Italienische Mautstationen auf der Autobahn
Die Autoindustrie drängt auf eine Reduktion der Mautpreise.
 

Italien leidet unter Maut-Rückgang

Italien hat noch immer mit der Krise auf ihrem Automarkt zu kämpfen. So wurde im vergangenen Jahr auf den Autobahnen ein Verkehrsrückgang von 7,2 Prozent verzeichnet, 2013 ist keine Besserung in Sicht.

28.11.2013 APA

Fährt man nach Italien, zahlt man Autobahnmaut und zwar nicht – wie in Österreich oder der Schweiz – einmal, sondern abhängig von den gefahrenen Kilometern. So fallen für die Strecke Brenner bis Rom und zurück durchschnittlich 88 Euro an, soweit nichts Neues. Derzeit leidet Italien unter einem deutlichen Rückgang des Autobahnverkehrs und die Autoindustrie drängt auf eine Reduktion der Mautpreise.

Mautgebühren erhöht

Die italienischen Behörden haben im Jänner 2013, die Mautgebühr auf fast allen Autobahnen angehoben. Die neuen Tarife sind durchschnittlich um 2,94 Prozent höher als noch 2012. Für Pkw (Kat. A) bezahlt man circa 6,95 Euro Maut pro 100 Kilometer. Die Einnahmen durch die Maut (auf Italienisch Pedaggio) dienen zum Teil zur Deckung der Instandhaltungskosten, zum Teil fließt der Betrag in die Staatskassen.

Über 80 Prozent Mautpflichtig

Auf mehr als 80 Prozent der Strecken müssen Benutzer Maut zahlen. Das gesamte Autobahnnetz hat eine Länge von 6.600 Kilometern, davon werden 5.695 Kilometer durch 24 konzessionierte Betreibergesellschaften und 900 Kilometer im Süden des Landes durch die staatliche Straßenbetriebsgesellschaft ANAS selbst betrieben. Größte Betreibergesellschaft ist die Atlantia, die bis 2007 noch Autostrade S.p.A hieß. Die von der Unternehmerfamilie Benetton kontrollierte Autobahngesellschaft verwaltet ein Netz von 3.400 Kilometern in Nord- und Mittelitalien.

Geschlossenes System

Die meisten Strecken werden im „geschlossenen System“ betrieben, das heißt die Höhe der Maut bestimmt sich nach der zurückgelegten Entfernung und der benutzten Straße sowie der Fahrzeugklasse. Strecken mit hohem Bau- und Erhaltungsaufwand, wie die Gebirgsautobahnen mit vielen Tunneln, werden höher bemautet als Strecken mit geringem Bau- und Unterhaltungsaufwand.

Offenes System

Einige wenige Strecken werden in Italien im „offenen System“ betrieben. Hierbei wird für einen Streckenabschnitt mit mehreren Anschlussstellen oder eine ganze Autobahn, unabhängig von der zurückgelegten Entfernung, nur ein Pauschalbetrag erhoben. Das „offene System“ kommt in Ballungszentren zum Einsatz. In Italien gibt es auch mautfreie Strecken. Der 443 Kilometer lange Abschnitt der A3 von Salerno nach Reggio Calabria wird beispielsweise von der Straßenverwaltungsgesellschaft ANAS selbst betrieben und unterhalten und ist dementsprechend mautfrei. Das gilt auch für einige andere Autobahnen in Süditalien, vor allem auf Sizilien.

Teuerste Autobahn

Italiens teuerste Autobahn ist die A32 zwischen Turin und Bardonecchia im norditalienischen Piemont, geht aus einer Studie der Auto-Fachzeitschrift „Quattroruote“ hervor. Auf dieser Autobahn beträgt die Maut 14,5 Cent pro Kilometer. Es folgen im Ranking der teuersten Autobahnen Italiens die A5 zwischen Turin und Aosta, die 13,6 Cent pro Kilometer kostet und die A15 zwsichen Parma und La Spezia (11,3 Cent pro Kilometer). Am billigsten ist die A20 zwischen Messina und Palermo, die lediglich 5,7 Cent pro Kilometer kostet.

Autoindustrie pocht auf Senkung der Maut

Die Autoindustrie drängt die Regierung auf eine Senkung der Mautgebühren in Italien, die die Autofahrer schwer belasten und für die dramatische Krise auf dem italienischen Automarkt mitverantwortlich gemacht werden. Wegen der Krise, die zu einem drastischen Konsumrückgang geführt hat, ist der Warentransport stark rückgängig. Aber auch Autofahrer sparen immer mehr mit Pkw-Reisen. Das Ergebnis ist ein starkes Minus im Autobahnverkehr. Im vergangenen Jahr wurde auf den Autobahnen ein Verkehrsrückgang von 7,2 Prozent verzeichnet, dieser Trend dürfte auch 2013 anhalten.

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