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Vorstellung: Audi R8

Das wird ein Sommer der heftigen Gewitter – hier ist der pfeilgiftfroschgiftigste Audi aller Zeiten!

01.04.2010 Autorevue Magazin

Unfreundlichsein liegt jetzt wieder im Trend. Audi hat seit Jahren die grimmigsten Überholspursäuberungs-­Gesichter und jetzt das grimmigste Cabrio der Saison. Und wie wurde es das?
Indem der optisch ein bissl krötige R8 nicht einfach oben abgeschnitten wurde, sondern regelrecht umgebaut. Er hat ein flaches, langes Heck mit zwei Alu-Lufthutzen bekommen. Lamborghini Gallardo lässt grüßen. Und hinter den Türen statt der verlegenen Sideblades echte Lufteinlässe, die den im Heck eingebauten Motor mit Atemluft versorgen. Mit viel Atemluft.
Entgegen dem Trend zur Verweichlichung hat Audi dem Spyder ein klassisches Stoff­verdeck angedeihen lassen. Dieses wiegt nur 42 Kilo, dadurch bleibt das Auto vergleichsweise leicht und der Schwerpunkt tief. Das Verdeck ist natürlich kein osmotischer Fetzen. Was es aber durchlassen muss, lässt es durch: nämlich den räudigen Klang vom Fünfliter-V10, der von hinten die Ohren beliefert und erfreut.
Der V10 also: 525 PS, 4,1 Sekunden auf Hundert, 12,7 Sekunden auf Zweihundert. Der R8 zählt zu den Supersportlern, und so tut auch der Spyder. Der ist nix für ein paar stimmungsvolle Runden in der milden Abendsonne mit einschlägiger Begleitung, zuerst Heurigen, dann spazierenfahren, dann schmusen. Es würde viel gestritten werden.
Der Spyder ist nämlich auf Kampflinie konditioniert.
Sich um fast 13.000 Euro die Keramikbremsen zu bestellen, muss keine peinliche Kraftmeierei sein (die Gefahr ist groß), sondern kann durchaus der ganz ernst gemeinten ­Erweiterung des Erfahrungshorizonts dienen.
Die Erfahrungen, die man mit dem R8 Spyder macht, ­siedeln insgesamt in den ­physikalischen Grenzbereichen. Kurvengeschwindigkeiten wären etwa so ein Thema. Der Mittelmotor belastet die Hinterachse kaum mehr als die Vorderachse und stört bei schnellen Richtungswechseln nicht. Die Lenkung ist außergewöhnlich direkt, der Allradantrieb saugt das Auto am ­Belag fest, es geht für den Fahrer eigentlich nur darum, die schnelle Fahrt mental bewältigen zu können (Playstation­spieler sind vermutlich im Vorteil).
Ob man die Sau auch mit offenem Dach rauslassen will, ist eine Frage des persönlichen Mutes und der Temperatur
(es zieht) – aber auch wer das Dach geschlossen lässt, hat den deutlich schöneren R8. Schon das legitimiert den Spyder vollauf.
Audi bietet zwei Getriebe­varianten an, bei beiden hält man einen Aluminiumstick in der Hand, der für sich genommen schon den Tag ­rettet. Das ist im Falle der „R tronic“ auch bitter notwendig. Dieses automatisierte Schaltgetriebe macht das Auto im Vergleich zu einem Doppelkupplungs­getriebe oder einer Wandlerautomatik in der Beschleunigung um ein paar Hundertstel schneller, sagen die Audi-Techniker. Das sind natürlich Welten, aber die bezahlt man mit 8.000 Euro und wirklich lästiger Schubunterbrechung beim Schaltvorgang. Wenn man sich nicht anspannt, nickt man mit dem Oberkörper vor und zurück, im Automatik­modus sowieso, im manuellen Modus auch (da werden beim Runterschalten dafür kurze Zwischengas-Einakter zum Niederknien aufgeführt).
Also doch lieber das manuel­le Sechsganggetriebe. Wenn man selbst das Kupplungspedal tritt und den Gangknüppel führt, nimmt man die Schubunterbrechung nicht wahr. Und trotz 200.000 Euro-Supersportler-Nimbus: Selbst­rühren macht hier direkt Spaß. Zeitgemäße Dauerlösung ist es natürlich keine.
Wenn man sich mit den 100 Litern Kofferraumvolumen arrangiert hat, lebt es sich im Spyder durchwegs komfortabel. Die Sitze sind gegen Sonnenaufheizung speziell pigmentiert, die gesamte Autobedienung ist unkompliziert und logisch, Ablagen sind vorhanden, und das Fahrerinforma­tionssystem verfügt über einen Laptimer für die Rennstrecke. Das ist sowieso das Wichtigste.

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