Audi A6 Exterieur Dynamisch front
Einen Hauch breiter und niedriger ist der A6.
 

Vorstellung: Audi A6

Der A6 wird geradliniger – eine Stellung zwischen den neuen Ungeraden.

16.03.2011 Autorevue Magazin

Das Zählen geht bei Audi ein bisserl hatschert: Fünf, Vier, Eins, Acht, Sieben, Sechs – immer schön mit Betonung auf den neuen Ungeraden, die momentan den dramaturgischen Hauptspannungsbogen im Erscheinungsbild tragen, während es den gerade-zahligen Baureihen überlassen bleibt, sich Fundament sichernd, also im Sinne der Erwartungshaltung in die neuen Zwischenräume einzufügen. Jeder hat eben seine Rolle im Leben.

In dieser Rolle, die formal gleichen Abstand zwischen A5 und A7 hält, konzentriert sich der A6 nun mehr denn je auf sich selbst, was das Erscheinungsbild und das Selbstbewusst-Limousinenhafte in klassischer Konfiguration betrifft. Der subkutane Techniktransfer aber ist lebhaft wie nur.

Dargestellt wird die Konzentration durch auffallend gerade Karosserielinien und eine heiligenmäßige Ernsthaftigkeit in der Verbesserung seiner eigenen Tugenden. Eine Art nach innen gerichtetes A6-Drehmoment, könnte man ­sagen, das den gefühlsmäßigen Premiumanspruch famos beflügelt, sich aber halt auch ­kohlemäßig ausdrückt. In der Nähe des Einstiegspreises von knapp unter 43.000 Euro zu bleiben fordert Härte, wenn Luftfederung, ein Riesenangebot an elektronischen Lebenserleichterungen, intelligente LED-Leuchten (mit gesellschaftswirksamer W-Zeichnung) und komfortmäßige Premiumgoodies auf der Aufpreisliste locken.

In der handgeschalteten 177-PS-Diesel-Version mit Stahlfederung und 16-Zoll-Bereifung kommt man sich natürlich auch vom guten Leben ordentlich auf den Mund geküsst vor: Der A6 trägt das moderne Verständnis der Oberklasse im Kern und fein verarbeitet an allen Ober­flächen. Aus der perfekten ­Ergonomie sprechen tausend Mannjahre Verhaltens­forschung.

Das macht sich vor allem in der Mühelosigkeit und der Perfektion des Fahrverhaltens bemerkbar. Wie einen der A6 aufnimmt, umfängt und mitträgt. Eben noch einen Hauch selbstverständlicher als bisher. Man hält ein gleichermaßen komfortabel wie präzise lenkendes ­Lederlenkrad in Händen. Auch die Beinarbeit erscheint einem irgendwie entspannter, was ­daran liegt, dass Audi den Stufensprung zwischen Gas- und Bremspedal fließender gestaltet hat. Wie überhaupt alles die Summe einer Unzahl von kleinen, aber erheblichen Veränderungen ist. Audi hat erstmals ein hydraulisch gedämpftes ­Getriebelager im A6 eingesetzt, das noch effektiver Schwingungen ableitet und Antriebseinflüsse von den Insassen fernhält. Auch die Motorlager wurden neu entwickelt.

Was das Grundlegende ­betrifft: Mit über 20 Prozent Alu-Anteil etwa wurde der A6 trotz ­dickerer Dämmung, mehr Crash-Bollwerk und serien­mäßiger Start/Stopp-Automatik um einiges leichter. Die Allrad-Modelle wiegen 40 Kilo weniger als konkurrierende Heckantriebsmodelle, auf sein älteres Selbst hat er teilweise gar 80 Kilo gut gemacht. Was sich mit anderen Spritsparmaßnahmen, etwa einer energiearm arbeitenden Klima­anlage und der elektromechanischen Lenkung, die laut Audi 0,2 Liter auf 100 km einspart, in entsprechend günstigen Gesamtverbrauchswerten niederschlägt. Durchschnittlich stehen zwischen 4,9 und 8,2 Liter im Amtsblatt, bei einem festlichen Leistungsangebot zwischen 177 und 300 PS.

Drei der fünf ab Marktstart zur Verfügung stehenden Motorisierungen werden als quattro angeboten. Beim 2,8 FSI und dem Dreiliter-TDI kann man wählen, den 245-PS-TDI und den Dreiliter-TFSI gibt es ausschließlich mit Allrad. In allen Quattro-Modellen wird übrigens jetzt das neue Sport-Mitteldifferenzial verbaut, sie kommen automatisch mit Siebengang-DSG (S-tronic), die nicht handgeschalteten Frontantriebs-Versionen haben eine stufenlose Automatik (multi­tronic). Vorerst der einzige

A6 mit manuellem Sechsgang-­Getriebe ist der Einstiegs-Zweiliter-TDI, dem im Herbst jeweils eine Handschalter-­Version des Dreiliter-TDI mit 245 PS und des 2,8-l-Benzin-­Direkteinspritzers folgen werden. Dem 2,0 TDI wird dann auch eine Variante mit Multi­tronic zur Seite gestellt.

Und jetzt stoßen wir vom Ufer ab, hinein ins tiefe Aufpreis-Wasser: Auch beim A6 wird die demokratische Zugänglichmachung sämtlicher Assistenzsysteme gefeiert, von der hochintelligenten Geschwindigkeitskontrolle ACC mit Stop&Go-Funktion, die per Radar, Video und Ultraschall die Umgebung vermisst und vom Navigationssystem mit prädiktiven Streckendaten gefüttert wird, bis hin zum neuen aktiven Spurhalte-­System, das bei Geschwindigkeiten über 60 km/h per Warnhinweis (akustisch und physisch) und Lenkeingriff den A6 innerhalb der Fahrbahnmarkierung hält. Auch erhältlich sind ein Nachtsicht­assistent, ein Head-up-­Display und eine Einparkautomatik, die selbst in Quer- und Längs-Parklücken hineinlenkt – alles Dinge, die man als Hersteller heute in diesen Höhen zwingend anbieten muss (dem Käufer bleibt ja die Wahl).

Dieser Grundhaltung entsprechend, kommt der A6 auch nicht am Thema Internet vorbei. Neben Online-Diensten am Bordcomputer wird auch eine drahtlose WLAN-Verbindung für alle Passagiere angeboten. Was Fahrkomfort und Kommunikation betrifft (MMI mit Handschrift-lesefähigem Trackpad!), gestattet also auch der A6 längst den Zugang zu einer klassenlosen Gesellschaft. So man ihn sich leisten kann.

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