Paris 2010 Susanne Messe Hostessen
Antoine *), 28, Jurastudent (Freundschaftsfrage anhängig)
 

Paris Beauties

Die Gerechtigkeit zeigt ihr schönes Gesicht: Die Autoindustrie hat den Mann entdeckt.

04.10.2010 Autorevue Magazin

Jetzt ist es passiert und alles wird gut. Merkt euch diesen Tag, denn ihr werdet dereinst gefragt werden, wo ihr ward, als in Paris der große Paradigmenwechsel in der Welt der Autos erstmals sein schönes Gesicht zeigte.

Neben dem Citroen DS4 lehnt ein wunderbares Geschöpf. Jung, hübsch, dunkelhaarig, geschmackvoll gekleidet, Jeans, nicht allzu eng, schwarze Boots, unterm dunklen Jacket ein weißes Hemd mit über den Ärmelsaum aufgeschlagenen Manschetten. Eine Wohltat für das Auge …. – so, jetzt wird der Gerechtigkeit genüge getan – … einer Frau: Denn das hier ist ein Mann, und was für einer.

Und Monsieur DS4 ist keine Einzelerscheinung auf der Messe in Paris. Am Citroen-Modell daneben lehnt noch einer, gemeinsam mit einer Frau diesmal, und ein paar Designstudien weiter hat sich ein besonders hübscher Bursche mit wuscheliger Afrofrisur unter einen Schwarm Mädchen gemischt. Es ist unübersehbar: Wo bisher stets nur elfengleiche weibliche Geschöpfe mit sehr langen Haaren, sehr hohen Absätzen und sehr langen Beinen standen, an ein Auto gelehnt, als menschliche Beigabe zu einer glänzenden Maschine, als optischer Aufputz, zum Wohlgefallen der Betrachter, hält die Gleichberechtigung Einzug.

Einmal aufmerksam geworden auf diesen Shift in der Matrix des menschlichen Messe-Erscheiungsbild fällt mir auf, dass überhaupt etwas anders ist hier in Paris. Unter den dienstbaren Geistern an den Messenständen sind auffallend viele höchst wohlgestalte männliche Wesen, etwa in engen langärmligen weißen T-Shirts (Citroen) oder im grauen Anzug (VW). Wie frisch aus dem Fitness-Studio die einen (an denen bleibt der Blick besonders gerne hängen), andere völlig lässig die kleinen Webfehler einer nachhaltig guten Charaktererscheinung tragend (mit denen kommt man auch gerne ins Gespräch).

Und auch unter den männlichen Besuchern scheint ein neuer Hang zum gepflegten Aussehen, zur sorgfältig gewählten Erscheinung, zum neuen Selbstbewusstsein ausgebrochen zu sein. Das ist fein anzusehen. Wohltuend. Balsam auf der Seele. Kann so bleiben. Das könnte für die Automessen dieser Welt (wenn denn das Phänomen um sich gleichen würde, was noch zu beweisen wäre) neue Attraktivität geben. Für Frauen. Die dann auf einen Salon gehen, um Männer zu schauen, die Autos schauen. Ein ganz neuer Aspekt ist das.

*) Namen geändert (Die Redakteurin kennt alle beim richtigen Namen und hat auch die Telefonnummern)

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  • "Die Redakteurin kennt alle beim richtigen Namen und hat auch die Telefonnummern"

    Glaubt sie zumindest, die Redakteurin.
    :-)

  • Apostel

    Also, wenn einer mit 28 noch Jus studiert, dann kann ich mir schon vorstellen, was für einer das ist – der ist doch nur auf knackige Redakteurinnen aus, die ihn an den Manschetten vom Messestand zerren, um mit ihm bei ihren Freundinnen anzugeben. Vorsicht, Vorsicht – der will mindestens einen DS4 dafür, wenn nicht gar einen X3 (kenne das von der anderen Seite).

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