audi sport quattro gruen front vorne kühlergrill dynamisch kurve
Die Basis des Gruppe B-Wahnsinns. Unterwegs im Audi Sport quattro.
 

Das erste Mal… im Audi Sport quattro

Wieviel Ehrfurcht verlangen Legenden? Wie es ist, wenn dir der Zufall einen Sport quattro in die Finger spielt.

28.09.2013 Autorevue Magazin

Grundsätzlich hat man als gemeiner Motorjournalist nur mit Neuerscheinungen zu tun, was per se nicht unspannend ist. Anders interessant wird es allerdings, wenn man spontan die Möglichkeit bekommt, sich einen Bubentraum zu erfüllen. So geschehen bei der Audi Alpentour 2013, die wir anlässlich der Präsentation vom RS Q3 besucht haben. Als Leckerli – und um langjährige Allradkompetenz zu beweisen – nahm Audi vier alte quattros mit auf die Tour. „Wir haben zwei Urquattros und zwei Sport quattros, die Sie probieren können.“
Moment: DEN Sport quattro? Den Kurzen? Also die Basis des feuerspuckenden Gruppe B-Viechs? Der, der zuletzt als E2 am Pikes Peak in Walter Röhrls Händen zur Legende wurde? Ich, souverän: „Dann nehm’ ich den Sport quattro.“

Mit Legenden ist das ja immer so eine Sache.

Gut in Erinnerung ist mir noch ein Besuch bei Lamborghini in Sant’Agata, bei dem ich die Miura SV ein Stückerl bewegen durfte. Natürlich gehst du mit verklärten Erwartungen auf den Wagen zu – und gleich nach dem Einsteigen bist du fassungslos, im enttäuschten Sinne. In der Miura hockst du drinnen wie der sprichwörtliche Aff’ auf dem Schleifstein: die Knie bei den Ohrwascheln, die Arme gestreckt, damit du das entsetzlich flach stehende Lenkrad überhaupt derklengst – kurz: wäre da nicht das süchtig machende Ansauggeräusch des Zwölfzylinders hinter deinen Ohren, wäre der Traum des ultimativen Sportwagens anstandslos zerplatzt wie eine Seifenblase.

audi sport quattro gruen schriftzug heck Dem Sport quattro nähere ich mich daher etwas reservierter.

Alleine die Optik: Die Karosserie ist geschwollen vor lauter Kraft, der Radstand kürzer als beim Käfer, der Überhang vorne – der dem heftig aufgeladenen Fünfzylinder vor der Vorderachse Platz bietet – wirkt unnatürlich lange. So schiach hatte ich ihn gar nicht in Erinnerung. Das ändert sich auch nicht nach dem Einsteigen. Das Armaturenbrett ist genau dieselbe Plastikwüste wie in jedem anderen 80er-Jahre-Auto, nur der Zugknopf für die Differentialsperren und der Schalter fürs ABS (tatsächlich abschaltbar!) vermitteln dir, dass das etwas Böseres sein könnte. Einmalig auch: die schnurgeraden, extraschlanken A-Säulen – so luftig war das damals.

audi sport quattro gruen innenraum sitze cocpit armaturenbrett Anstarten, losfahren.

Kein ordinärer Wirbel, nur das typische Fünfzylinderwummern im Bug. Richtig erquickend, wieder aufzufrischen, dass Autos früher einfach nach ihrem Konstruktionsprinzip klingen durften – ohne Sounddesign, Auspuffklappen und Tongenerator, also einfach ehrlich. Die Lenkung ist leichtgängig, aber nicht unpräzise – auch die Bremsen sprechen gefühlsecht an. Allzuviel erwartet man sich ja nicht, denn der Sport quattro hat lächerliche 15-Zöller drauf – mindestens so groß sind bei den heutigen RS-Modellen alleine die Scheiben. Jedenfalls nickt er beim scharf Bremsen derartig ein, dass du glaubst, du hängst am Reck und machst die Mühlwelle. Überhaupt macht sich die Kopflastigkeit unsichtbar bemerkbar, ein Gefühl, als würdest du ganz hinten im Auto sitzen.

audi sport quattro gruen heck seite

Wie ist die Beschleunigung?

Unter 3000 ist einmal nichts. Darüber beginnt der Lader zu arbeiten, schubst dich intensiver in den Sitz, aber erst ab 4500 spielt die Musik wirklich, also echt atemberaubend, wenn man das tatsächliche Alter der Konstruktion bedenkt. Und er will nicht aufhören zu Drehen, ich aber schon, schließlich will ich ja nix kaputt machen. Daher setze ich meine Schaltpunkte bei 6500, obwohl der rote Bereich erst bei 7000 Touren beginnt.

audi sport quattro gruen oben seite kurve front

Das und die Frontlastigkeit verlangen eine unglaubliche Anpassung des Fahrstils.

Etwa vor der Kurve wieder am Gas zu stehen, damit du den Wagen in der Kurve schön auf Zug halten kannst. Oder gar nicht vom Gas gehen um den Ladedruck zu halten, und das Heck mit Linksbremsen entsichern, damit das nicht gar so schiebt.
Mit Ehrfurcht denke ich an die Rallyepiloten von damals – was die, mit gewiss noch ärgeren Ladern ausgerüstet, zu tun hatten – und lasse es wieder ruhiger angehen. Das Öl etwas abkühlen. Gleichzeitig wird mir bewusst, dass er der Meilenstein war, der Audi von der steifen Buchhaltermarke weggeholt hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

audi sport quattro gruen vorne front

  • frank.black

    Der Jordan kann schreiben… Hut ab. Schöner Stil, Text mit Herz und Hirn. Kompliment! Weiter so.
    LG Franz Schwarz, Steiermark

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