Produktionsband im Magna-Werk 2009
Die europäischen Märkte schwächeln. China, USA und Brasilien mit Zugewinnen
 

Europäischer Automarkt schreibt historisches Tief

Absatzzahlen: schlechtester Mai seit 20 Jahren

19.06.2013 APA

 

Der ohnehin schwächelnde europäische Automarkt hat im Mai 2013 noch weiter an Boden verloren. Nach dem leichten Hoffnungsschimmer im Vormonat sackten die Pkw-Neuanmeldungen auf den niedrigsten Stand in einem Monat Mai seit 20 Jahren. Als einziger großer Markt konnte sich erneut Großbritannien dem Abwärtssog entziehen – hier stieg der Absatz um elf Prozent. Nach Daten des Herstellerverbandes ACEA vom Dienstag kamen im vergangenen Monat in den 27 EU-Staaten und den drei EFTA-Ländern Schweiz, Island und Norwegen rund 1,1 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen, 5,9 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Pkw-Neuzulassungen im Mai 2013 (im Vergleich zu Mai 2012) in Prozent

 

Großbritannien +11,0

Spanien -2,6

Italien -8,0

Deutschland -9,9

Frankreich -10,4

Österreich -10,2

 

Keine Besserung in Sicht

Die Pkw-Märkte in Europa befinden sich seit langem im freien Fall. 2012 war mit zwölf Millionen verkauften Fahrzeugen das schlechteste Autojahr seit 1995. Vor allem im schuldengeplagten Süden des Kontinents kaufen die Menschen wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der düsteren wirtschaftlichen Aussichten kaum neue Autos. Zu Beginn des laufenden Jahres hatten die Neuzulassungen mit unter eine Million bereits das niedrigste Niveau seit Beginn der ACEA-Aufzeichnungen im Jahr 1990 markiert – und eine Besserung zeichnet sich nach den jüngsten Daten nicht ab.

Anstieg von schlecht ausgelasteten Automobilwerken

Experten rechnen mit einer längeren Phase der Stagnation. „Unsere Prognosen zeigen, dass die westeuropäischen Autoverkäufe 2014 ein Niveau von zwölf Millionen Fahrzeugen erreichen und dort auf absehbare Zeit verharren werden“, schrieb die Unternehmensberatung AlixPartners in einer Studie. Die Zahl der schlecht ausgelasteten Automobilwerke sei in alarmierendem Tempo gestiegen. Arbeiteten im Jahr 2011 noch 40 Prozent der Top-100-Werke unterhalb einer Auslastung von drei Vierteln, werde der Anteil 2013 voraussichtlich auf 58 Prozent klettern. In der Branche gilt eine Auslastung von 70 bis 80 Prozent als notwendig, um Gewinn zu machen. Zehn bis zwölf Fabriken müssten nach Berechnungen der Alix-Berater in den nächsten Jahren in Europa geschlossen werden, um die Produktion an die niedrigeren Absatzerwartungen anzupassen.

Peugeot/Citroen, Fiat und Renault mit Einbußen über 10%

Unter den großen Herstellern verbuchte der angeschlagene französische Peugeot-Citroen-Konzern den ACEA-Zahlen zufolge im Mai mit minus 13,3 Prozent den schärfsten Rückgang, gefolgt von Fiat mit minus 11 Prozent und Renault mit minus 10 Prozent. Marktführer Volkswagen kam mit einem blauen Auge davon: Während die Hauptmarke VW sieben Prozent weniger verkaufte als vor einem Jahr, hielt sich der Rückgang bei Audi mit minus 3,9 Prozent erneut in Grenzen. Die lange schwächelnde spanische Marke Seat legte sogar um fast 13 Prozent zu. Insgesamt sanken die Neuzulassungen des Wolfsburger Konzerns im vergangenen Monat um 2,8 Prozent.

Daimler im Plus, Mercedes-Benz im Minus

Bei den Premiumautobauern schlug sich Daimler am besten. Die Neuzulassungen der Stuttgarter Oberklassemarke Mercedes-Benz stiegen um 2,6 Prozent, während der Münchner Rivale BMW 7,3 Prozent einbüßte.

Rückgang bei Opel und Vauxhall

Auch bei Opel und Vauxhall setzte sich der Abwärtstrend bei den Neuzulassungen fort: minus 8,4 Prozent. Nach fünf Monaten verharrte der Marktanteil der GM -Tochter auf dem Tiefstand von 6,7 Prozent. Rivale Ford konnte den Absatz im Mai fast stabil halten, büßte seit Jahresbeginn aber Marktanteile ein.

Zuwächse in China, USA und Brasilien

Während in Europa kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, konnten sich die Automanager über Zuwächse in Übersee freuen. Auf dem weltgrößten Pkw-Markt in China legten die Pkw-Verkäufe im Mai um 14,4 Prozent zu, in den USA rollten acht Prozent mehr Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zu den Käufern. China bleibe trotz der jüngsten Konjunkturabkühlung der globale Wachstumsmotor der Branche, schrieb AlixPartners. In Brasilien wurden nach Daten des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA) fast zehn Prozent mehr Autos verkauft als vor Jahresfrist. Dagegen schrumpften die Neuzulassungen in Russland um zwölf Prozent.

 

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