Audi alternative Treibstoffe
Mit völlig neuen Methoden will Audi künstliche Treibstoffe herstellen.
 

Einzeller im Schmutzwasser

Die Zukunft, wie wir sie bisher kannten, findet nicht statt.

06.02.2013 Autorevue Magazin

Audi, die wie keine andere Marke den Technikanspruch für sich reklamieren, hat verstanden, dass alles, was ab nun geschieht, immer eng mit den Begriffen Nachhaltigkeit, ganzheitliche CO2-neu­trale Mobilität, Umweltbilanz und Netzeinspeisung verknüpft sein muss. Gerade jetzt in Zeiten von cool müssen wir lernen, mit Begriffen wie regenerative Energie, Kraftstoffvorkette, synthetisches Ethanol und oxygene Photo­synthese umzugehen.

Audis Ansätze greifen wirklich sehr weit, zum Beispiel bis zur Beteiligung an einem Start Up in Bedford/Massachusetts, dem es gelungen ist, synthetische Kraftstoffe mithilfe von speziellen Mikroorganismen (Cyanobakterien) zu produzieren. Demnach ein echter Markentreibstoff: Audi e-diesel und Audi e-ethanol. Dazu benötigt man ­außer kilometerlangen Plastikschläuchen nur Wasser (kann auch salzig oder brackig sein), CO2, Sonnenenergie und spezielle Mikroorganismen, blöde Einzeller von tausendsteln Millimetern Größe. Wie jede Pflanze beherrschen sie die Photosynthese. Sonne und CO2 (z. B. Abgase) reichen ihnen völlig zum Kohlehydrate-Bilden und Wachsen. ­Nebenprodukt: Sauerstoff. Die Experten von Joule, so der Unternehmensname, haben diesen Photosyntheseprozess so verändert, dass die Bakterien, anstelle sich frivol fortzupflanzen, brauchbare Alkane bilden – somit aus dem Kohlendioxid direkt Ethanol gewonnen wird.

Einen nicht minder cleveren Zugang zur Kraftstoffherstellung (und des Weiteren zur Strom-, also Energiepufferung) fand Audi in Form von e-gas. 2013 soll eine weltweite Kette nachhaltiger Energieträger aufgebaut werden. Die Primärenergie kommt dabei aus Offshore-Windkraftwerken an Deutschlands Nordküste; sie wird ins Stromnetz eingespeist, um dann per Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu teilen. Der Wasserstoff reagiert in Methanisierungsanlagen mit Kohlendioxid, was künstliches Erdgas ergibt. Dieses e-gas wird ins öffentliche Gasnetz eingespeist werden.

Die Zukunft, wie wir sie kennen, wird freilich abgeschafft. Noch besteht die Spreizung zwischen „Emotionalität“ und Umweltneutralität. Noch denkt man, beides vereinen zu können. Aber schon zeichnen sich am fernen Horizont die elektronisch gekoppelten Konvois ab, und gerade jetzt bekommen wir von Audi vorgeführt, wie ein satellitenüberwachtes prädikatives System funktioniert, das erkennt, wie schwer das Auto ist, und auch Parameter von Luftwiderstand, Rollwiderstand und Ausrollverhalten aufnimmt, wie also dieses System unter dem Gaspedal weg den Motor, das Getriebe steuert.

Eher der Praxis angenähert: Die neue Generation der Plug-in-Hybride am Beispiel des A1, der dank hochfeiner Synchronisation zwischen 3-Zylinder-TFSI und Elektromotor Nummer 2 (der 1er ist Starter/Lichtmaschine) mit einem 1-Gang-Getriebe auskommt, das den E-Motor auf Straßendrehzahl heruntersetzt. 0-100 in 9 sec, Verbrauch 1 l/100 km. Audi hat sich erfolgreich dem System „Direkter Kraftschluss des Verbrennungsmotors mit der Achse“ verschrieben, eine typische Technikerlösung, die das leere Aufheulen von rein generativen Verbrennungsmotoren ­verachtet. Insofern kann man also ver­sichert sein, dass bei Audi Kunden­versteher arbeiten, jedenfalls solange es was zum Verbrennen in Motoren gibt. Und wenn es nur Bazillenkacke wäre.

Mehr zum Thema
pixel