaufte Neuwagen im Schnitt nicht mehr als 130 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstoßen. Der Durchschnitt bezieht sich auf die ganze Flotte eines Herstellers. Firmen, die darüber liegen, müssen zahlen. Der Grenzwert soll ab 2020 noch weiter auf 95 Gramm pro Kilometer sinken. Die Regel wird derzeit heftig diskutiert – insbesondere Deutschland, dessen Autoindustrie relativ viele Oberklasse-Modelle mit hohem CO2-Ausstoß im Angebot hat, stemmt sich gegen die Verschärfung. Doch auch in anderen Ländern macht die Branche Druck, um eine Abmilderung der Regeln zu erreichen.

Zulieferer profitieren von gestiegener Nachfrage nach leichteren Bauteilen

Im Gegensatz zu den Herstellern stehen die Zuliefererfirmen den Verschärfungen positiv gegenüber. „Die Regularien der EU helfen uns sehr“, sagt etwa Martin Hirzel, Konzernchef von Autoneum, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die Winterthurer Firma stellt unter anderem Teppiche und Innenraumisolierungen für Autos her. Hier lässt sich durch eine leichtere Bauweise einiges an Gewicht einsparen – das bedeutet weniger Benzinverbrauch und bringt den CO2-Austoß damit näher an die Obergrenze von 95 Gramm pro Kilometer. „Jedes Kilogramm, das wir einsparen, ist für einen Autohersteller Gold wert“, sagt Hirzel. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach leichteren Bauteilen, was auch der Industriekonzern Feintool bestätigt: „Ein wesentlicher Teil unseres zukünftigen Wachstums ist auf verschärfte CO2-Vorschriften zurückzuführen“, so Feintool-Sprecherin Karin Labhart. Der Konzern beliefert mehrere Hersteller mit Komponenten für eine neue Generation von Automatikgetrieben, deren leichtere Bauweise zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes von über 15 Prozent beitrage.

Leichtere Bauteile verringern CO2-Ausstoß

Auch bei Georg Fischer läuft das Geschäft mit Leichtbauteilen gut. Die Autozuliefersparte habe im laufenden Jahr mehrere „gewichtige Aufträge“ für Personen- und Lastwagen erhalten, so Mediensprecherin Heidi Elsenhuber. Das Schaffhauser Unternehmen beliefert unter anderem den deutschen VW-Konzern mit Radträgern für den Golf VII. Diese verringern das Gewicht des Kompaktwagens um 2,8 Kilogramm, wodurch der CO2-Ausstoß um 0,24 Gramm pro Kilometer sinkt.

Reduktion der Lärmemissionen auf 68 Dezibel

Die EU verlangt zudem von den Autoherstellern, die Lärmemissionen der Fahrzeuge zu reduzieren. Nach dem Willen von EU-Kommission und -Parlament soll die maximal erlaubte Lautstärke eines fahrenden Autos für die meisten Modelle auf von den heute erlaubten 74 auf 68 Dezibel abgesenkt werden. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, sind Motorkapselungen, die den Motor umschließen und ihn so isolieren. Seit kurzem fertigt Autoneum Motorkapselungen aus Faser-Schaum-Lösungen für einen deutschen Premiumhersteller. Diese senken den Geräuschpegel der Autos laut Autoneum um bis zu 4 Dezibel und sorgen zudem dafür, dass die Wärme nach dem Abschalten länger im Motor bleibt. Durch die höhere Motoröltemperatur reduziert sich die innere Reibung des Motors, wenn er einige Stunden später wieder gestartet wird, was wiederum den CO2-Ausstoß reduziert.

Neue EU-Regelungen nutzen vor allem Schweizer Firmen mit hohem Know-How

„Die tieferen CO2-Grenzwerte nützen den Autozulieferern“, sagt Armin Rechberger, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Schweizer Firmen profitierten dabei überdurchschnittlich, weil sie im Allgemeinen über hohes spezifisches Know-how verfügten, wie das Gewicht der Teile reduziert werden kann – im Unterschied etwa zu billigeren Anbietern aus China. In der Schweiz selbst gilt ab 2015 – wie in der EU – ein Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer. Wenn die EU die Obergrenze auf 95 Gramm absenkt, muss der Bund entscheiden, ob er diesen Wert übernehmen will. Rechberger geht davon aus, dass die Schweiz mitziehen wird. Der Schweizer Markt ist für die Autohersteller – und damit auch für die Zulieferer – aber ohnehin von geringer Bedeutung.

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