Audi-TT-RS-(AR)_14
 

Vorstellung: Audi TT RS

Urgewalt plus Erinnerungen an wunderbare Zeiten.

01.02.2009 Autorevue Magazin

Schade, dass Autofahren mit geschlossenen Augen so gefährlich ist. Denn eigentlich möchte man mit diesem TT RS nur so unterwegs sein. Das Wesen des stärksten TT liegt nämlich nicht in den 340 PS, obwohl man mit denen so ganz nebenbei tief ins Neunelfer-Revier vordringt – und zwar bei einer Ersparnis von gut 40.000 Euro.

Nein, der wahre Thrill liegt im Soundtrack des TT RS. Selbst wenn man nur kurz blinzelt, fühlt man sich in die seligen Zeiten von Urquattro und Sport quattro zurückversetzt. Es ist dieses stets leicht räudige Fünfzylinder-Grummeln, das mit steigender Drehzahl in ein heiseres, brutales Bellen übergeht. Diese Maschine steckt nämlich voller wunderbarer freier Massekräfte, die quasi im Motorblock rumschwirren, abprallen, sich als Echo mit den Kollegen der nächsten Zündfolge vermählen und dabei einfach wunderbar arhythmischen Lärm erzeugen.

Alleine der Sound rechtfertigt die Existenz des TT RS und ist jeden Cent des Kaufpreises wert. Dieser Fünfzylinder kommt akustisch besser als ein mittelambitionierter V8, und eigentlich würden wir ihn sogar gegen einen Sechszylinder-Boxer tauschen. Leistungsmäßig herrscht ja nahezu Gleichstand mit dem Einstiegs-Neunelfer, und tatsächlich überlegt Porsche, den Motor für den Boxster zu adaptieren.

Da bei Audi die Fünfzylinder-Tradition schon des Längeren brachliegt, bediente man sich im VW-Baukasten: In den USA wird der Jetta als Fünfzylinder-Sauger angeboten, diese Basis wurde um einen ordentlichen Zylinderkopf und Turbolader und noch etliches mehr bereichert. Als Hommage an die Achtziger darf auch verstanden werden, dass sich der TT RS ein Turboloch in historischen Dimensionen leistet. Unter 3000 Touren ist nicht wirklich was los, darüber kommt man kaum mit dem Schalten nach – wohl eine unerwünschte Nebenwirkung der verbrauchsfreundlich langen Übersetzung. Und irgendwie passt es ohnehin, weil der TT RS sowieso ganz bewusst gefahren werden will. Fahrwerk und Lenkung sind exakt am Punkt, Fleiß am Schalthebel wird mit Klanggewitter und wirklich beeindruckender Beschleunigung belohnt, so nimmt man beispielsweise locker die einst magische 5-Sekunden-Marke auf Hundert (4,6 sec), und auf Wunsch kann der abgeregelte Topspeed bis auf 280 km/h angehoben werden.

Tatsächlich entsprechen die gebotenen 340 PS ja auch dem Leistungsniveau der Werksautos, mit denen Audi Rallyeweltmeister wurde. Und wer einmal mit einem TT RS wirklich flott unterwegs war, für den wird die Leistungseskalation der letzten Jahre in die Plus-500-PS-Region einfach nicht mehr nachvollziehbar sein, weil man es auf der Straße ohnehin nie umsetzen kann. Alles über den Fahrleistungen eines TT RS kann höchstens noch der Eitelkeit und Testosteronwertbestimmung dienen.

Apropos Testosteron: Der mächtige feststehende Heckflügel der RS-Version wird für weniger offensive Gemüter hart an der Peinlichkeitsgrenze kratzen und ist schon alleine deshalb diskussionswürdig, weil er den grundsätzlichen Gedanken des TT RS total konterkariert. Schließlich macht das Porsche-Bashing doppelten Spaß, wenn das Opfer nicht weiß, wie ihm gerade geschieht.

Mehr zum Thema
pixel