Auto China 2014
Das langsamere Wirtschaftswachstum in China lässt die Autohersteller nicht erzittern.
 

Auto China: Wachstum kommt ins Stocken

Die Auto China 2014 ist voll in Fahrt, da kann das langsamere Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte die Laune nicht verderben.

21.04.2014 APA

Die Auto China 2014 ist voll in Fahrt, die Branche kommt derzeit in Peking zusammen und feiert sich selbst, da kann das langsamere Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte die Laune nicht verderben. Ob Volkswagen, Daimler oder BMW – die Manager rechnen auf dem größten Automarkt der Welt in diesem Jahr mit einem Absatzwachstum von mehr als zehn Prozent.

Von Billig- bis zu Luxusklasse

Damit sind die Bremsspuren des langsameren Wirtschaftswachstums zwar auch am Automarkt zu spüren. Seit der Jahrtausendwende ist er jährlich im Schnitt um fast 29 Prozent gewachsen. Aber die Autodichte ist in dem Riesenland trotz des täglichen Verkehrschaos in den Großstädten so gering, dass alle Anbieter noch für lange Zeit mit kräftigem Zuwachs rechnen. Vom geplanten kleinen VW-„Budget-Car“ für maximal 7.500 Euro bis zum Luxuswagen 9er BMW – in Peking als Studie vorgestellt – die Hersteller bieten für alle Kundenschichten etwas an.

Warnungen perlen ab

Warnungen vor wachsender Abhängigkeit der deutschen Hersteller, die inzwischen schon 28 Prozent ihrer Autos in China verkaufen, tritt Audi-Chef Rupert Stadler entgegen. „Das Risiko halte ich für viel größer, jetzt hier nicht dabei zu sein“, sagt er im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Warum sollten wir China als großes Risiko betrachten? Die Menschen hier lieben Autos!“

Deutsche setzen auf Luxussegment

Gerade die deutschen Premiumhersteller locken immer mehr Kunden, die sich häufig Nobelkarossen mit extra langem Radstand und schicker Ausstattung leisten können. Die leichte Abkühlung des Wirtschaftsbooms macht sich hier nicht bemerkbar. China steuert derzeit auf das schwächste Wachstum seit 1990 zu – aus westlicher Sicht sind die zuletzt verzeichneten 7,4 Prozent Plus des Bruttoinlandsprodukts aber noch immer eine Traumrate.

Junge Käufer und Geländewagen

Doch nicht nur große Limousinen für Parteifunktionäre und hohe Staatsbeamte sind gefragt, auch Kompaktwagen finden zunehmend Käufer. „Der Anteil der Privatkunden nimmt zu. Vor allem junge Leute kaufen Autos“, sagt Audi-China-Chef Dietmar Voggenreiter. Besonders beliebt wie bereits in den USA und Europa seien Geländewagen.

China vor den USA

„Die Chinesen sind autohungrig. Das Wachstum hier ist noch lange nicht zu Ende“, sagt auch Ferdinand Dudenhöffer, Chef des CAR-Center an der Universität Duisburg-Essen, auf der Messe in Peking. „Es wäre falsch, jetzt nicht dabei zu sein.“ Im vergangenen Jahr hatte China mit einem Absatz von gut 16 Millionen Fahrzeugen die USA als größten weltweiten Automarkt überholt. Dudenhöffer prognostiziert für dieses Jahr einen Anstieg auf 18 Millionen Stück und bis 2025 ein stetiges Wachstum auf 35 Millionen Automobile.

Die Umwelt leidet

Auf dem Messegelände drängen sich Familien mit Kinderwagen und Schulklassen. Die sonst oft über Peking hängende Dunstglocke hat sich verzogen, trotzdem liegt der Geruch von Kohle und Abgasen in der Luft. Die Blechlawine zum Messegelände kommt zum Stillstand, so dass die angereisten Besucher die letzten Kilometer zu Fuß statt mit dem Bus bewältigen. Die Regierung steuert der wachsenden Luftverschmutzung durch Industrie und Verkehr immer stärker entgegen. So sind Grenzwerte für den Kohlendioxid-Ausstoß geplant, für Elektroautos gibt es Subventionen. Den Trend zum umweltschonenden Auto, in Europa schon länger durch strenge Klimavorschriften erzwungen, können die Autobauer auch in China nicht verpassen. Hier wie da fehlt es allerdings noch an einem dichten Netz von Ladestationen, und die Elektroautos sind nicht billig.

Elektroauto für China

So präsentiert Daimler mit dem Fünfsitzer Denza das erste Elektroauto für China, das die Stuttgarter vollständig mit dem Partner BYD in China entwickelt haben und produzieren. Der chinesische Staat steuere rund ein Drittel des Preises von umgerechnet 43.000 Euro bei, erklärt Forschungschef Thomas Weber. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn bestätigt, dass der Volkswagen-Konzern demnächst in China auch umweltschonende Hybrid-Autos bauen will. Im nächsten Jahr sollen mit dem A3 etron und dem Golf GTE zwei Fahrzeuge, die an der Steckdose aufgeladen werden können, an den Start gehen.

Toyota spart Importzölle

Toyota will mit der kompletten Produktion von Hybridautos in China hohe Importzölle für eingeführte Motorenteile sparen. Im kommenden Jahr will der Weltmarktführer Hybridversionen seiner Modelle Corolla und Levin dort auf den Markt bringen. Batterien und Getriebe der mit Strom und Gas laufenden Fahrzeuge sollen lokal hergestellt werden.

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