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Audi S4 Avant Testbericht

Zum Grundpreis finden wir sparsame 333 PS, die weiteren Highlights sind dann extra zu bestellen.

01.04.2009 Autorevue Magazin

Ein Premium-Hersteller lässt seinen Fortschritt im Grunde auf zwei Ebenen stattfinden: Sparsamkeit, Qualität und passive Sicherheit gibt es serienmäßig, der ganze tolle Rest steht in der Aufpreisliste. So kann es kommen, dass ein Auto für 62.000 Euro nach dem großen Wunschkonzert plötzlich über 90.000 Euro kostet. Das ist nicht nur hier so.

Beginnen wir nun dort, wo noch alle neuen Audi S4 gleich sind, beim Motor mit seinen 333 PS – eine hübsche Zahl, und außerdem: zwei Zylinder weniger, 11 PS weniger als der Vorgänger, viel weniger Hubraum, dafür ein Kompressor. Das heißt unterm Strich: V6 statt V8, 3,4 Liter weniger Verbrauch auf 100 km, praktisch gleiche Fahrleistungen auf dem Papier. Da soll noch jemand sagen, dass in Sachen Spritsparen nix weitergeht. Die Weisheit dahinter: Weniger Zylinder heißt grundsätzlich weniger Verbrauch. Und die Direkteinspritzung ermöglicht es, den Kompressor hinter der Drosselklappe anzuordnen, womit dieser möglichst frei und widerstandsarm laufen kann.

Diese Überlegungen wollen wir gleich auf den praktischen Wert abklopfen: 12 Liter Super 95 auf 100 km. Das ist sehr gut für so einen Kraftlackel. Darüber kommt man nur bei German-Autobahn-Dauerbolzerei. Werte darunter sind auch nur bei unsachgemäßer Fortbewegung zu schaffen, etwa auf Autobahnetappen mit Endlosbaustellen und Luftgüte-Hundertern in Bundeslandlänge. Kurz noch zum Charakter: Der V6-Kompressor schnurrt wie ein Wankel hoch, echt toll, da gibt’s keine Wehmut in Sachen V8. Und die Tonlage ist auch auf der männlichen Seite. Seine 333 PS entwickelt der Motor übrigens schon bei 5500 Touren, macht dann aber volle Pulle weiter bis 7000. Zudem steht das höchste Drehmoment schon bei 2900 Touren an. Das zeigt, wie überzeugend durch den liebevoll adaptierten Kompressor die Vorteile eines aufgeladenen Motors (früher Drehmomentanstieg) mit denen eines Saugmotors (hohe Drehzahlen) zusammengeführt wurden. Die sechs Gänge würde man also zum Fahren nicht brauchen, sie helfen aber beim Spritsparen.

Wahrscheinlich haben Sie jetzt schon in der Argumentation erkannt, dass der neue Audi S4 eine technisch straffe Sache ist. Dabei ist der Spagat gewaltig, der zwischen totaler Alltagsfreundlichkeit und exorbitanten Fahrleistungen geschafft wurde. (Übung wirkt: Audi schaukelt sich in dieser Disziplin schon lange mit BMW und Mercedes hoch). Der wahre meisterhafte Schub findet allerdings zum großen Teil erst in der Aufpreisliste statt. Etwa mit dem Sportdifferenzial für 1.041 Euro, das an der Hinterachse in der Lage ist, dem äußeren Rad zusätzliches Drehmoment zuzuteilen (Torque Vectoring), womit man die alte Quattro-Trägheit, diese leicht untersteuernde Gesamtabstimmung, ohne Sicherheitsverlust weggebracht und damit die Dynamik noch einmal hochgeschraubt hat. Und das Ganze bei vollkommen freundlicher Federungscharakteristik (Dämpferregelung +1.158,70 Euro, Dynamiklenkung +1.387,15 Euro).

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