Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic orange front seite
Die Farbe, man nennt sie Samoa-Orange, war anfangs Gegenstand langer Debatten in der Redaktion.
 

Dauertest-Abschluss: Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic

Dauertest-Abschluss – Rom, Paris, Saarland, und schon ist wieder ein Jahr vorbei und ein Auto weg. Die Lücke, die es hinterlässt, wird durch seinen Abgang nicht geschlossen.

23.09.2013 Autorevue Magazin

Man kann natürlich auch sagen: Ein Audi um 40.000 Euro nackert, mit Extras auf 55.000 Euro gepimpt – wie nicht sollte der ein Vielverwendeter, Hochumworbener sein? Nicht selten war er das teuerste Auto in der Fuhrparks-Garage, und teuer ist schließlich immer die Hauptsache.

Knapp 40.000 Kilometer wurden mit dem Audi Q3 gefahren, mehr als das Doppelte des Durchschnittswertes in dieser Fahrzeugkategorie, und wenn man bedenkt, dass die Redaktion zum nicht geringen Teil aus Peripatetikern, Radfahr­terroristen, Lincolnfahrern und anderen Existenzen am Rande der Gesellschaft besteht, ist das keine geringe Leistung.

Also teuer und begehrt, ­dabei aber keineswegs nach sonstiger Audi-Art von kühler Unnahbarkeit. Der Audi Q3, man muss das einmal ansprechen, sieht direkt ein bissl patschert aus. Gerade im Profil, wo ­Audis generell mit langgezo­gener Anmut punkten, ist er nach vorne und nach hinten hin etwas stummelig.

Aber egal, saßen wir drin, merkten wir das nicht.

Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic orange tacho detail armatur

Man kann die Eckpfeiler der Beliebtheit des Audi Q3 benennen.

Erstens Deutschland. Zweitens 177 PS, aber Diesel, also Reichweiten bis 900 Kilometer waren möglich. Drittens Ledersitze, Sitzheizung, Rückfahrkamera, gutes Navi, und der eine oder der gleiche schätzte auch die Anhängerkupplung sehr, denn er fährt oft nach England und kauft dort Komponenten für sein exklusives Hobby ein, und er fährt immer „am Stück“. Da kam der Q3 zupass.

Erstens Deutschland, sagten wir, und damit meinten wir diese Zuverlässigkeit, die da mitschwingt. Die Deutschen rufen auch immer an, wenn ausgerichtet wird, sie würden anrufen. So zuverlässig war der Audi. Er hat sich nichts ­zuschulden kommen lassen. Bei der Abschlussüberprüfung wurden festgestellt: Bremsscheibe vorne links eingelaufen, damit ist gemeint, es sind Rillen drin. Es dürfte sich ein Steinchen verkeilt ­haben. Dann war der Unterdruckschlauch zum Druck­sensor (im Turbolader) an­gebissen, der Verdacht fällt auf einen Marder und damit indirekt auf den Herrn Chefredakteur, der ein Landbewohner ist.

Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic orange armauflage fach ablage mittelarmlehne innenraum

Was das Leben angenehmer machte: Ablagen und reichlich Platz auch hinten.

Der Rest sind altersbedingte Gebrauchsspuren im Innenraum, weil Kollege Strubreiter immer zerlemperte Fahrräder in die Autos hineinstopft, und diverse Kratzer, Steinschläge sowie eine flachkantige Eindrückung in der Karosserie, über die wir jetzt Schweigen breiten wollen.

Und einmal fuhr einer in der Parkgarage hinten in die Wand, weil, wie er sagte, das Piepserl nicht gepiepst hätte. Es ist zu vermuten, dass es erst nachher nicht mehr gepiepst hat und vorher nur das Radio zu laut war.

Emotionale Einträge im Fahrtenbuch gibt es recht wenige.

Das ist, weil unser Journalisteninstinkt immer erst bei negativen Ereignissen anspringt, und an denen war ein Mangel. Ein Kollege schrieb „Willhaben!“ hinein, womit er aber das Auto an sich meinte und nicht, dass man dieses schnellstens im Internet verklopfen sollte. Derselbe Mensch verfasste auch das Kurzprosastück „feinster Flauschfilz im Ablagefach der hinteren Armlehne“, bemängelte aber eine Zeile später schon, dass die Hutablage beim Zumachen und bei Unebenheiten klappert. Sie geht außerdem nicht mit der Heckklappe in die Höhe, was schon im Einstiegsbericht mit „un­nötig billig“ quittiert wurde.

Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic orange tuergriff detail tuerschnalle

Oft aber finden sich die ­Namen fremder Länder und ausländischer Metropolen im Fahrtenbuch. Bis nach Paris stieß einer vor, und auch der Autor dieser Zeilen saß acht Stunden ohne Pause im Auto, ohne mürbe zu werden. Der Q3 dürfte ziemlich gute Sitze haben.

