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Verkehrsberuhigung oder autofreie Wiener Ringstraße?

Dieser Tage feiert die Wiener Ringstraße ihren 150. Geburtstag. Die Wiener Grünen setzten sich – ähnlich wie bei der Mariahilfer Straße – für eine Verkehrsberuhigung ein.

28.04.2015 APA

Als am 1. Mai 1865 Kaiser Franz Joseph die Wiener Ringstraße eröffnete, stellte sich nicht die Frage ob die 5,2 km lange Strecke künftig verkehrsberuhigt oder gar autofrei sein soll. 150 Jahre später stellt sich Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) genau dieser. Sie will den Corso in den kommenden Jahren Schritt für Schritt neu gestalten und damit auch verkehrsberuhigen. Parkplätze und Nebenfahrbahnen könnten etwa großzügigen Fußgängerarealen weichen, skizzierte sie am Dienstag in einer Pressekonferenz.

Visionen für die Wiener Ringstraße

Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Stattdessen hat die Ressortchefin zwei internationale Planungsbüros – Gehl Architects aus Kopenhagen und Barcelona Regional – beauftragt, Visionen für den Ring auszuarbeiten: „Wir haben gefragt, wie diese Straße in zehn oder 15 Jahren aussehen könnte.“ Die heute präsentierten Vorschläge sieht Vassilakou als Inspiration und Input, um eine breite Debatte anzustoßen und darauffolgend tatsächliche Umsetzungskonzepte auszutüfteln.

Status quo und wohin es gehen soll

Was den Status quo betrifft, sind sich Henriette Vamberg (Gehl Architects) und Marc Montilleo (Barcelona Regional) generell einig. Der Ring sei vorrangig eine lärmumtoste Verkehrsader und mühsames Pflaster für Fußgänger und Radfahrer. Die zahlreichen Monumentalbauten seien umgeben von wenig glanzvollen Parkplätzen, Asphaltflächen und Nebenfahrstreifen. Beide Planungsexperten plädieren für mehr Flanierqualität, großzügigere Verweilareale, weniger Autos und eine Homogenisierung des derzeitig stark parzellierten Nutzungs-Wirrwarrs.

Ungenutztes Potenzial

Die Idee aus Kopenhagen will vor allem an den Rändern des fast 60 Meter breiten Rings ansetzen. „Zwei Drittel der Breite liegen außerhalb des eigentlichen Verkehrsbereichs“, verwies Vamberg auf das Potenzial. Derzeit seien diese Abschnitte allerdings durch Parkspuren, Schilderwälder, Nebenfahrbahnen und Rad- bzw. Fußgängerstreifen verbaut. Gehl Architects schlägt die Aufhebung dieser strikten Trennungen vor, um stattdessen ebene gepflasterte Flächen – vor allem rund um imposante Gebäude wie Uni, Oper oder Burgtheater – zu schaffen, die als Mischzonen für Fußgänger und Radfahrer dienen. Die mittigen Fahrspuren könnten prinzipiell belassen werden, wobei der Autoverkehr reduziert werden müsse – beispielsweise dadurch, dass der Ring nicht mehr als Durchzugsstraße genutzt werden kann.

ringstrasse
© Bild: Der Entwurf von Gehl Architects aus Kopenhagen. / APA/GEHL ARCHITECTS

Autofreier Ring?

Die spanischen Kollegen gehen noch einen Schritt weiter. Sie plädieren für die gänzliche Verbannung der Autos – mit Ausnahmen beispielsweise für den Lieferverkehr – und eine Verlagerung der Straßenbahngleise in die Mitte des Boulevards. Der Rest soll gewissermaßen als riesige Fußgängerzone mit Raderlaubnis, Sitzinseln und Piazzas ausgestaltet werden, erklärte Montilleo. Damit könnten die wichtigen Institutionen am Ring eine Art Portal erhalten.

Die Diskussion ist eröffnet

Vassilakou meinte, dass beide Konzepte den Vorteil hätten, modular und in verschiedenen Ausbaustufen umgesetzt werden zu können. Sie will nun auf Basis der beiden Visionen, die auch online unter abrufbar sind, eine „systematisch aufgesetzte Diskussion“ mit allen beteiligten Institutionen bzw. Betroffenen anstoßen. Umsetzungspläne könnten – sofern Rot-Grün nach der Wahl im Herbst weiterregiert – bis zur Halbzeit der kommenden Legislaturperiode stehen, erste Neugestaltungsschritte unmittelbar darauf folgen, nannte sie das Areal rund um die Universität und das Burgtheater als Beispiele. Letzteres sei ein gutes Beispiel, „wie nachlässig wir mit öffentlichem Raum rund um bedeutende Gebäude umgeben“. Die Burg sei umgeben „von einem mäßig dekorativen Parkplatz, einer Tankstelle und viel sanierungsbedürftigem Asphalt“.

