Audi TT-RS MTM, BMW M6 Cabrio, Corvette Z06, Jaguar XKR-S, McLaren MP4-12C, Mercedes C63 AMG Coupé Black Series, Mercedes SL500, Nissan GT-R, Porsche 911 Carrera S Cabrio, Porsche Boxster S
Prinzipiell darf es für Schweizerimmer ein bisserl mehr sein.
 

Ein Gemütszustand

Von Hamburgern, Käsekrainer, Bier und jeder Menge PS.

28.11.2012 User

Der Hamburger war schuld. Es war ein miserabler Hamburger. Nein, stimmt nicht, der Hamburger war so, wie man ihn in der slowakischen Pampa in einem Restaurant auf einer Rennstrecke erwarten darf. Ein Stück brauner Karton (Fleisch) zwischen zwei Stücken weißen Kartons (Brot), auch noch etwas schlappegrüne Wiese (Salat?); dazu gereicht wurde Dachpappe (Pommes Frites). Dieser Müll musste natürlich weggespült werden, mit zwei, vier Bier, und als es dann zur Abstimmung kam, da dachten einige an den Hamburger.

Hamburger = Amerika. Also hatten alle Autos, die bei diesem Supertest, Ausgabe 2012, aus Amerika stammten, eigentlich keine Chance. Denn der Magen (sowie die Blase) ist manchen Menschen näher denn das Herz. Dass es die Corvette bei der Wahl zum „Sieger“ dieses Vergleichs gegen den McLaren in die zweite Runde schaffte und dort dann wegen einer lächerlichen, sicher besoffenen Stimme verlor, das zeigt klar auf, wer hätte gewinnen müssen. ätte es Pizza gegeben oder Lamm an Pfefferminzsauce, dann hätte der wahre, der verdiente Sieger auch gewonnen. Die Corvette. Nicht der McLaren.

Doch beginnen wir von vorne, wie alle Jahre wieder. Wie alle Jahre wieder, Supertest der österreichischen Autorevue, Ausgabe 2012, heuer mit folgenden Protagonisten: Audi TT-RS MTM, BMW M6 Cabrio, Corvette Z06, Jaguar XKR-S, McLaren MP4-12C, Mercedes C63 AMG Coupé Black Series, Mercedes SL500, Nissan GT-R, Porsche 911 Carrera S Cabrio, Porsche Boxster S. Und um auf allfällige dumme Fragen gleich zu antworten: nein, kein Ferrari, die Italiener geben die F12 Berlinetta noch nicht raus.

„Supertest“ ist eine Geisteshaltung. Oder vielleicht besser: ein Gemütszustand. Da treffen an einigen schönen Sommertagen die Crew der Autorevue, ein Foto-Team und einige Freunde des Hauses – sorry, dass ich als Westler die austriakischen Comedians nicht kenne – auf ein paar Tausend PS (Anm.: die Herren heißen Christian Clerici, Alex Kristan und Rudi Roubinek). Eine Sammlung der dümmsten Sprüche und sonstigen Nettigkeiten würde ein wunderbares Buch ergeben, eine Sammlung der Verkehrsvergehen würde mehrbändig und den österreichischen Staatshaushalt sanieren, heuer gab es auch noch Cheerleader und einen Helikopter und lauwarmes Bier.

Und eine Fähre und einen Flughafen und den ganz neuen Slowakei-Ring, wo Ex-F1-Fahrer Karl Wendlinger die schnellen Runden drehte. Einen Handling-Test hätte es eigentlich auch gegeben, doch Raphael Sperrer fuhr keine zwei Runden gleich, deshalb sind die Resultate nicht wirklich aussagekräftig. Sperrer, sonst ein ganz böser Angaser, ließ sich zu sehr von den Cheerleaders ablenken. Oder den verkohlten Würsten auf dem Grill. Oder von sich selber.

Das Spiel ist jedes Jahr gleich: mach den Photographen glücklich, dann ist alles gut. Andreas Riedmann ist sowieso der Einzige, der in diesem Chaos den Überblick behält; heuer hatte er noch zwei Assistentinnen mit dabei, was der Stimmung nicht abträglich war. Andi arbeitet wie ein Vieh, ist nie zufrieden, und man könnte Museen füllen mit seinen besten Bildern. Aber wenn man lieb fragt, ob man vielleicht dieses oder jenes Auto für ein Stündlein oder so haben könne, dann kriegt man es auch. Oder auch nicht. Wie immer: es ist alles Taktik, man muss einen Plan haben, und auch einen Plan B, und dann kann man die Kisten auch so fahren, wo und wie man will. Natürlich interessierte mich der McLaren auch, doch auf den längeren Überführungsetappen, etwa die zwei Stunden über Landstrassen hin zum Slowakei-Ring, da nimmt dann besser etwas fürs Herz. Bei mir war es die Corvette. Und ich nahm mir dann auch noch das Heck des x-fachen österreichischen Rallye-Staatsmeisters Sperrer, der die (zumindest diese) Strecke kennt und den Nissan flog, und der Rest ist Schweigen. Bloss noch dies: Geil wars. Supi. Danke.

Genau das meine ich mit: Gemütszustand. Der «Supertest» ist eine der seltenen Möglichkeiten, richtigrichtig schnelle Autos auch entsprechend zu bewegen. Das sind drei, vier Tage: hart am Limit. Manchmal auch darüber hinaus. Vom Morgengrauen bis zum Grauen, das uns befällt, wenn wir dann die Reifen (again: Corvette…) anschauen. Die wahre, die ganz große Lust am Autofahren.

Fuck all die Krisen, Griechenland, Euro – wir leben dann in unserem eigenen, kleinen Universum, mit der Rennstrecke als Höhepunkt. Danach kam dann nur noch der Hamburger. Und dünnes Bier. Und eine weitere kurze Nacht.

Die diesjährige Berichterstattung zum «Supertest» möchte ich ganz klassisch aufbauen. Zuerst alle Autos in alphabethischer Reihenfolge. Und dann das Urteil. Wobei ja schon klar geworden ist, dass ich nicht den McLaren, sondern die Corvette zu meinem ganz privaten Gewinner erkoren habe. Aber auch das bedarf ja einer Erklärung. Die fällt, wie immer bei uns, länglich aus.

Ich möchte mich herzlich bei der Autorevue» bedanken, die mir bereits zum, äh, war es zum vierten Mal die Gelegenheit gab, am „Supertest“ teilzunehmen. Coole Truppe, feine Menschen. Und sowieso, das beste Auto-Magazin überhaupt.

Und die Kollegen aus der Schweiz haben natürlich zu jedem Kandidaten einen Fahrbericht verfasst, der hier nachgelesen werden kann: www.radical-mag.com Das Fazit kann ja dann mit dem unsrigen im Premium-Heft verglichen werden.

In diesem Jahr ist der Supertest-Film übrigens ein Zweiteiler:

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