Langstreckenqualitäten also, sie haben nichts mit plötzlicher Kraftentfaltung zu tun. Der 177-PS-Motor harmoniert mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf eine entspannte Art, plötzliche Erup­tionen liegen nicht so im ­Charakter des Gespanns. Will man schnell aus dem Stand lossprinten, wirkt das Auto glatt ein bissl lahm, nimmt erst nach ein paar Schreck-Milli­sekunden Fahrt auf. Dafür ­galoppiert es sich, einmal in Schwung gekommen, lässig dahin, wobei nur ein paar Windgeräusche an den Außenspiegeln stören.

Thema Größe.

Hier muss sich der Q3 am Q5 messen, im Sinne von: braucht’s Letzteren? Dazu ist zu sagen, dass der Q3 die Grundbedürfnisse des normalen Sitzens von vier normalgewachsenen Personen anstandslos erfüllt. Von etwaiger Beengtheit hat in den zwölf Monaten nie jemand was verlauten lassen. Der Kofferraum befindet sich in seiner Größe im klassenüblichen Bereich. Es wird immer Sachen geben, die nicht hineinpassen (das gilt aber für den Ford Transit genauso, zum Beispiel).

Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic orange rueckbank sitze hinten Innenraum

Der Verbrauch:

Der Durst stand in den ersten Wochen bei 7,2 Litern, stieg über den Winter auf 7,8 Liter, was wohl auch mit den vielen unaufgewärmten Stadtfahrten zu tun hat, und kam schließlich vor der Rückgabe bei 7,89 Litern zum Stehen. Offenbar nahm das Durchschnittstempo etwas zu. Man kann erwarten, dass dies dem Nutzungsprofil des Durchschnittsmenschen entspricht, denn in der Redaktion der ­Autorevue werden die unterschiedlichsten Fahrstile praktiziert. Wobei der Q3 keineswegs zum Rasen animiert, eher wirkte er in seiner Gesamtheit beruhigend auf alle.

Als wir den Q3 zurück­gaben, malte erstens eine Kollegin ein Smiley mit herab­gezogenen Mundwinkeln ins Fahrtenbuch, und zweitens ­erfuhren wir, dass das Auto noch 36.500 Euro wert sei. Hätte man beim Kaufpreis nicht verhandelt, wären in ­einem Jahr fast 20.000 Euro flöten gegangen, aber das ist leider normal. Von jetzt an wird die Kurve flacher nach unten gehen, dies jenen zum Trost, die das Auto wohl noch manches Jahr bewegen werden. Unsere Glückwünsche begleiten sie.

Hier finden Sie den Dauertest-Zwischenbericht des Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic.

Hier finden Sie den Dauertest-Einstiegssbericht des Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic.

Die Rechnung

Wir sind mit dem Audi Q3 in genau zwölf Monaten 39.626 km ­gefahren. Als Grundlage der Versicherung diente der ­günstigste ­Versicherungstarif auf Stufe 9 aus dem Internet.

SERVICE

bei 30.000 km € 341,–

REIFEN

Bei unserem Nutzungsprofil haben wir etwa den Gegenwert eines Drittels einer Winterreifen-Garnitur aufgebraucht (neu 744 Euro – Michelin Latitude Alpin LA2, 235/55 R18). Der Verschleiß der Sommer­reifen ist in den Wertverlust eingeflossen.
Winterreifen aliquot € 248,00

DER ZUSTAND

Laut ÖAMTC-Fahrzeugwertschätzung ­liegt der Marktzeitwert unseres Audi Q3 bei 36.500 Euro. Beim Händler würde man dafür noch 32.040 Euro bekommen (theoretisch). In der technischen ­Begutachtung fielen vereinzelte Steinschläge und Kratzer an der Karosserie auf, die als nutzungsbedingt über die altersentsprechenden Gebrauchsspuren hinaus nicht berücksichtigt wurden.

DIE ABRECHNUNG

Service-Kosten € 341,80
Reifenabnutzung € 248,00
3.127 Liter Diesel
tatsächliche Kosten € 4.640,76
KFZ-Steuer € 699,60
Haftpflichtversicherung € 681,82

SUMME € 6.611,98

Kilometerpreis

ohne Wertverlust 0,167 Euro/km

Wertverlust

Unser Audi Q3 2,0 TDI quattro S-tronic kostete zu Dauertest-­Beginn 55.560 Euro inkl. ­Extras. Der aktuel­le Zeitwert beträgt laut ÖAMTC-Schätzung*) 36.500 Euro. Es ergibt sich daraus ein Wertverlust von 19.060 Euro.

Kilometerpreis

mit Wertverlust 0,648 Euro/km

  • Ravenbird

    Audi hat immer gute Autos gebaut und baut – wie alle Deutschen gute Autos.
    Der Standort ist halt teuer, daher leidet die Qualität der Zulieferer oft durch den Preisdruck.
    Die Löhne können sie nicht ewig senken oder einfrieren, daher wird an anderer Stelle gespart.

    Ich hätte gerne durch die EU wertstabile Löhne (das Geld als Lohnausgleich statt in verbrecherische Banken) und die gleiche Hochwertigkeit der Autos wie früher.

    Sie haben Glück gehabt mit dem Wagen. Oder sollte VW-Audi die Zulieferer neuerdings im Griff haben?

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