Vassilakou über einen autofreien Ring

Die Vision eines autofreien Rings hält die Grün-Politikerin für „interessant“. Aber sie kann sich auch eine Verkehrsberuhigung vorstellen, bei der die Autos auf der Prachtstraße bleiben dürfen. Das größte Raumpotenzial gebe es sowieso links und rechts der Fahrspuren.

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  • Gerhard

    Ich wundere mich über soviel negative Emotionen in den Kommentaren. Wenn die Stadt weiter so wächst, wie sie es tut und auch der Tourismus weiter zunimmt, muss wohl der Individualverkehr in der Innenstadt überdacht werden. Ich fände eine verkehrsberuhigte Ringstraße wunderbar und kann gerne darauf verzichten, mit dem eigenen Fahrzeug in die Innenstadt zu fahren.

    • Phoenix

      Und so wie Sie haben alle anderen auch zu denken, oder wie? Typisch Grün…

  • Miniermotte

    Icn würde die Ringstraße zur Tempo 70 Zone umfunktionieren und jeder Autofahrer, der nachweislich Reifengummi beim Ampelstart auf der Prachtstraße sichtbar hinterlässt erhält vom zukünftigen Verkehrsstadtrat (wahrscheinlich aus dem Fundus der blau-schwarzen, KFZ freundlichen Politlandschaft) einen Bonuspunkt, der ihm pro Punkt 20 Minuten gratis Parken in der Kurzparkzone im ersten Bezirk ermöglicht. Bonuspunkte könnte es auch geben für niedergeführte Radfahrer oder Fußgänger, die die Autofahrer nachweislich behindert haben, weil sie es gewagt haben, die Ringstraße zu überqueren.
    Geld für den Umbau der Ringstraße zu einer Touristen- und Wiener- Flanier- und Prachtstraße können wir uns ersparen, weil das brauchen wir sowieso für die permanente Sanierung der Tangente, wo man an sich 80 fahren dürfte aber leider nur durchschnittlich 28 km/h fahren kann. Das ist ein Beispiel für eine optimal funktionierende 30er Zone ohne Extra Beschilderung.

  • Rennie

    Genau, es gibt besoners viele Parks entlang der Ringstraße… ein größerer Schildbürgerstreich ist mir noch nicht untergekommen!! Frau V. kann wohl nie genug bekommen, solange sie ihr Dienstfahrzeug zur Verfügung hat! Die einzige Gefahr auf der Ringstraße geht von den undisziplinierten Radfahren aus, für die Fußgänger – und zwar besonders für solche, die berufsbedingt unterwegs sind und keine Zeit zum Flanieren oder Joggen haben! Schade, dass die Grünen zur Radfahrerlobby verkommen sind! Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen, auch aus gesundheitlichen, nicht mit dem Rad fahren können bzw. dürfen, sind anscheinend Menschen zweiter Klasse….

  • Teki

    Es gibt genug Platz zum Spielen und Herumtollen in den umliegenden Parks, man kann auch „Raum“ schaffen, ohne auch nur eine Spur am Ring zu entfernen, da bin ich mir sicher, ein paar Parkplätze kann man sicher opfern, wenn die eine oder andere (eventuell sogar fast kostenlose oder sehr kostengünstige) Parkgarage geschaffen wird.
    Wenn das Auto so lärmt und stinkt, dann sollte man vielleicht daran denken, die E-Mobilität zu fördern und etwa ab 2020 nur mehr EVs in die Innere Stadt fahren lassen. Das Auto ist nicht böse.
    Alle Fans der autolosen Stadt mögen sich Wohnungen in der autofreien Seestadt Aspern kaufen oder mieten und dort auch wirklich autolos leben – aber dort soll es ja schon mächtig Probleme mit fehlenden Parkplätzen geben, wie skuril :)

    • Rennie

      Sehr richtig, Teki!!

  • Gründer

    Einfach hat ers wirklich, der kleingeistige Wutfahrer. Der Verstand so eng wie die Spurzusammenführung auf der Süd-Ost Tangente und so langsam wie der Verkehr am Ring zur rushour. Die Wirtschaft die Sie meinen hat Ihnen wohl zu viele Spritzer serviert, die Wirtschaft in der ich Arbeit bekommt Ihren Schwung und Erfolg durch Investition in die Zukunft und Mut zur Veränderung.
    Dann gibts auch ein paar Grüne Scheine in der Staatskasse mehr und stopft schwarzen Löcher die Ihresgleichen mit der ewiggestrigen Veränderungsunfähigkeit da hineingerissen haben.
    Also einfach weiter mit Genuß ins Lenkradl beißen bis die Schlagader platzt und weiterhin am rechten Rand stecken bleiben währen die Welt auf der linken Überholspur vorbeizieht.

