Audi RS3 MTM Sportback Front
Toleranz. Um Himmels Willen, die anderen müssen toleranter sein.
 

Testbericht: Audi RS3 MTM

Soll durchaus vorkommen, dass einem 340 PS in manchen Situationen zu wenig sind. Abhilfe schafft MTM-Importeur Raphael Sperrer.

12.05.2012 Autorevue Magazin

Die Lichthupe im Rückspiegel verheißt nichts Gutes, sie kommt von einem silbernen Touran mit Blaulicht. Was der wohl will? Wahrscheinlich irgendwas am Auto bemängeln. Gut, die Tieferlegung mittels KW-Fahrwerk sieht man dem Audi RS3 an, auch die MTM-Felgen wirken ganz schön mächtig. Aber laut ist der Klappenauspuff wirklich nicht. Außerdem: alles eingetragen, alles typisiert. Gefahren sind wir sowieso wie die Engerl.

Wenn das bitte unter uns bleiben könnte: Natürlich ­haben wir Strafe gezahlt. Die Räder sind angeblich an einer Stopp-Tafel nicht still gestanden. Nicht sehr heldenhaft mit 472 PS unter der Haube.

Aber genau genommen sind wir damit schon mitten im Thema: Die Wandelbarkeit des MTM-getunten Audi RS3 ist schlichtweg großartig. Keine Spur von überzüchtetem Vieh – wäre nicht das Fünfzylinder-Gurgeln, könnte man meinen, in einer drögen A3-Basis­version zu sitzen. Der mit anderem Turbolader und Ladeluftkühler leistungsgesteigerte Motor wirkt solide wie sein ­Serienpendant. Das Siebengang-DSG reicht im Normalbetrieb die Gänge untertourig und somit spritsparend durch, beim Beschleunigen auf Autobahntempo bleibt der Verbrauch einstellig – und das Staunen, dass so was mit dieser Leistung möglich ist. Invers-Downsizing, wenn man so will: Starke Motoren, die man nur kitzelt, brauchen halt ­wenig – das wusste schon ­Onkel Phil.

Freilich geht’s auch anders: Ab 3500 Touren kommt richtig Leben ins Gehäuse, man glaubt jedes einzelne der versprochenen PS. Wer es eilig hat, bleibt aber besser im Automatik-S-Modus oder schaltet manuell, um nicht in die ladedruckarme Zone zu fallen.

Durch den Allradantrieb fährt sich der Audi locker und smooth, nie kommt Hektik auf. Kurven nimmt man auf Zug, zu schnell angegangene werden mit Untersteuern geahndet. Allrad­typisch fad, dafür sicher. Mit der Vierkolben-Bremsanlage und 376-mm-Scheiben vorne ist auch für Negativbeschleunigung ­bestens gesorgt. Man muss
den RS3 ja auch aus 292 km/h derbremsen können. Aber das wollten wir hierzulande dann lieber doch nicht ausprobieren.

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