Mercedes Benz F125 IAA Frankfurt
Der F125! (mit Ausrufezeichen) ist der Daimler-Ausblick ins Jahr 2025.
 

Auf ein Wort….

… mit Steffen Köhl, Leiter Advanced Design Global bei der Daimler AG.

15.09.2011 Online Redaktion

Steffen Köhl leitet die Advanced Design Studios in Deutschland (Sindlfingen), Peking, Yokohama und in Kalifornien. Damit ist er zuständig für die Visionen im Hause Mercedes. Er und sein Team beschäftigen sich, zusammen mit den Kollegen von der Abteilung Forschung- und Entwicklung, mit der Technologie der Zukunft und mit der Gestaltung von Showcars. Auf der IAA in Frankfurt ist derzeit seine neues Kreation, der F125! zu bestaunen.

Steffen Köhl Design Mercedes Benz

Autorevue: Wie praxistauglich muss denn ein Showcar wie der F125! sein?

Steffen Köhl: Ein Showcar von Mercedes-Benz – und da unterscheiden wir uns von allen anderen Herstellern – ist etwas Besonderes, denn ein Showcar von Mercedes-Benz kann fahren und hat funktionierende Hauptfunktionen im In- und Exterieur. Nach den Shows sind sie oft wochenlang auf Weltreise und werden bei großen Veranstaltungen auf abgesperrten Arealen gefahren. Das haben unsere Showcars von jeher gekonnt. Speziell unsere F-Cars (Forschung- und Designcars). Sie sind fahrbereit und nutzbar. Natürlich entsprechen sie wegen ihrer unkonventionellen Konstruktion nicht allen Gesetzen. Aber von ihrer Grundanlage her, von der Raumaufteilung und von der Ergonomie sind diese Fahrzeuge grundsätzlich fahrtauglich.

AR: Beim F125! haben sie das Privileg, dass sie ohne klassischen Verbrennungsmotor und Tank arbeiten können. Welche Möglichkeiten eröffnet Ihnen das?

SK: Auch die Brennstoffzellentechnologien und der Elektroantrieb brauchen Raum, sind aber hier im F125 beispielhaft untergebracht. Die Feststoffspeicher sind im unteren Boden, dort wo das Interieur drüber liegt, untergebracht. Die Brennstoffzelle selbst ist ein kleineres Aggregat und damit besser zu handhaben als ein großer Verbrennungsmotor mit all seiner Peripherie. Das erlaubt uns eine zierliche und sehr schön fließende Motorhaube. Hinter dem Hintersitz ist genügend Platz für den Elektromotor und einen Kofferraum.

AR: Wozu gibt es denn überhaupt noch die Motorhaube?

SK: Die Motorhaube hat mehrere Funktionen. Jeder Motorhaube ist die Frontpartie eines Autos. Ich brauche eine Motorhaube, damit das Auto crashsicher ist, damit ich die Aggregate, die ich zum Fahren brauche unterbringen kann und damit ich die Beleuchtung im richtigen Sinn unterbringen kann. Die Haube des F125! ist bereits aus einem Guss mit der Frontscheibe und damit sehr fließend in die Karosserie integriert. Es ist zwar eine kleine Haube, aber wir wollten und brauchten sie schon aus rein proportionalen Gründen. Wenn man das Auto von oben oder der Seite sieht, dann erkennt man das Heck und die Front. Ohne Motorhaube hätten wir eine Amöbe. Das wäre aber ein bisschen zu simpel in der Gestaltung.

AR: Vor 125 Jahren hat man einfach Kutschen motorisiert. Dann kam ein großer Designumschwung von der Kutsche zum Auto. Jetzt lässt man den Verbrennungsmotor weg. Wird es wie damals wieder einen großen Designumschwung geben?

SK: Das ist eine Frage die uns beschäftigt. Grundsätzlich hat das Design unserer Marke eine Funktion. Es soll unser Markenimage und unsere Markenwerte – Faszination, Perfektion und Verantwortung – weitergeben. Dabei bedenken wir auch immer: Wie sah die Marke vor 125 Jahren aus. Wir werden keinen Schnitt machen und sagen: „Alles bis jetzt war schlecht, alles was jetzt kommt ist gut.“ Der F125! führt sehr gut die Gestaltung und Technologiesprache fort, die uns unser Erbe gibt. Wir finden beim F125 die aktuelle Designsprache. Dropping Line, scharf konturierte Linien, konvexe und konkave Flächen. Wir fangen nicht an ein rein zweckorientiertes Design zu kreieren. Woran wir arbeiten ist die Frage: Was könnten neue Proportionen sein? Und wenn sie den F125! mit fünf Metern Länge neben eine S-Klasse stellen, dann erkennt man zwar die vergleichbaren Proportionen, sieht aber auch, wie visionär er mit dem Raum umgeht und wie visionär er im Detail ist – im Innenraum, mit modernen Bedienelementen, mit neuen Materialien und und und. Auf diesen Klaviaturen erreiche ich eine in die Zukunft gerichtete Gestaltung, verlasse aber nicht das, was wir „Heritage“ (Erbe) nennen.

AR: Was ist das Designerbe, das sie von Fahrzeug zu Fahrzeug mitnehmen „müssen“?

SK: Für einen Mercedes-Kenner ist deutlich erkennbar, dass wir alles gegeben haben, damit er ein klares Mercedes-Gesicht trägt. Deswegen auch der Stern auf der Haube. Wir haben uns die Frage gestellt, wie weit wir gehen können. Eine große Heritage, den Kühlergrill, haben wir zum Beispiel deutlich weiterentwickelt.

AR: Wenn Sie 30 oder 40 Jahre in Zukunft gehen, welches Auto von Mercedes, das wir heute fahren, könnte den dann als Retro-Variante rauskommen?

SK:
Ich finde die G-Klasse hat das Zeug dazu. Er ist eine Ikone. Bestimmte Limousinen, wie den 280SE, sind superschöne Limousine, die ich gerne ikonisch verarbeiten würde. Auch Sportwagen wie den Pagode muss man ins Auge fassen. Daneben kann man sich bei den Nutzfahrzeugen einiges vorstellen. Bei den Bussen und im Truckdesign.

AR: Vielen Dank für dieses Gespräch.

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