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Krise, was heißt hier Krise?

Krise. Trotzdem produzieren viele Hersteller mehr Autos als je zuvor.

07.12.2012 Autorevue Magazin

Auf den ersten Blick sieht die Situation sogar sehr gut aus: Viele Autohersteller melden Produktionsrekorde und saftige Gewinne und sind sogar für die Zukunft optimistisch. Doch meteorologisch ausgedrückt ziehen bereits schwere Gewitterwolken auf, die den einen oder anderen Auto­hersteller vielleicht ganz hinwegschwemmen könnten.

Die massiven Finanzprobleme vieler europäischer Staaten wirken sich bereits drastisch auf die Absatzzahlen in Europa aus. Die Autoverkäufe in den südeuropäischen Staaten sind eingebrochen, doch auch die wirtschaftsstarken Regionen im Norden melden wenig Erfreuliches. Ständig steigende Kosten fürs Leben und fürs ­Autofahren, also für Tanken, Parken, Service, Maut, lassen den finanziellen Spielraum für den Kauf neuer ­Autos immer weiter schrumpfen.

Besonders betroffen ist ­davon die breite Mitte der ­Hersteller, speziell jene, deren Käufer im Süden Europas ­daheim sind. Dazu kommen noch einige hausgemachte strukturelle Probleme vor­wiegend französischer und ­italienischer Hersteller.

Krise hin oder her, schon seit Jahren zeichnet sich eine gewisse Sättigung des euro­päischen Marktes ab. Einige Hersteller begegneten dem ­gebremsten Wachstum eher mit Optimismus – man würde schon als Sieger aus dem Verdrängungswettkampf hervorgehen – als mit einem echten Lösungsansatz. Jetzt bekommen sie die Rechnung serviert. Überkapazitäten in der Produktion sind die Folge. Immer öfter ist nun von Werksschließungen die Rede.

Ein Punkt scheint auch zu sein, dass aus der Krise 2008/ 2009 nicht alle die richtigen Konsequenzen gezogen haben. Europaweite Abwrackprämien sorgten auf Steuerzahlerkosten sogar für Verkaufsrekorde. Nun kommt die Ernüchterung. Nur wer die wachsenden Märkte außerhalb Europas schon frühzeitig im Auge hatte, ist weiterhin erfolgreich.

Trotzdem ist die Ausdehnung des Geschäfts auf andere Kontinente kein Patentrezept, um Europas Autowirtschaft anzukurbeln. Wer größere Mengen absetzen will, muss auch vor Ort produzieren. Darauf legen die jeweiligen Regierungen naturgemäß größten Wert. Abgekürzt ­gesagt: Selbst wenn etwa Volkswagen in ­China und ­Südamerika sehr erfolgreich ist, nützt das zwar der Bilanz, aber kaum dem ­europäischen Arbeitsmarkt.

Gute Geschäfte mit hohen Rabatten

Grund für eine echte Untergangsstimmung gibt es trotzdem keinen – jedenfalls in ­Österreich. Vielmehr zeigt
sich jetzt, wer aus der letzten Krise gelernt hat und wer nicht. Die Neuzulassungen in Österreich liegen auf Best­marken-Niveau und in Deutschland fast auf dem Vorjahreslevel. Einzig markante Entwicklung: Die verkauften Autos gehen immer öfter an Firmen und seltener an Private. Allerdings helfen Hersteller und Handel dem Absatz ganz schön nach: Die Zahl der Kurzzulassungen, um die Marktanteilsstatistik zu ­pushen, ist so hoch wie nie ­zuvor, und die Rabatte bzw. Flot­ten­rabatte sind es folglich ebenso. Eigentlich eine gute Zeit für Autokäufer. Im Zuge dessen geben allerdings auch die Gebrauchtwagenpreise nach.

Einiges deutet darauf hin, dass sich die schweren Rückgänge des Autoabsatzes in den EU-Krisenregionen zumindest auf Österreich nicht dramatisch auswirken werden.­ Öster­reichs Zulieferunternehmen haben sich eher an derzeit erfolgreichen Autoherstellern orientiert und agieren zu ­ei­nem erheblichen Teil im ­Premiumsegment mit hohem Know-how-Bedarf und folglich etwas weniger hartem Preiskampf. 

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