© Bild: Barbara Gindl / APA / picturedesk.com
Immer mehr Autohersteller entwickeln Konzepte für den Online-Vertrieb.
 

Autohandel verlagert sich ins Internet – Druck auf Hersteller steigt

Immer mehr Autos werden im Internet gekauft – sowohl Gebraucht- als auch Neuwagen. Durch die Verlagerung ins Netz kommen große Veränderungen auf die Autobranche zu, so Experten.

02.12.2013 APA

Autokauf im Internet wird immer beliebter – vor allem bei Gebrauchtwägen wächst die Beliebtheit von Online-Portalen, aber auch Neuwagenkäufer informieren sich im Netz. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen geht davon aus, dass über diesen Kanal derzeit bereits 40.000 Neuwagen pro Jahr online verkauft werden – mit steigender Tendenz.

Hersteller folgen Kunden ins Internet

Die Hersteller wollen beim Gang ins Internet natürlich nicht zurückbleiben. Audi hat mit der Audi City einen digitalen Showroom entworfen, wo Kunden ihr Auto an Bildschirmen konfigurieren können. BMW verkauft sein Elektroauto i3 online – mit Hilfe von Vertragshändlern, die als Agenten auftreten. Daimler kündigte am Montag an, mit einem eigenen Online-Shop in den Internet-Handel mit Neuwagen einzusteigen.

Druck auf Händler steigt

Doch je mehr die Käufer ins Netz ziehen, desto größer wird der Druck auf die Autohändler: „Wenn der Online-Handel zunimmt, funktioniert das klassische Vertriebssystem betriebswirtschaftlich nicht mehr“, sagt Antje Woltermann, Geschäftsführerin beim Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). „Aus Handelssicht ist es ein großes Problem, wenn der Kunde die Kanäle wechselt und am Ende eben doch nicht beim Händler kauft.“ Und selbst wenn der Kauf schließlich im Autohaus erfolgt, sinkt durch den Zugriff auf verschiedene Kanäle die Kundenbindung und damit die Chance, dass der Käufer sich auch für Reparaturen und Inspektionen an den Händler wendet. Dabei werfe das Dienstleistungsgeschäft weitaus höhere Margen ab als der reine Autoverkauf.

Autohandel steht großen Veränderungen gegenüber

Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young glaubt, dass sich der Autohandel auf weitaus größere Veränderungen einstellen muss. „Dabei geht es nicht nur um neue Online-Vertriebsformen, die Händler werden vielmehr zusätzlich zum Auto Mobilitätsdienstleistungen wie beispielsweise Carsharing anbieten“, sagt er. Die deutschen Hersteller müssten in ihre Vertriebssysteme in den nächsten Jahren mehrere 100 Millionen Euro investieren.

„Am Ende kauft der Kunde schon auch da, wo es menschelt“

Burkhardt Weller, Geschäftsführer der Wellergruppe aus Berlin, einer der größten Autohändler Deutschlands, sieht den Veränderungen in seiner Branche gelassen entgegen: „Ich habe nicht den Eindruck, dass uns das Netz ruiniert“, sagt er. Im Gebrauchtwagenhandel habe das Internet geholfen. „Bei Neuwagen kriegen wir das auch hin“, sagt er. „Am Ende kauft der Kunde schon auch da, wo es menschelt.“

Mehr zum Thema
pixel