Audi RS5 Exterieur dynamisch Front
Die monströse Drehmomentwelle bricht bei 4000 Umdrehungen.
 

Testbericht: Audi RS5

Surfen auf der Drehmomentwelle: ein Glück, dass Urlaubszeit ist.

07.09.2010 Autorevue Magazin

Es ist ein heimtückischer Irrtum, den RS5 als Teil der A5-Familie zu verstehen. Gilt ein A5 als vornehmes, elegantes Coupé, so ist ein S5 ein schnelles, ­elegantes Coupé. Der RS hingegen stellt mit seinem chromblitzenden Wabengrill, aus­gestellten Radhäusern sowie zwei riesigen elliptischen Endrohren und einem ausfahrbaren Spoiler klar, dass es hier mehr um Statement als Understatement geht.

Mit der Wahl einer geeigneten Lackfarbe ist dieser Anspruch dann noch auf die Spitze zu treiben. Wer einen RS5 in Rot bestellt, liebt es jedenfalls, unter lautem ­Gejohle der umstehenden Menschenmassen sein Auto zu starten und an allen Kreuzungen von verzückten Kindern jeden Alters angestarrt zu werden.

Wenig Zurückhaltung übt folgerichtig auch der frei­saugende V8-Motor mit dem langhubigen Kurbeltrieb des Lamborghini-V10, sowohl ­leistungs- wie verbrauchs­mäßig. 450 PS, damit liegt man gleichauf mit einem 911 GT3, und auf einen Ferrari ­California fehlen lächerliche zehn PS. Trotz Hochdrehzahlkonzept baut die Maschine ab quasi ­erhöhtem Leerlauf eine ­monströse Drehmomentwelle auf, sie bricht bei 4000, und dann surft man darauf bis in lichte Sphären jenseits der 8000/min. Dieses Naturschauspiel wiederholt sich, sooft man an der rechten Schalt­wippe zupft, und dabei lässt das 7-Gang-DSG die Gänge so zart abtropfen, dass es schon wieder easy wirkt. In Wahrheit findet hier Regelungstechnik auf höchstem Niveau statt.

Das entscheidende Feature im RS5 nennt sich DriveSelect. Man verändert damit sozusagen den Seelenzustand des Fahrzeugs. Im Comfort-­Modus scheint alles normal zu sein, gepflegtes Cruisen ist ­zumindest möglich, und mit dem Mozart-Requiem im CD-Player wäre eventuell ein Verbrauch unter 10 l/100 km denkbar. In der Stellung „Auto“ checkt die Sensorik permanent ab, ob der Fahrer gerade Zeit oder Sprit sparen möchte, und stimmt die Fahrzeugparameter darauf ab. Wer den ­Dynamic-Mode aufschaltet, meint es ­definitiv ernst.

Lenkung, ­Motor, Getriebe und Sport­differenzial werden auf die Spitze ihrer sportlichen Leistungs­fähigkeit hochgefahren, und man wähnt sich in ­einem anderen Auto. Der Auspuffsound ist dann auch nicht mehr ­jugendfrei, und beim Runterschalten hallt plötzlich aggressives Zwischengas durch den Abgasstrang. Es ist erschreckend, wie man das ­Wesen ­eines Fahrzeugs heute elektronisch parametrieren kann.

Zwecks Steigerung des ­Argen ins Ärgste knipst man das ESP zweistufig ins Off, was allerdings nur der Heroisierung des Fahrers dient, da ein großartig abgestimmtes Fahrwerk zusammen mit dem neu entwickelten Mitteldifferen­zial auch in weit entfernten Geschwindigkeitsorbitalen der­artig gut arbeitet, dass man kaum in die Verlegenheit eines schützenden Regeleingriffs kommen wird. Routinierte Schnellfahrer werden das zu schätzen wissen, nicht routinierte Schnellfahrer dürfen sich zumindest sehr sicher fühlen.

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