Audi RS3 Sportback dyn voli
Motor, Sound und Performance sind einzigartig im Kompaktwagen-Segment.
 

Testbericht: Audi RS3

Die Liebe zum Fünfzylinder und warum ein Kompaktwagen 60.000 Euro kosten darf.

31.07.2011 Autorevue Magazin

Es ergibt sich aus der Logik der Modellzyklen, dass der A3 im aktuellen Audi-Line-Up mittlerweile den Vorsitz im Ältestenrat innehat. Er baut auf einer im Prinzip acht Jahre alten Plattform (die des Golf V), daher wirken das Interieur-Design und vor allem die Bedienlogik wie aus einer lange vergangenen Zeit. Das tolle MMI der jüngeren Audis fehlt ebenso wie eine moderne ­Navi-Software, die aktuelle Klimabedienung oder die Fahrdynamik-Parametrierung Drive-Select. Jetzt ergibt es sich, dass Audi zum Abschluss der Produktion einen völlig losgelösten RS3 Sportback auflegt – und plötzlich sitzt man in einem nicht mehr ganz ­taufrischen Kompakten um gut 60.000 Euro Basispreis.

Wer 60.000 Euro für den Audi RS3 verrückt findet, darf wieder aussteigen und sich um das Geld zwei Scirocco TDI kaufen.

Die anderen ­starten zur ­Sicherheit einmal den ­Motor, kriegen die Fünf­zylinder-Gänsehaut und verlieben sich auf der Stelle in den Sound dieser grandiosen Maschine. Überhaupt einer der besten Ottomotoren unserer Zeit, nicht umsonst gab es dafür zweimal den Engine-of-the-Year Award. Mit dem Einsatz aller Mittel der modernen Motorentechnik hat man den hochaufgeladenen Fünf­zy­lin­der auf eine schier unglaubliche Drehmoment­cha­rak­te­ristik gebracht. Das Nenn­drehmoment übertrifft die Werte bekannter Achtzylinder, und vor allem: Es steht bereits ab lächerlichen 1600 U/min zur vollen Verfügung und bleibt dann konstant bis 5300 U/min. So lassen sich zusammen mit dem serienmäßigen 7-Gang-DSG (das bei Audi ­S-tronic heißen muss) und dem Allradantrieb echt üble Dinge ­anstellen.

Fast noch beeindruckender ist die Lässigkeit des Antriebs im aufgelockerten Stadtverkehr. Moderates Beschleunigen bei 1300 hätte früher so einen Motor verröcheln lassen, die Getriebesteuerung im RS3 erachtet nicht einmal ein Zurückschalten in den vierten Gang als notwendig. Bis auf die dunklen 19-Zoll-Felgen auch äußerlich weitestgehend unauffällig, wird ein RS3 daher zumeist als friedlicher Kamerad wahrgenommen.

Man kann sich dann auch ohne Drive-Select stufenweise den fahrzeugdynamischen Irrwitz erschließen. Die Getriebesteuerung kennt einen S-Modus, der die Gänge höher ausdreht, die Sporttaste schärft Gaspedalkennlinie und Motorsound an, und das ESP lässt sich zweistufig ausschalten. Aus heißt dann auch wirklich AUS. Das toll abgestimmte Fahrwerk und der Allradantrieb sorgen aber grundsätzlich für ausgeprägte Stabilität im System, man muss schon sehr übertriebenen Blödsinn anstellen, dass sich ESP überhaupt zu Wort meldet. Auch scharfes Anbremsen aus hohen Geschwindigkeiten ist kein Thema für die Hinterachse, ­unter anderem ein Ergebnis aerodynamischer Detailarbeit.

Völlig abstrakt ist die realisierbare Beschleunigung aus dem Stillstand, recht praktisch per Launch-Control exekutierbar, und zwar auf jeder Art von Untergrund. Von 0 auf 100 schlägt ein RS3 alle Caymans und auch die Basis-Elfer, er ist gleich schnell wie ein doppelt so teurer 911 GTS. Es gibt im Kompaktwagen-Segment nicht einmal annähernd etwas Vergleichbares, und plötzlich sind 60.000 Euro sehr relativ.

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