Audi Q3 Exterieur Statisch Front
Ein Audi wie ein Audi.
 

Vorstellung: Audi Q3

Der Audi Q3 wird so viele Bedürfnisse treffen, dass man sich fragt, warum wir so lange drauf warten mussten.

19.05.2011 Autorevue Magazin

Genau genommen hat das Ding zehn Jahre Verspätung: Lange vor dem totalen SUV-Boom präsentierte Audi auf dem Pariser Salon 2001 die Studie eines kompakten, sportlichen Offroaders namens Steppenwolf. Das Publikum war zuerst überrascht, dann durchaus angetan, auch bei Audi gab es namhafte Befürworter für die Serienumsetzung. Trotzdem verschwand der Steppenwolf nach der Show auf Nimmerwiedersehen im Ingolstädter Prototypen­keller, wohl ein bissl aus Angst vor der eigenen Courage: Schließlich zeichnete sich ­gerade das monumentale ­Debakel mit dem A2 ab, dessen einziger Fehler aus heutiger Sicht war, dass er seiner Zeit heillos voraus war. Experimente waren damals bei Audi nicht gefragt, sind es bis heute nicht.

So betritt der Q3 nun tadellos gesichertes Terrain, in jeder Hinsicht. BMW hat mit dem kompakten, weiß Gott nicht billigen Premium-SUV X1 ein Segment erfolgreich eröffnet, dessen Pracht sich heuer noch mit dem Range Rover Evoque und eben dem Q3 entfalten wird, auf ein dementsprechendes Mercedes-Modell wird man auch nicht lange warten müssen.

Der Erfolg der neuen Klasse ist vorhersehbar, stellt sie doch quasi den Goldenen Schnitt aus vielen Zeitströmungen dar: Vernunft trifft Bequemlichkeit, Öko-Denken trifft Sicherheitsbedürfnis, ­Premium-Lust trifft Kreditrahmen. Und nicht ­zuletzt macht so ein Q3 richtig was her, ohne gleich dick aufzutragen.Tadellos gesicherter Boden auch in Sachen Design. Der Q3 steht so selbstverständlich da, dass man fast ein bissl an die jahrzehntelange Golf-Evolution denken muss.

Die maßgeblichen Audi-Gene sind vollzählig angetreten: der martialische Kühlergrill, die harte Seitenkante ­namens Tornado-Linie, die markanten Leuchten, die all­gegenwärtige Qualitätsanmutung, das cool-fesche Cockpit-Design mit MMI-Bedienungsführung. Selbstverständlich wird das komplette Assistenten-Heer aufmarschieren. Einzige Überraschung ist das sehr flach abfallende Heck, ­dessen Auswirkung noch überraschender ist. Setzt man sich nämlich hinten rein, werden Großgewachsene recht schnell an die Grenzen ihres Haupthaares stoßen. Aber wie oft führt man schon Sitzriesen im Fond spazieren?

Die Kopffreiheit im Fond wurde zugunsten einer pass­genauen Positionierung ge­opfert. Wer hinten mehr Platz erwartet, wird an den zwanzig Zentimeter längeren, um fast einen Kleinwagen ­teureren Q5 weiterverwiesen. Oder eben an den VW Tiguan, der in etwa gleich groß ist, aber doch deutlich banaler ­daherkommt.

Praktisch überraschungsfrei auch die technische Plattform. Der Q3 basiert auf dem quermodularen Baukasten (Golf, A3, Yeti, Tiguan usw.) und wird ausschließlich mit Vier­zylindermotoren erhältlich sein. Vorläufig sind zwei Diesel (140 und 177 PS) und zwei Benziner (160 und 211 PS) geplant. Frontantrieb gibt es jeweils nur für die schwächeren Versionen, bei den Quattro-Modellen erledigt eine Haldexkupplung die Kraftverteilung zwischen vorne und hinten. Neu in Sachen Antrieb ist eine „Segelfunktion“, die es nur in Kombination mit dem DSG-Getriebe geben wird. Dabei wird beim Dahinrollen automatisch ausgekuppelt, es gibt also keine Motorbremse, die Wirkung entspricht dem guten, alten Freilauf (DKW!, Saab 96!!). Audi-Chefentwickler ­Michael Dick verspricht im ­realen Leben eine Verbrauchsreduzierung bis zu 15 Prozent. Warum die alte Idee erst jetzt wieder ausgepackt wird? Weil man seinen Fahrstil ein wenig wird anpassen müssen, hauptsächlich aber, weil die Segelfunktion keine Auswirkung auf den theoretischen Norm-Fahrzyklus hat. Seltsame Welt, in der wir leben.

Gebaut wird der Q3 übrigens bei Seat in Spanien, wo man doch einige Kapazitäten frei hat – bis zu 100.000 Stück, wenn alles programmgemäß läuft. Und da spricht wenig ­dagegen: Mit einem Basispreis von unter 32.000 Euro wird sich der Q3 bei vergleichbarer Antriebskonfiguration deutlich unterhalb des A4 Avant einordnen. Verkaufsstart ist ab sofort, ausgeliefert wird ab September.

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