Demokratisierte 1964 den Speed.
 

Luxus in den USA

Langsam fahren kann ich auch mit einem Pick-up. Ich muss es mir nur leisten können.

29.04.2013 Online Redaktion

Wahrer Reichtum ist nicht, mit seinen Lamborghini Tempo 300 zu fahren, sondern die Stadt absperren lassen zu können, um mit seinem VW Jetta zu tun, was man will. Cruisen und spinnen, quietschen und rauchen, auf der Rücksitzbank mit der Freundin knutschen. Das ist Reichtum.

Gott sei Dank hat in Amerika kaum ein Mensch so gute Beziehungen. Wir kämen gar nicht mehr in unsere Wohnungen vor lauter Leute die im Jetta knutschen.

Wer in Europa mit seiner Luxuslimousine seine Initialen in die linke Spur brennt, dem begegne ich mit gewissen Vorurteilen. Ich denke erstens, dass er nicht genug Geld hat, um sich einen Sportwagen leisten zu können und zweitens nicht wichtig genug ist, um sich eine Verspätung von drei Minuten zu erlauben. 

Autofahren in den USA

In den USA haben wir den Sportwagen mit der Musclecar-Ära demokratisiert. Speed ist bei uns kein Luxus, sondern ein Grundrecht, das sich fast jeder Autofan leisten kann. Wer schnell fahren will tut das. Und zwar dort, wo er andere Leute nicht stört. In der Wüste. Auf der Rennstrecke. Oder auf Rennstrecken in Wüsten. Europäer können das nicht, das ist mir klar. Ich weiß, was auf dem Kontinent eine Chevrolet Corvette, oder meinetwegen ein Porsche 911 kostet und wie weit Wüsten von Wien entfernt liegen.

Wenn jeder Speed haben kann, ist er nichts Besonderes mehr.

Wenn jeder Speed haben kann, ist er nichts Besonderes mehr.

Zeit ist unser Luxus. Und Luxus ist unser Luxus. Soll heißen Leder, Soundanlage, Sofasitze und dann von New York über New Bedford nach Cap Cod. Anschließend nach Wolfboro, weil noch Luxus übrig ist.

Autofahren als Erziehungsfrage

Amerikaner und Europäer werden außerdem anders erzogen. Der 16. Geburtstag ist bei uns nur deswegen eine so große Angelegenheit, weil man in diesem Alter endlich Auto fahren darf. Der kleine Luxus für den kleinen Erwachsenen. Sweet Sixteen steht und fällt mit dem Auto. Bar Mitzwa und Kommunion können da nicht mithalten, die haben keinen V8.

„Sue, sweetie, du bist jetzt 16, hier ist dein Ford F150.“
„Wow, mit Ledersitzen und IPod-Anschluss.“
„Du kannst fahren wohin du willst, ich vertraue dir… aber wenn du die linke Spur nimmst, erschieße ich deinen Boyfriend.“

Wenn Sue in Florida lebt, hat sie 100 Dollar und 45 Minuten gebraucht um den Führerschein zu bekommen – falls die Schlange vor dem Schalter etwas länger war. Sue kann nur Automatik fahren und nur vorwärts einparken (wenn überhaupt). In Österreich und Europa ist das anders. Die meisten Fahranfänger würden nach ihrer monatelangen Ausbildung Kreise um amerikanische Vorstadtfahrer ziehen. Dass die sich mit Tempo 110 auf einer Autobahn langweilen, sehe ich ein.

Sollte Sue jemals einen Lamborghini kaufen, aber die Stadt nicht absperren können dann god bless america.

 

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  • bebop

    Hank, du hast ja so recht. Still remember the times, als ich in einem Mercury Cougar durch L. A. cruiste

  • Stefan

    Ich liebe und praktiziere die amerikanische Fahrweise auch hier in Europa. Hektik und Kleinwagen sind für die anderen…

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