    • EinfachIch

      Was immer Sie veranlasst, sich „Gründer“ zu nennen; Begründung ist jedenfalls nicht gemeint – und „gründen“..aber lassen wir das.
      Nun: tatsächlich fahre ich in der Stadt seit Jahren nicht mit dem Auto. Einfach, weil ich kein Geld in die maroden Gemeindesäckel für irgendwelche linke Wahnprojekte a la Mahü (warum mit „ü“? Spricht man im Griechischen Mariahilf als Ma Hü aus?) schaufeln will, wenn es sich vermeiden läßt. Auch kaufe ich prinzipiell in Wien nicht mehr ein, ist es ja politisch doch gar nicht gewünscht, dass die kleinen Gewerbetreibenden a la longue überleben (siehe Geschäftssterben, siehe Parkpickerl und die Not der Elektriker, Installateure und Autowerkstätten, etc. damit).
      Ergo bin ich in Wien, solange ich muß – einer Freiheitstrafe gleich bin ich gezwungen hier zu arbeiten. In dieser von ewiggestrigen Kleingeistern dominierten, diesen den aus zumindest dem 19. Jahrhundert stammenden Wahnideen folgenden Politapparatschiks, die ja mehr aus Bosheit als aus Intelligenz re- und agieren. Der Totalitarismus aber hat Sie als Person wie weiland 1938 offensichtlich auch schon umgarnt. Und Sie zum gedankenlosen Stiefellecker und Jasager des herrschenden Systems gemacht!? Da kommt Kritik natürlich sehr ungelegen….
      Übrigens: Ein neuzeitliches Beispiel der linken Skurrilität gefällig? Der Kreisky und seine Handlanger hatten einst das Rauchen in den Schulen eingeführt. Heute tun die Sozis so als gäbe es nicht Schlimmeres als das Rauchen. Wer hat’s erfunden und Generationen der Sucht zugeführt? Na? Fällt der Groschen? Sehen Sie: im Verdrängen sind die Linken nicht besser als die Rechten. Das gilt im Kleinen, wie im Großen!

  • EinfachIch

    Ergänzung: Den linkslinks gelebten Schwachsinn hat man bei der EURO 2008 leben können! Kein Mensch war tagsüber auf der Ringstraße, aber dafür war sie gesperrt. Vermutlich haben die Linken beim Rathaus runtergeschaut und sanft onaniert… Erst recht, als es sich rundherum verkehrstechnisch abgespielt hat, weil es (noch) ein paar Menschen gibt, die einer Arbeit nachgehen und Steuern zahlen!
    Wirtschaft? Was ist Wirtschaft`? Die Linken leben doch von Steuern!

  • EinfachIch

    Die linksextreme Splitterpartei, die grad einmal 11 Prozent Wählerstimmen hat, darf – dank des gelebten Sozialismus ganz in Feudalherrenschaft linker Diktaturen tun und lassen was sie will. Also werden die Arbeitslosen in Wien weiter steigen, noch mehr Geld verpraßt werden und natürlich noch mehr ideologisch ausgeführte Bosheiten platziert werden.
    PS: Um sich bei den 11 Prozent Wählern reinzuschleimen hat ja die Linksaußen-Dingsbums jetzt mediengerecht das Handtuch geworfen. Um nicht der Unredlichkeit überführt zu werden, die sie begangen hat – all die Jahre!
    PPS: die Idee: Den C. Kornherr wird’s vermutlich freuen

  • ChV

    Ja, bringt nur die Stadt völlig um. Glaubt ihr wirklich, daß ein Disneyland-ähnliches Wien noch wirtschaftlich lebensfähig ist? Eine Stadt ohne kompletten Verkehr, incl. Individualverkehr, ist eine tote Stadt.
    Die Herausforderung ist, daß man in einer Stadt überall mit dem Auto hinfahren kann, es aber nicht muß, und das Service so gut ist, daß man die Wahl gut überlegt. Aber nicht mittels eines faschistoiden Verbotsdschungels.
    Mann kann übrigens nicht oft genug sagen, daß die sogennante Verkehrs-„Beruhigung“ nur chaos und Unruhe erzeugt, zumindest bis eh keiner mehr hinwill. Und bei dem so modischen Tempo 30 steigen nur Verbrauch und damit die Emissionen.
    Entschleunigung ist einer Weltstadt widernatürlich, dadurch wird sie zum Pensionistendorf. Siehe Wirtschaftsdaten.

    • Teki

      Ja, man müsste eher nun langsam auf die Barrikaden steigen und viele nervige, sinnlose Tempo-30-Zonen endlich zurücknehmen. Man baut ja bald einen Unfall, weil man ständig schaut ob man schon steht oder doch schon 40 rast – eine Katastrophe und Verarschung!

    • Robert W. Pabisch

      Auf den Punkt gebracht, danke!!

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